Clariant-Aktien mit Gewinnmitnahmen - Auseinandersetzung mit Grossaktionär

In den Aktien des Spezialchemieherstellers Clariant werden am Dienstag weitere Gewinne mitgenommen. Der aktivistische US-Aktionär White Tale hatte am Vortag den Druck auf die Firmenspitze erhöht und die geplante Fusion mit Huntsman erneut torpediert. Angesichts des guten Laufs, den die Aktien zuletzt hatten, streichen Anleger jetzt Gewinn ein.
20.09.2017 09:58

Um 09.45 Uhr notieren Clariant Namen 0,8% tiefer bei 23,48 CHF, nachdem sie bereits am Dienstag um 0,5% nachgegeben hatten. Es gilt zu bedenken, dass die Papiere am Montag im frühen Handel 24,00 CHF erreicht hatten - so viel wurde für die Papiere seit fast 15 Jahren nicht mehr bezahlt. Der am SPI gemessene Gesamtmarkt steht zum Berichtszeitpunkt 0,04% tiefer.

Nach Börsenschluss am Dienstag erwiderten Clariant und Huntsman die Vorwürfe des mit 15% inzwischen grössten Aktionärs White Tale. Die beiden Partner halten am Zusammenschluss fest, weil er die beste Option sei, Wert für alle Beteiligten zu schaffen. Man werde daher nicht von der Vereinbarung abweichen, erklärte etwa Clariant.

Sehr deutliche Worte fand Peter Huntsman, der designierte Konzernchef von HuntsmanClariant. Huntsman kritisiert White Tale, dass Clariant dazu getrieben werde, für kurzfristige Gewinne kurzsichtige finanztechnische Massnahmen zu ergreifen, während sich langfristige Anleger mit den übrigbleibenden Teilen zufrieden geben müssten.

Und er legt noch einen drauf: Die Gesamtrendite für die Huntsman-Aktionäre seit März 2016, seinerzeit wurde die Strategie an einen Investorentag dargelegt, betrage mehr als 150%. "Das ist weit mehr, als Corvex seinen Investoren geliefert hat." Der Hedgefonds Corvex ist Teil der Investorengruppe White Tale, der andere Partner ist das US-Familienunternehmen Standard Industries.

Huntsman ergänzt: "Anstatt Clariants Motivationen in Frage zu stellen, sollten sich Clariant-Investoren fragen, warum Corvex in den letzten Jahren Milliarden von Fondsgeldern verwaltet hat und die Renditen schlecht waren." Der starke Mann von Huntsman schliesst sein Votum folgendermassen: "Ich habe mich nicht mit White Tale getroffen und habe nicht die Absicht, dies zu tun. Ihr Aktivismus dreht sich ausschliesslich um den kurzfristigen Liquidationswert von Clariant - es geht es nicht um Huntsman."

Mittlerweile hat die jüngste Entwicklung auch Analystenreaktionen ausgelöst. So hat etwa Baader Helvea das Rating auf "Hold" von "Buy" gesenkt und das Kursziel um einen auf 25 CHF. Als wichtigste Gründe nennt der zuständige Analyst den jüngsten Kursanstieg der Papiere sowie den seit Ankündigung der Fusion um 6% gesunkenen US-Dollar.

Markus Mayer nennt aber auch die gestiegenen Risiken, dass die Transaktion nicht wie geplant abgeschlossen werden kann. Im Gegenzug steige die Wahrscheinlichkeit einer "alles bleibt wie es ist"-Situation und einem möglicherweise langanhaltenden Streit zwischen dem aktivistischen Investor und dem Management von Clariant.

ra/cp

(AWP)