Börse - Aktien Schweiz: Sorge um Pandemie schickt Kurse auf Sinkflug

Der Schweizer Markt erlebt die grössten Kursverluste seit Dezember 2018. Die Angst, dass sich das Coronavirus in eine weltweite Pandemie entwickeln könnte, sorgt für fluchtartige Reaktionen.
24.02.2020 11:40

Riskante oder konjunktursensitive Anlagen wie Aktien und Öl geraten unter den die Räder, währen sichere Häfen wie Gold, der US-Dollar und der Schweizer Franken verstärkt gesucht werden.

Nachdem das Virus lange Zeit auf China begrenzt war, steigt mittlerweile die Zahl der Infizierten in anderen Regione. Auch in Europa ist das Virus mittlerweile angekommen. "Das ganze Thema rückt näher an uns heran und damit wächst an der Börse die Angst vor einer weltweiten Lähmung der Wirtschaft", kommentiert ein Händler. So hat sich das Virus beispielweise in Norditalien so schnell ausgebreitet, dass dort Quarantänezonen errichtet wurden.

Chinaabhängige Firmen abgestraft

Der SMI fällt gegen 11.05 Uhr um 3,19 Prozent auf 10'756,40 Punkte. Auf diesem Niveau stand er letztmals vor etwa drei Wochen. Seit dem Handelsbeginn hat der damit etwa 350 Punkte verloren. Die verschärfte Unsicherheit ist auch beim VSMI abzulesen, der mittlerweile ein Plus von 35 Prozent aufweist und den höchsten Stand seit August 2019 erreicht hat.

Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Werte enthalten sind, sinkt um 3,47 Prozent auf 1'640,05 und der umfassende SPI um 3,25 Prozent auf 12'964,55 Zähler. Die 30 SLI-Titel verlieren zwischen 1,3 und 6,0 Prozent.

Investoren trennen sich zunächst vor allem von den Papieren, bei denen sie die grösste Abhängigkeit vom asiatischen Wirtschaftsraum sehen. Bei den Blue Chips fallen neben AMS (-6,0 Prozent) denn auch Swatch (-5,0 Prozent), Richemont (-4,7 Prozent) überdurchschnittlich stark.

Sorge um Lieferketten trifft AMS

Bei Unternehmen wie AMS machen sich Investoren Sorgen um die Lieferketten. Zur Erinnerung: Der iPhone-Hersteller und AMS-Kunde Apple hat erst vergangene Woche seine Umsatzprognose wegen des Virus kassiert. Neben AMS werden mit Temenos (-5,2 Prozent) und Logitech (-4,9 Prozent) noch die anderen beiden Blue Chips aus der Technologiebranche aus den Depots entfernt. Im breiten Markt erleben Branchenvertreter wie U-Blox (-6,6 Prozent), VAT (-6,0 Prozent) und Inficon (-5,1 Prozent) einen verstärkten Verkaufsdruck.

Und auch bei den beiden Uhrenherstellern ist die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie der Hauptgrund für den Ausverkauf. Im Durchschnitt erlöst die Luxusgüterbranche gemäss Analysten mehr als ein Drittel des Umsatzes mit chinesischen Kunden. Die rasche Ausbreitung des Coronavirus übers Wochenende habe viele Investoren daher erschreckt, heisst es im Handel. Betroffen seien natürlich auch Papiere wie Dufry (-6,8 Prozent), lebt der Reisedetailhändler doch vom Konsum der Flugreisenden.

Aber auch Kühne + Nagel (-5,2 Prozent) werden aus den Depots entfernt. Der Frachtkonzern wird am kommenden Donnerstag Zahlen vorlegen. Vergangene Woche hatte bereits der Konkurrent Maersk erklärt, unter den Folgen des Virus zu leiden.

Industrielle Zykliker schwach

Überdurchschnittlich schwach entwickeln sich auch verschiedene zyklische Industrie-Titel. Bei den Blue Chips fallen ABB um 4,7 Prozent, im breiten Markt drängen Investoren aus Georg Fischer (-5,7 Prozent), OC Oerlikon (-5,4 Prozent) oder Sulzer (-5,0 Prozent). Analysten fürchten sich etwa vor Angebotsengpässen. Entsprechend hatte am Wochenende der Internationale Währungsfonds (IWF) wegen der Auswirkungen der Lungenkrankheit die Wachstumsprognose für China und für die Weltwirtschaft gesenkt. Dies sei in den Aktienmärkten nicht ausreichend eingepreist, meinte ein Händler.

Mit Abgaben zwischen 1,3 und 2,8 Prozent halten sich defensive Anlagen wie Swisscom, Roche, Sonova und Nestlé am Vormittag etwas besser als der Gesamtmarkt.

Im breiten Markt lohnt zudem ein Blick auf die Immobilienwerte. So dürfte "Betongold" wegen des Virus, aber auch wegen der anhaltend tiefen Zinsen gefragt bleiben. Die Aktien von Mobimo (+0,2 Prozent) und Intershop (-0,8 Prozent) schlagen sich denn auch besser als der Gesamtmarkt. Mit einem Minus von 2,3 Prozent halten sich auch Sunrise nach verschiedenen Analystenkommentaren besser als der Markt.

(AWP)

 
Aktuell+/-%
Ölpreis (Brent)42.05+1.75%
Gold 1 Uz1'889.40+0.18%
EUR/USD1.1736+0.10%
EUR/CHF1.0798+0.03%
SMI10'187.00-0.41%
SLI1'553.69-0.08%
ams I20.93+3.05%
SPI12'724.65-0.27%
The Swatch Grp I214.90+0.42%
CieFinRichemont N61.70-0.29%
TEMENOS N124.05-1.31%
VAT Group N176.10-0.40%
Logitech Intl N71.68+1.44%
INFICON HLDG N760.00+2.70%
Apple Rg115.81+1.51%
u-blox Hldg N51.15+2.92%
Dufry N28.50+0.04%
Kuehne+Nagel Int N179.30-1.10%
ABB N23.45-0.59%
Georg Fischer N959.00+0.31%
Roche Hldg G315.15-1.58%
WF0BETGOLD/LGSZ Zt191.19+0.26%
Sonova Hldg N233.60+0.21%
OC Oerlikon N7.350+0.82%
Sunrise Comm Gr N109.00-0.09%
Mobimo Hldg N270.50+0.56%
Sulzer N74.05+1.51%
Swisscom N488.60-0.73%
Nestle N109.34-0.33%
Intershop Hldg N595.00+2.06%

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