Clariant-Aktien nach neuen Forderungen White Tales unter Druck

Die Aktien des Spezialchemie-Unternehmens Clariant gehören am Montag im frühen Geschäft in einem schwachen Gesamtmarkt zu den grössten Verlierern. Am Morgen hatte White Tale als grösster Aktionär mit einem Anteil von über 20% an Clariant neue Forderungen an das Unternehmen gestellt; unter anderem beansprucht White Tale drei Sitze im Verwaltungsrat. Sollte es zu keiner Einigung mit Clariant kommen, will White Tale zudem eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen. Clariant hat in einer Stellungnahme verlauten lassen, dass man die Forderungen von White Tale zur Kenntnis genommen habe und den Dialog mit den Aktionären weiterführen wolle.
30.10.2017 10:11

Bis um 09.55 Uhr fallen Clariant um 1,5% auf 24,91 CHF zurück. Am vergangenen Freitag, als Clariant den Abbruch der Fusionsverhandlungen mit Huntsman bekanntgegeben hatte, was auch die Hauptforderung von White Tale war, büssten die Titel bereits knapp 1% an Terrain ein. Allerdings holte das Papier dabei im Tagesverlauf weit grössere Abgaben aus dem frühen Geschäft wieder auf. In der Spitze hatten Clariant über 6% unter dem Schlusskurs vom Donnerstag gestanden. Der Gesamtmarkt (SPI) steht 0,29% tiefer.

Es sei zu erwarten gewesen, dass sich White Tale nach der Aufgabe der Fusionspläne von Clariant und Huntsman lautstarker bemerkbar machen werde, heisst es in einer Einschätzung der neuesten Entwicklung der Bank Vontobel. Der Umstand, dass White Tale drei Sitze im neunköpfigen Verwaltungsrat verlange, könne ein Indiz dafür sein, dass White Tale die Beteiligung weiter ausbauen wolle. Am Freitag hatte White Tale einen Anteil an Clariant von 20% gemeldet.

Dass White Tale weiterhin die Zusammenarbeit mit anderen Aktionären von Clariant suche, lasse darauf schliessen, dass der Status Quo bei Clariant ein eher unwahrscheinliches Szenario für die Zukunft ist, so Vontobel weiter.

In einem Kommentar von Bernstein heisst es, dass der Vorstoss mit den VR-Sitzen und der Einberufung eines unabhängigen Verwalters absehbar gewesen sei. Darüber hinaus erachtet Bernstein die Vorschläge von White Tale als vernünftig. Eine unabhängige Überprüfung der strategischen Möglichkeiten dürfte ergeben, dass der Zusammenschluss mit Huntsman strategisch keinen Sinn gemacht hätte.

Um das Management von Clariant auszuwechseln, müsste White Tale 50% des Aktienkapitals hinter sich wissen, was allerdings schwierig werden könnte, so Bernstein weiter. Offenbar spiele Clariant die Auseinandersetzung mit White Tale herunter, wogegen White Tale den Einsatz erhöht habe.

Bei Morgan Stanley heisst es in diesem Zusammenhang, dass White Tale zwar erfolgreich den Merger zwischen Clariant und Huntsman verhindert habe, dass sich aber erst weisen müsse, wie empfänglich Clariant für die neuen Vorschläge von White Tale sein werde. Der Druck von White Tale sei nun zwar erhöht worden, es bleibe aber noch immer unklar, wie und in welchen Zeitrahmen mit einem Plan B neuer Wert generiert werden könnte.

Die Zürcher Kantonalbank sieht die Absicht von White Tale, sich längerfristig bei Clariant zu engagieren und aktiv an der Unternehmensentwicklung mitzuarbeiten, grundsätzlich positiv. Dies könnte den Handlungsspielraum erweitern. Hingegen bleibe offen, inwieweit nach dem durch White Tale erzwungenen Rückzug der Fusion mit Huntsman eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrat überhaupt möglich sein werde.

cf/rw

(AWP)