Charles Vögele mit Umsatzrückgang und hohem Verlust im ersten Halbjahr

(Meldung durchgehend ergänzt)
24.08.2016 08:55

Pfäffikon (awp) - Das Bekleidungsunternehmen Charles Vögele hat im ersten Halbjahr erneut einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen und bleibt weiterhin tief in den roten Zahlen. Massive Einbussen wurden dabei vor allem im Heimmarkt Schweiz verzeichnet. Im zweiten Halbjahr will das Unternehmen Filialen schliessen und gezielt Liegenschaften verkaufen. Auf Stufe EBITDA wird für das Gesamtjahr weiterhin ein positives Ergebnis angepeilt.

Der Nettoumsatz sank im ersten Semester um 4% auf 378 Mio CHF. Währungs- und flächenbereinigt betrug die Abnahme gar rund 6%, wie Charles Vögele am Mittwoch mitteilt. Der EBITDA blieb mit -10 Mio nach -11 Mio erneut im roten Bereich und auf Stufe EBIT resultierte ein Fehlbetrag von 26 Mio CHF nach -29 Mio in der Vorjahresperiode. Unter dem Strich verblieb ein etwas eingegrenzter Reinverlust von 32 Mio CHF nach einem Minus von 36 Mio im ersten Halbjahr 2015.

Mit den Zahlen hat Charles Vögele die Erwartungen des Marktes bis auf den Umsatz verfehlt. Die Analysten der Bank Vontobel und der ZKB hatten mit einem Nettoumsatz von 392 bzw. 389 Mio CHF, einem EBIT von -23,0 bzw. -24,5 Mio und einem Verlust von 29,9 bzw. 31,0 Mio gerechnet.

UMSATZ IN DER SCHWEIZ BRICHT EIN

Im Heimmarkt Schweiz brach der Umsatz um rund 12% auf 126 Mio CHF ein. Der Einkaufstourismus sowie der wachsende Online-Handel habe die Geschäfte belastet, so die Mitteilung. Anbetracht dieser Entwicklung sei die Schliessung von "mehreren" der 163 Verkaufspunkte in der Schweiz geplant.

Auch in den übrigen Regionen musste das Unternehmen Federn lassen. Im zweitgrössten Markt Deutschland gingen die Verkäufe auf flächen- und währungsbereinigter Basis um 2,8% auf 123 Mio zurück, und in den Benelux-Staaten resultierte ein Minus von 5,7% auf 48 Mio. Bereits im Juni hatte das Unternehmen den Rückzug aus dem belgischen Markt beschlossen. In der Region Zentral- und Osteuropa mit Österreich, Slowenien und Ungarn sanken die Umsätze im ersten Halbjahr dagegen nur leicht um 0,1% auf 81 Mio CHF.

Die Bruttogewinnmarge stieg dabei leicht auf 65% von 64%, was das Unternehmen auf den zurückhaltenden Einsatz von Rabatten zurückführt. Auch die Betriebskosten reduzierten sich im ersten Semester um 5 Mio CHF auf 257 Mio CHF.

VERKÄUFE VON LIEGENSCHAFTEN GEPLANT

Für das zweite Halbjahr 2016 rechnet das Unternehmen mit einem anspruchsvollen Umfeld. Die fortschreitende Strukturbereinigung im Textilhandel erfordere denn auch weitere Kostenanpassungen, heisst es. Neben der Bereinigung des Filialportfolios sollen im zweiten Halbjahr dabei auch gezielt Liegenschaften verkauft werden.

Für das Gesamtjahr 2016 strebt die Unternehmensführung weiterhin ein positives Ergebnis auf Stufe EBITDA an, auch dank der geplanten Liegenschaftsverkäufe. Im Geschäftsjahr 2018 soll der Turnaround auf Stufe EBIT geschafft werden.

Die nötige Finanzierung hatte sich das Unternehmen bereits im April gesichert und die auslaufenden Bankkredite über maximal 245 Mio CHF bis 2018 verlängert. Der Free Cash Flow verbesserte sich im ersten Semester auf -15 Mio nach -43 Mio in der Vorjahresperiode, blieb aber weiterhin im negativen Bereich. Die Nettoverschuldung lag per Mitte Jahr bei 153 Mio nach 141 Mio per Ende 2015.

an/rw

(AWP)