Ceconomy profitiert vom Online-Geschäft und deutschen Verbrauchern

(Ausführliche Fassung) - Der Onlineboom hat bei der Media-Markt- und Saturn-Mutter Ceconomy im dritten Geschäftsquartal für weiteres Wachstum gesorgt. Rückenwind bekam der aus der Aufspaltung des Handelskonzerns Metro hervorgegangene Elektronikhändler auch von den deutschen Verbrauchern, die beherzt bei Haushaltsgeräten, Mobiltelefonen und TV-Receivern zulangten. Unter dem Strich schrieb der Konzern im traditionell schwächeren dritten Quartal rote Zahlen. Neuer Ärger droht vom Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals, der gegen den erst kürzlich erfolgten Einstieg beim französischen Wettbewerber Fnac Darty wettert. Die im MDax notierte Aktie zeigte sich mit minus 0,1 Prozent am Morgen nahezu unverändert.
31.08.2017 10:54

Ceconomy-Chef Pieter Haas zeigte sich am Donnerstag insgesamt zufrieden mit der Entwicklung des vergangenen Quartals. Die Vernetzung des stationären Handels mit dem Geschäft im Internet erweise sich immer stärker als das Erfolgsmodell der Zukunft, sagte Haas. "Und hier sind wir gut aufgestellt". Zwischen April und Juni stiegen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Knapp 11 Prozent stammten davon aus dem Internet.

DEUTSCHLAND LÄUFT GUT

Das Wachstum auf vergleichbarer Fläche belief sich auf 2,7 Prozent. Das Unternehmen setzt zunehmend auf kleinere Märkte und versucht bestehende Mietverträge nach zu verhandeln. Am deutlichsten zulegen konnte Ceconomy in Deutschland, woran auch die Umstellung von analogem auf digitales Kabelfernsehen eine Rolle spielte, weil sich viele Verbraucher mit neuen Receivern eindecken mussten. Flächenbereinigt nahmen die Umsätze in Deutschland um 5,8 Prozent zu.

Schwächen zeigten weiterhin der russische sowie der italienische Markt. Während Italien dank eines neues Managements und einer besseren Einbindung in die Gruppe Haas zufolge bald wieder flott sein dürfte, muss Ceconomy in Russland Standorte überprüfen und die Kosten herunter fahren, sprich restrukturieren. Der Umbau sowie die Integration der letzten Redcoon-Landesgesellschaften kosten Geld. Auf 30 Millionen Euro bezifferte Finanzvorstand Mark Frese die Sondereffekte im Quartal. Im laufenden vierten Quartal sollen noch einmal soviel anfallen.

OPERATIVE VERBESSERUNGEN - VERLUSTE VERRINGERT

Im ergebnisseitig traditionell wenig bedeutenden dritten Quartal schrieb Ceconomy rote Zahlen. Der operative Verlust verringerte sich jedoch um 23 Millionen auf 61 Millionen Euro. Das Periodenergebnis verbesserte sich um 16 Millionen auf minus 38 Millionen Euro. Sonderposten wurden bei beiden Kennzahlen herausgerechnet. Im Ende September auslaufenden Geschäftsjahr 2016/2017 will das Unternehmen sowohl bei Umsatz als auch operativ zulegen.

Ceconomy steht seit Mitte Juli auf eigenen Füssen. Der ehemalige Mutterkonzern Metro Group hatte sich in zwei unabhängige Unternehmen gespalten: einen Lebensmittelteil, der weiterhin Metro heisst und einen Elektronikhändler. Im Kern umfasst Ceconomy die Elektronikketten Media Markt und Saturn hinzu kommen noch andere Geschäfte, etwa ein Reparaturservice oder die Vermarktung von Kundendaten.

Europaweit ist das Unternehmen bereits die Nummer eins, will aber weiter zukaufen. "Wir sind solide finanziert und werden die Konsolidierung weiterverfolgen", sagte Finanzchef Frese. Erst vor kurzem hat Ceconomy einen Minderheitsanteil von gut 24 Prozent an dem französischen Wettbewerber Fnac Darty erworben. Das Unternehmen ist Marktführer in Frankreich und Ceconomy in diesem Markt bislang nicht vertreten.

KELLERHALS MACHT STRESS

Der Einstieg bei den Franzosen hat allerdings Minderheitsgesellschafter Erich Kellerhals auf den Plan gerufen, mit dem das Unternehmen seit Jahren im Clinch liegt. Laut "Wirtschaftswoche" hat Kellerhals Ceconomy bei der Finanzaufsicht Bafin wegen des Verdachts auf Marktmanipulation angezeigt, weil der Kurs der Ceconomy-Aktie nach Bekanntwerden der Übernahme stark gestiegen war, in der Hoffnung, dass Ceconomy seinen Anteil weiter ausbauen werde. Kellerhals glaubt, dass dies aufgrund seiner Veto-Rechte ohne seine Zustimmung aber nicht möglich ist. Ceconomy bestreitet dies. Dem Unternehmen liegt laut Haas formell keine Anzeige vor. Die Behauptungen von Kellerhals seien zudem in jeder Hinsicht haltlos. Eine Klärung der Lage vor der Bafin wäre ganz im Sinne des Unternehmens, sagte er./she/nas/stb

(AWP)