BP wieder mit schwarzen Zahlen - Erwartungen verfehlt

(Ausführliche Fassung) - BP hat dank der gestiegenen Ölpreise im vierten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Auch auf Jahressicht schaffte der britische Ölkonzern die Rückkehr in die Gewinnzone. Nach wie vor ist die Produktion bei BP aber - auch im Vergleich zu wichtigen Konkurrenten - zu teuer. So reicht der Ölpreis trotz des jüngsten Anstiegs immer noch nicht aus, um die Investitionen und Dividenden an die Aktionäre zu finanzieren. BP schafft dies wohl nach eigenen Angaben erst zum Jahresende und auch nur wenn der Ölpreis noch weiter auf ein Niveau von 60 Dollar steigt.
07.02.2017 11:20

Da zudem bei einer bei Experten im Fokus stehenden Gewinngrösse die Prognosen der Experten nicht erreicht wurden, sackte die Aktie auf den tiefsten Stand des Jahres ab. Das Papier verlor am Vormittag rund drei Prozent an Wert und baute damit das Jahresminus auf rund neun Prozent aus.

Im Zeitraum Oktober bis Dezember profitierte der Konzern vor allem von einer deutlichen Erholung im Geschäft mit der Förderung von Öl und Gas (Upstream). Im vierten Quartal stand wieder ein Gewinn von 497 Millionen US-Dollar nach einem Verlust von 3,3 Milliarden im Vorjahr in den Büchern. Bei einer wichtigen Kennziffer für Finanzanalysten enttäuschte der Konzern aber die Erwartungen: Der um Sonderposten bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten - ohne Lagerbestandsveränderungen und Bewertungseffekte - lag bei 400 Millionen Dollar. Die Experten hatten allerdings mit deutlich mehr gerechnet.

Auch auf das Gesamtjahr gesehen holte BP auf und schaffte die Rückkehr in die Gewinnzone: Nach einem Riesenverlust von knapp 6,5 Milliarden US-Dollar im Vorjahr verbuchte BP nun für das Jahr 2016 einen kleinen Gewinn von 115 Millionen US-Dollar. Ohne Bewertungsgewinne im vierten Quartal aus den Lagerbeständen wäre es aber dennoch ein Verlust geworden. Wie 2015 war auch das vergangene Jahr noch von hohen Sonderbelastungen durch die Katastrophe der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im Jahr 2010 betroffen. Die Gesamtkosten belaufen sich derzeit nach Unternehmensangaben auf knapp 63 Milliarden Dollar vor Steuern.

"Das vierte Quartal war herausfordernd", sagte BP-Chef Bob Dudley auf einer Telefonkonferenz. Die Entwicklung des Ölmarktes hänge am Verhalten der Opec. Das Ölkartell hatte sich im Dezember nach langen Verhandlungen auf eine Begrenzung der Fördermengen geeinigt. Auch wichtige Förderstaaten wie Russland, die nicht Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) sind, stimmten der Vereinbarung zu.

Der Umsatz sank um knapp 18 Prozent auf 183 Milliarden US-Dollar. Im vierten Quartal gelang den Briten hier die Wende, die Erlösen legten im Vergleich zum Vorjahr wieder etwas zu. Die Produktion war im vierten Quartal um 5,5 Prozent und im Gesamtjahr um 0,5 Prozent rückläufig.

Bei allen Ölkonzernen zeigt sich aktuell das gleiche Bild: Gewinne im Geschäft mit der Öl- und Gasproduktion steigen dank der Erholung der Ölpreise, während unter dem Strich im Downstream-Geschäft mit der Weiterverarbeitung, also auch im Raffinieregeschäft, und Verkauf weniger hängen bleibt. Das Öl muss auf dem Weltmarkt nun teurer eingekauft werden, das kann in den Preisen nicht komplett weitergegeben werden.

"Beinahe alle grossen Ölkonzerne haben die Gewinnschätzungen verfehlt und das grosse Thema im vierten Quartal ist das schwache Raffinieregeschäft", sagte Brendan Warn, ein Analyst von BMO Capital Markets. So fiel auch der Gewinn das Downstreamgeschäft von BP um 28 Prozent im vierten Quartal.

BP will seinen Aktionären wie im dritten Quartal 10 Cent Quartalsdividende je Aktie zahlen. Seit dem Beginn des Verfalls der Ölpreise Mitte 2014 kappen die Ölkonzerne ihre Investitionen, senken die Kosten und verkaufen Sparten. Im Laufe des Jahres 2016 hat sich das Öl-Preisniveau nach und nach wieder etwas erholt.

Der britische Konkurrent Royal Dutch Shell hatte vergangene Woche die Prognosen der Finanzmarkt-Experten bei der relevanten Gewinnziffer auch nicht erfüllen können. Der staatliche norwegische Öl- und Gaskonzern Statoil musste heute wegen der auf Jahressicht nach wie vor niedrigen Öl- und Gaspreise für 2016 erneut einen massiven Umsatzrückgang und Milliardenverlust ausweisen. Statoil-Chef Eldar Saetre kündigte am Dienstag in Oslo an, dass er den Sparkurs forcieren will./stk/zb/stb

(AWP)