Büroimmobilien-Sparte Officefirst von IVG soll an die Börse

(Ausführliche Fassung)
16.09.2016 11:52

FRANKFURT (awp international) - Die Bürosparte des Immobilienkonzerns IVG soll an die Börse. Die Erstnotiz der neu gegründeten Gesellschaft Officefirst soll dem Vernehmen nach im Oktober im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse erfolgen. Die einst selbst börsennotierte IVG hatte ihre Büroimmobilien jüngst in die neue Gesellschaft ausgelagert. Bereits im ersten Jahr soll es eine Dividende geben. Officefirst ist bereits die zweite angekündigte Neuemission in dieser Woche für die Frankfurter Börse. Tags zuvor hatte der Online-Versender Shop Apotheke Europe sein Debüt angekündigt.

Im Zuge des Börsengangs ist eine Kapitalerhöhung von etwa 450 Millionen Euro geplant, wie Officefirst am Freitag mitteilte. Zusätzlich will die IVG Anteile verkaufen, in welchem Umfang ist noch unklar. "Das befindet sich derzeit in der Diskussion", sagte ein IVG-Sprecher. Büroimmobilien im Wert von 3,3 Milliarden Euro gehören zum Portfolio von Officefirst. Dazu zählt auch das Grossobjekt "The Squaire" am Frankfurter Flughafen. Dieses hatte dazu beigetragen, dass die Immobiliengesellschaft IVG vor einigen Jahren in finanzielle Schieflage geriet.

"Die Qualität des Portfolios ist hoch und kommt gut bei den potenziellen Investoren an", sagt Vorstandschef Michiel Jaski. Zu dem Paket gehören 97 Einheiten, vor allem in Frankfurt, München, Hamburg, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin. Die Vermietungsquote will das Unternehmen bis Ende 2017 von aktuell 91,4 Prozent um ein bis zwei Prozentpunkte erhöhen. Zu Berichten, wonach Mietverträge mit grossen Kunden wie der Allianz oder Siemens in den kommenden Jahren ausliefen, sagte Jaski: "Es gibt immer wieder Flächen, die frei werden, aber wir sind mit den Mietern immer im Kontakt, wissen über Veränderungen rechtzeitig Bescheid und können uns darauf einstellen. Das ist unser normales Geschäft."

Der Erlös aus dem Börsengang soll in erster Linie zum Schuldenabbau genutzt werden. Ein nicht näher bezifferter Teil des Geldes fliesst auch in die Kosten für die Umwandlung der Gesellschaft in einen sogenannten REIT - kurz für Real Estate Investment Trust. REITs bieten dem Unternehmen Steuervorteile, für die Aktionäre garantieren sie eine hohe Ausschüttungsquote. So will Officefirst für das laufende Geschäftsjahr die Hälfte des operativen Gewinns ausschütten, den das Unternehmen gemäss der in der Immobilienwirtschaft üblichen Kenngrösse FFO (Kurzform für Funds from Operations) erzielt. Ein Jahr später sollen es 65 bis 70 Prozent des FFO sein.

Im ersten Halbjahr lag das operative Ergebnis (FFO) der neu gegründeten Gesellschaft bei 46,6 Millionen Euro, das war ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als die Immobilien noch zur IVG gehörte. Das Nettoergebnis stieg in dieser Zeit um 40 Prozent auf 122,5 Millionen Euro.

Früheren Medienberichten zufolge hatten Finanzinvestoren und Hedgefonds, die in den vergangenen Jahren bei IVG eingestiegen waren, auch mit einem Verkauf der Büroimmobilien geliebäugelt. So wurde etwa der Immobilienkonzern Alstria Office als potenzieller strategischer Käufer genannt. Auch Finanzinvestor Blackstone wurde Interesse nachgesagt.

IVG war nach seiner Insolvenz 2014 von der Börse genommen worden. Nicht in Officefirst enthalten sind die unterirdischen Gas- und Öl-Speicherstätten von IVG, einige andere Immobilien und Flächen im In- und Ausland sowie das IVG-Fondsgeschäft./nmu/she/fbr

(AWP)