Brasilien-Abschreibung drückt Thyssenkrupp ins Minus

(Neu: Details, Aktienkurs) - Abschreibungen auf sein verlustreiches Stahlwerk in Brasilien haben den Industriekonzern Thyssenkrupp im zweiten Quartal tief in die roten Zahlen getrieben. Operativ lief das Geschäft jedoch rund - aus diesem Grund erhöhte das Essener Unternehmen auch seine entsprechende Ergebnisprognose für das Ende September endende Geschäftsjahr 2016/17. Unter dem Strich wird jedoch wegen der Wertberichtigungen ein Verlust stehen, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte.
12.05.2017 12:33

An der Börse gehörten die Essener am Mittag zu den grössten Verlierern im Dax. Die Aktie gab um 2,7 Prozent auf 21,66 Euro nach. Analysten nannten die Quartalsbilanz durchwachsen. Zwar konnte Thyssenkrupp insbesondere im Industriegütergeschäft punkten, auch der Ausblick wurde recht positiv gesehen. Doch monierten einige Analysten die Aussagen über die Entwicklung der Barmittel: Thyssenkrupp hatte erklärt, man werde hier im Geschäftsjahr einen negativen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag sehen. Das erwischte einige Marktbeobachter offensichtlich auf falschem Fuss.

THYSSENKRUPP MACHT REINEN TISCH IN DER BILANZ

Im zweiten Quartal betrug der Nettoverlust 879 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 61 Millionen Euro im Vorjahr. Dies war schlechter als von Analysten erwartet. Hintergrund ist eine Wertberichtigung von 900 Millionen Euro auf die brasilianische Anlage. Thyssenkrupp hatte Ende Februar das Stahlwerk für 1,5 Milliarden Euro an den Wettbewerber Ternium verkauft. Der Abschluss des Geschäfts soll bis Ende September erfolgen.

Im fortgeführten Geschäft - in dem das brasilianische Werk nicht enthalten ist - erzielte Thyssenkrupp einen Gewinn von 55 Millionen Euro, was aber deutlich unter dem Vorjahreswert von 97 Millionen Euro lag.

OPERATIV BESSER ALS ERWARTET

Operativ konnte der Konzern hingegen deutlich zulegen und das Ergebnis stärker steigern als von Analysten erwartet. Das bereinigte Ebit nahm um 31 Prozent auf 427 Millionen Euro zu. Dabei profitierte Thyssenkrupp von guten Geschäften der Aufzugsparte sowie bei Komponenten für die Automobilindustrie. Auch die Erholung der Stahlpreise machte sich positiv bemerkbar. Dies war jedoch stärker bei Steel America der Fall als im europäischen Geschäft. Wegen der längerfristigen Verträge wirke sich die Preiserhöhung zeitverzögert aus, so das Management. Zudem würden die positiven Effekte durch gestiegene Rohstoffkosten, hauptsächlich bei Kokskohle, teilweise aufgezehrt.

Der Umsatz legte um 12 Prozent auf knapp 11 Milliarden Euro zu. Der Auftragseingang kletterte sogar um 33 Prozent auf fast 12 Milliarden Euro nach oben. Auch hier zeigte sich das Industriegütergeschäft robust, insbesondere das Komponenten- sowie das Aufzugsgeschäft.

JAHRESPROGNOSE ANGEHOBEN

Thyssenkrupp erzielt mittlerweile 75 Prozent seines Umsatzes mit Industriegütern und Dienstleistungen. Auf deren Ausbau will sich das Management auch weiter konzentrieren. "Das ermöglicht uns, in Zukunft stabile Ergebnisse zu erwirtschaften und profitabel zu wachsen", sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Die Rohstoffmärkte und damit das Stahlgeschäft unterlägen starken Schwankungen, die der Konzern nicht beeinflussen könne.

Wegen der guten operativen Entwicklung erhöhte Thyssenkrupp die Prognose für das operative Ergebnis. Das bereinigte Ebit sieht der Konzern nun bei 1,8 Milliarden Euro, nach knapp 1,5 Milliarden im Vorjahr. Zuvor war das Management von 1,7 Milliarden Euro ausgegangen. Das fortgeführte Geschäft soll dabei ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,7 Milliarden erzielen. Unter dem Strich rechnet Thyssenkrupp wegen der Brasilien-Abschreibungen mit einem deutlichen Verlust, nach einem Plus von 261 Millionen Euro im Vorjahr./nas/she/stb

(AWP)