Brexit und Terror brocken Easyjet ersten Gewinneinbruch seit Jahren ein

(Ausführliche Fassung)
06.10.2016 12:25

LUTON (awp international) - Das Brexit-Votum und die Terroranschläge in Europa werden dem Billigflieger Easyjet wohl den ersten Gewinnrückgang seit 2009 einbrocken. Der Vorsteuergewinn dürfte im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr auf 490 bis 495 Millionen Pfund (556 bis 562 Mio Euro) abgesackt sein, teilte die britische Ryanair-Rivalin am Donnerstag in Luton bei London mit. Das wären rund 28 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit fällt der Einbruch wohl noch deutlicher aus als von Analysten erwartet.

An der Londoner Börse wurden die Nachrichten mit Enttäuschung aufgenommen. Bis zur Mittagszeit verlor die Easyjet-Aktie 6,48 Prozent an Wert auf 938 Pence und war damit mit Abstand das Schlusslicht im kaum veränderten Leitindex FTSE 100. Analyst Stephen Furlong von Davy Research sprach von einem herausfordernden Sommerquartal bis Ende September. Die Easyjet-Chefin Carolyn McCall hatte bereits nach dem Brexit-Entscheid ihre Prognose gekappt.

Vor allem die Schwäche des britischen Pfund schlägt bei dem Billigflieger negativ durch. Die schwache Währung belaste den Konzern im Vergleich zum Vorjahr mit rund 90 Millionen Pfund, hiess es. Im gerade angelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September 2017 dürfte die Belastung noch einmal so hoch ausfallen, schätzt Unternehmenschefin Carolyn McCall. Für das Geschäftsjahr 2015/2016 will Easyjet dennoch die Hälfte des Nettogewinns als Dividende an die Aktionäre ausschütten.

Die Terroranschläge von Paris, Istanbul, Brüssel und Nizza hatten bei den Kunden vieler Fluggesellschaften für Verunsicherung gesorgt. In Grossbritannien kam Ende Juni das überraschende Votum der Bevölkerung für den Ausstieg des Landes aus der Europäischen Union hinzu. Der Absturz des Pfund macht Reisen ins Ausland für die Kunden aus Grossbritannien tendenziell teurer, britische Fluggesellschaften können weniger stark vom billigen Kerosin profitieren. Allerdings kommt der Währungskurs vielen Ausländern bei Reisen nach Grossbritannien zugute. Die Easyjet-Führung muss zudem um die künftigen Verkehrsrechte des Billigfliegers in der EU nach dem Brexit fürchten.

"Das derzeitige Umfeld ist hart für alle Fluggesellschaften", sagte McCall. Die Geschichte habe jedoch gezeigt, dass die stärksten Fluggesellschaften in solchen Zeiten noch stärker würden. Im September beförderte Easyjet 6,96 Millionen Fluggäste und damit 5,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslastung der Maschinen verschlechterte sich jedoch um zwei Prozentpunkte auf 91,1 Prozent. Dabei hatte Easyjet die Ticketpreise bereits gesenkt: Je angebotenem Sitzplatz nahm das Unternehmen im abgelaufenen Quartal wohl 8,7 Prozent weniger ein als ein Jahr zuvor./stw/jha/fbr

(AWP)