Chinesischer Konzern wird grösster Aktionär der Deutschen Bank

(Ausführliche Fassung) - Der umtriebige chinesische Mischkonzern HNA ist zum grössten Anteilseigner der Deutschen Bank aufgestiegen. Wie aus einer Stimmrechtsmitteilung aus der Nacht zu Mittwoch hervorgeht, liegt der Anteil nun bei 9,92 Prozent. Damit ist HNA an der Herrscherfamilie von Katar vorbeigezogen, die über zwei Investmentvehikel nach letztem Stand einen Anteil von gut 6 Prozent hält. Drittgrösster Aktionär ist der Vermögensverwalter Blackrock mit zuletzt veröffentlichten knapp 6 Prozent der Anteile.
03.05.2017 11:52

HNA war erst Anfang des Jahres bei der Deutschen Bank eingestiegen und hatte erklärt, das Management als Anker-Aktionär unterstützen zu wollen. Bankchef John Cryan baut das von Rechtsstreitigkeiten mitgenommene Traditionshaus gerade um und hatte dafür eine acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung durchgezogen. In deren Verlauf die Chinesen ihre Anteile im März bereits von 3,04 auf 4,76 Prozent aufgestockt hatten. Die Beteiligung läuft über den Wiener Vermögensverwalter C-Quadrat.

Die Chinesen hatten beim Einstieg bereits angedeutet, ihren Anteil aufstocken zu wollen - allerdings solle er unter 10 Prozent bleiben, hatte es geheissen. Mit Alexander Schütz, dem Gründer und Vorstand von C-Quadrat, soll auch ein Vertreter der Investoren in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank einziehen.

Die HNA Group ist unter anderem in der Luftfahrt, im Tourismus und im Immobiliengeschäft aktiv. Der Mischkonzern kauft momentan den Flughafen Hahn im Hunsrück, ist beim Schweizer Duty-free-Konzern Dufry eingestiegen und soll nach unbestätigten Informationen auch ein Auge auf die zum Verkauf stehende HSH Nordbank geworfen haben.

Die Deutsche Bank hatte den Einstieg der Chinesen begrüsst, äusserte sich am Mittwochmorgen aber zunächst nicht zu der Anteilsaufstockung. Auch ein Sprecher von C-Quadrat lehnte einen Kommentar ab.

Der Einstieg der Chinesen kam in einer Zeit, in der die Deutsche Bank verlorenes Vertrauen am Kapitalmarkt wiedergewinnen musste. Teure Rechtsstreitigkeiten hatten an der Kapitaldecke genagt, die Bank schrieb zwei Jahre in Folge Milliardenverluste. Der Berg an Problemen hatte den Aktienkurs im Herbst vergangenen Jahres auf ein Rekordtief fallen lassen.

Ein Händler wertete die jetzige Anteilserhöhung positiv. Sie könnte den Anlegern weiteres Vertrauen geben, dass der Finanzkonzern das Schlimmste hinter sich habe. Am Mittwoch lag die Aktie zwar leicht im Minus, seit dem Rekordtief im Herbst hat sich der Wert der Papiere aber beinahe verdoppelt.

Der jüngste Anteilskauf kostete knapp 1,8 Milliarden Euro, wie aus der bei der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlichten Stimmrechtsmitteilung hervorgeht. Die Deutsche Bank ist zusätzlich zu Frankfurt auch in New York börsennotiert und muss entsprechend auch dort berichten. Insgesamt ist der Anteil der Chinesen an der Börse aktuell gut 3,4 Milliarden Euro wert./das/mis/jha/

(AWP)