Burckhardt erleidet Bestellungs- und Gewinneinbruch - Zurückhaltender Ausblick

(Mit weiteren Angaben ergänzt) - Der Industriekonzern Burckhardt Compression hat im Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende März) dank einer Übernahme zwar mehr Umsatz erzielt, jedoch markant weniger neue Aufträge erhalten. Stark unter Druck sind die Margen und die Gewinnkennzahlen. Auch die Dividende soll deutlich geringer ausfallen. Das Management erwartet erst ab dem übernächsten Geschäftsjahr eine Erholung.
06.06.2017 08:40

Das Unternehmen schreibt von einem "schwierigen Geschäftsjahr". Es habe den Erwartungen nicht entsprochen, insbesondere sei die Ertragssituation unbefriedigend, heisst es in einer Mitteilung des Herstellers von Kolbenkompressoren vom Dienstag.

Konkret zog das Unternehmen 2016/17 Bestellungen über 474,9 Mio CHF an Land. Das waren 9,2% weniger als im Vorjahr. Dieses Minus ist umso bemerkenswerter, weil im Auftragseingang erstmals auch die Beiträge der im Frühling 2016 gekauften chinesischen Firma Shenyang Yuanda Compressor enthalten sind. Akquisitionsbereinigt betrug das Minus laut den Angaben denn auch gut ein Viertel.

NEUMASCHINENGESCHÄFT UNTER DRUCK

Regelrecht eingebrochen ist vor allem das wichtige Neumaschinengeschäft (-20% auf 280,6 Mio CHF). Die Hauptschuld daran trage das schwächere Geschäft mit Systemen zum Gastransport per Schiff, schreibt die Gesellschaft dazu. Das Service- und Komponentengeschäft legte hingegen insbesondere dank eines "erfreulichen Wachstums des Ersatzteilgeschäfts" um 13% auf 194,3 Mio CHF zu.

Trotz des schwierigen Marktumfelds habe Burckhardt Compression die Position als Markführer für Kolbenkompressoren erfolgreich behauptet, betont das Unternehmen.

UMSATZ NOCH IM PLUS

Im Umsatz hinterliess die geringe Nachfrage wegen der langen Bestellzyklen noch keine offensichtlichen Spuren. Er nahm um 15% auf 557,7 Mio CHF zu. Akquisitionsbereinigt wäre jedoch auch diese Kennzahl gesunken (-4,7%). Das Neumaschinengeschäft steuerte mit 367,2 Mio CHF (+11%) den Löwenanteil zu den Verkäufen bei. Mit dem Service- und Komponentengeschäft wurde ein Umsatz von 190,5 Mio (+23%) verbucht.

GERINGERE BRUTTOMARGE

Unter Druck waren die Margen. So halbierte sich zum Beispiel der Bruttogewinn im Neumaschinengeschäft, was in der Mitteilung mit dem aktuellen Produktmix und einem "ungewöhnlich aggressiven Marktumfeld" erklärt wird. Insgesamt verringerte sich die Bruttomarge auf 23,4% von 31,1%.

Der EBIT nahm in der Folge um 16% auf 61,1 Mio CHF und die Marge auf 11,0% von 15,0% ab - und dies trotz eines positiven Sondereffekts (Anpassungen bei den Personalvorsorgeeinrichtungen). Das Neumaschinengeschäft sei auf dieser Stufe sogar in die roten Zahlen gerutscht (-3,6 Mio), heisst es weiter. Das Servicegeschäft habe sich hingegen deutlich gesteigert. Unter dem Strich steht ein 32% tieferer Reingewinn von 37,9 Mio CHF. Die Dividende soll nun auf 7,00 von 10,00 CHF gekürzt werden.

Das Unternehmen verweist in der Mitteilung auf verschiedene Spar- und Effizienzprogramme. So seien Prozesse über die Standorte hinweg standardisiert und der globale Einkauf gestärkt worden. Bekanntlich kam es zudem im letzten Jahr zu einem Stellenabbau; ausserdem gilt für Teile der Belegschaft in Winterthur Kurzarbeit.

MARGENERHOLUNG ERST 2018/2019

Im Ausblick wird für das Geschäftsjahr 2017/18 ein Umsatz auf Vorjahresniveau und eine nochmals tiefere EBIT-Marge zwischen 6% und 9% angepeilt. Im Neumaschinengeschäft werde sich der Bestellungseingang frühestens im darauf folgenden Geschäftsjahr wieder positiv entwickeln, schreibt das Unternehmen. Ab dann sei auch mit einer Erholung der Betriebsgewinnmarge zu rechnen.

Die wichtigsten Absatzmärkte blieben vorläufig "sehr anforderungsreich", heisst es dazu. Immerhin dürfte sich laut der Einschätzung des Managements die positive Entwicklung im Servicegeschäft fortsetzen.

Mit den vorgelegten Zahlen wurden die Prognosen der Analysten beim Bestellungseingang erfüllt, bei den anderen Kennzahlen zum Teil klar verfehlt.

Ausserdem teilte das Unternehmen mit, dass es den Rechnungslegungsstandard per April 2017 auf Swiss GAAP FER umstellt. Dieser sei weniger komplex und daher auch kostengünstiger als der bisher verwendete Standard IFRS.

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(AWP)