Bucher verharrt nach neun Monaten im Tief - Jahresziele gesenkt

(Zusammenfassung)
27.10.2016 14:55

Niederweningen (awp) - Der Industriekonzern Bucher hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 weniger Bestellungen erhalten und weniger Umsatz erzielt. Vor allem das wichtige Geschäft mit Landmaschinen kam nicht auf Touren. Die Ziele für das Gesamtjahr werden nun gesenkt. An der Börse kommt dies schlecht an.

Bucher-CEO Jacques Sanche räumte am Donnerstag ein, von "Geschwindigkeit und Ausmass" der Marktveränderung überrascht worden zu sein. Zum einen habe schlechtes Wetter in Frankreich und Deutschland zu Ernteausfällen geführt. Andererseits seien im US-Milchmarkt die Preise ins Rutschen geraten, nachdem es zuvor schon im Ackerbau geharzt habe. Dies alles führte dazu, dass Landwirte mit Anschaffungen von neuen Landmaschinen zögerten.

Dies bekam die grösste Bucher-Sparte, die auf Landmaschinen spezialisierte Kuhn Group, zu spüren. Sie weist für die ersten neun Monate 2016 einen 11% tieferen Auftragseingang und einen 13% tieferen Umsatz aus. Die Sparte steuert 40% zum Umsatz von Bucher bei.

Der Auftragseingang des gesamten Bucher-Konzerns nahm zwischen Januar und September um 5,0% auf 1,69 Mrd CHF ab und der Umsatz um 4,8% auf 1,80 Mrd CHF. Bereinigt um Währungs- sowie Akquisitions- und Devestitionseffekte ergab sich sogar ein Minus von 6,9% (Aufträge) und 7,0% (Umsatz).

ZWEITES SORGENKIND

Doch die Kuhn Group ist nicht das einzige Sorgenkind des Konzerns. Auch die Sparte Bucher Municipal, die auf Kommunalfahrzeuge spezialisiert ist, weist Kennzahlen unter dem Vorjahr aus - trotz Akquisitionen. Der Markt in Europa entwickle sich rückläufig, hiess es dazu. Dies wurde auf fehlende grössere Ausschreibungen, staatliche Sparprogramme sowie auf Unsicherheiten in Grossbritannien nach dem Brexit zurückgeführt. Zudem habe ein vergleichbarer Grossauftrag wie jener der Stadt Moskau im Vorjahr gefehlt.

Einen erfreulichen Geschäftsgang zeigte hingegen die Division Hydraulics; diese habe dem sich abschwächenden Umfeld getrotzt. Mit Maschinen für die Glasbehälterindustrie (Emhart Glass) wurde zudem deutlich mehr umgesetzt, jedoch war der Bestellungseingang rückläufig. Letzteres wurde mit dem weiter nachgebenden Bierkonsum in China erklärt, was die Nachfrage in diesem Markt (Umsatzanteil: 25%) gehemmt habe. Die Bucher-Spezialgeschäfte steigerten ausserdem bei stabiler Umsatzentwicklung den Auftragseingang markant.

TIEFERE ZIELE

Für das Gesamtjahr 2016 werden die Ziele nun gesenkt. Neu erwartet die Gesellschaft eine Abnahme des Umsatzes sowie einen deutlichen Rückgang der Betriebsgewinn- und Konzerngewinnmarge. Bislang war ein knapp gehaltener Umsatz sowie eine leichte Abnahme des Betriebs- und Konzernergebnisses in Aussicht gestellt worden.

Der Ertragsrückgang bei der Kuhn Group könne nur begrenzt durch Sparmassnahmen wettgemacht werden, hiess es zur Begründung. Es zeichne sich daher bei der Kuhn Group eine starke Abnahme des Betriebsergebnisses ab. Erhole sich der Milchpreis wieder, "werden wir auch wieder überproportional profierten", betonte der CEO zugleich.

Die Sparte Municipal werde voraussichtlich eine Betriebsgewinnmarge im mittleren einstelligen Prozentbereich erreichen. Für Hydraulics und Emhart Glass wird eine gehaltene respektive leicht bessere Profitabilität vorhergesagt, für Bucher Specials sogar eine deutlich höhere Betriebsgewinnmarge.

Beim Ausblick auf 2017 wollte sich das Management nicht auf die Äste hinauslassen: "Wenn Sie mir sagen, wo der Milchpreis dann steht, dann sage ich Ihnen, wie viel Umsatz wir machen werden", meinte der CEO auf eine entsprechende Frage. Immerhin liess er sich entlocken, dass er für die Kuhn Group so oder so keine "massive Verschlechterung der Marge" erwartet. Die Nachfrage werde genau beobachtet und die Produktion entsprechend angepasst.

In Analystenkommentar wurde der pessimistische Ausblick enttäuscht aufgenommen. An der Börse kamen die Bucher-Papiere zeitweise unter die Räder. Um 14.35 Uhr notieren sie 4,1% im Minus zu 229,70 CHF (SPI: +0,1%).

rw/yr

(AWP)