Clariant-Aktien springen nach Fusionsabsicht an - Startschuss für Bieterkampf?

Die Aktien des Spezialchemikalienherstellers Clariant sind mit einem Kursprung in die neue Woche gestartet. Auslöser für die Avance ist, dass das Basler Unternehmen bekanntgab, sich mit seinem texanischen Mitbewerber Huntsman zusammenschliessen zu wollen. Im Zuge dieses Megadeals würde ein neuer Konzern im Wert von rund 20 Mrd USD mit einem Umsatz von etwa 13 Mrd USD entstehen.
22.05.2017 10:09

Doch einige Analysten stören sich an den für einen Merger eher geringen geschäftlichen Berührungspunkten. Es wird vermutet, dass sich die seit Jahren umworbene Clariant in der derzeit laufenden Konsolidierungswelle in der Chemieindustrie mit dem Zusammenschluss als Übernahmeziel aus dem Rennen nehmen will. Die angestrebte Fusion könne nun aber weitere Clariant-Interessenten zu Gegenangeboten bewegen.

Die Clariant-Aktie gewinnt kurz vor 10 Uhr bei sehr hohen Volumen 8,8% auf 22,70 CHF und notiert damit auf dem höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Der am SPI gemessene Gesamtmarkt steht aktuell mit +0,14% kaum verändert.

Dass der Zusammenschluss nun stattfinde - nachdem während mehr als zehn Jahren darüber spekuliert worden sei - wird bei der Bank Vontobel begrüsst. Die Fusion werde es Clariant ermöglichen, die globale Präsenz zu erweitern, insbesondere in den beiden strategisch wichtigen Märkten USA und China.

Regional werde aus Sicht von Clariant vor allem die Position in Nordamerika erheblich gestärkt, wodurch eine ausbalancierte regionale Umsatzverteilung entsteht, heisst es bei der Zürcher Kantonalbank. Produktseitig werde insbesondere der margenstarke Bereich der Care Chemicals als auch der Industriechemikalien erheblich gestärkt. Des Weiteren liessen sich jährliche Synergien auf der Kostenseite von 400 Mio USD erzielen, was rund 3% des Umsatzes entspricht.

Der für Morgen Stanley zuständige Experte sieht allerdings nur begrenzte Überschneidungen bezüglich des Produktportfolios. In die gleiche Kerbe haut man bei Baader Helvea: Aus operativer bzw. branchenspezifischer Sicht mache die Fusion nur begrenzt Sinn, heisst es hier. Für den zuständigen Analysten sei Huntsman auch nie der erste Kandidat für einen möglichen Zusammenschluss mit den Baslern gewesen. Denn die Überlappung der beiden Geschäfte sieht er für Clariant beim EBITDA bei 50% und bei Huntsman bei lediglich 30%.

Er interpretiere den Zusammenschluss daher als eine Verteidigungsstrategie von Clariant, um nicht Ziel einer (feindlichen) Übernahme zu werden. Dafür spricht laut ihm auch, dass die angestrebten Synergien tiefer als bei anderen Mergern seien (wie Linde/Praxair oder Dow/DuPont).

Die Fusionsbekanntgabe könnte nun aber der Auslöser für einen Bieterkampf sein, wie es weiter heisst. Für ihn beläuft sich die Wahrscheinlichkeit für ein Gegenangebot auf über 50%, womit er für die Clariant-Aktie weiteres Aufwärtspotential auf über 30 CHF sieht.

cp/rw

(AWP)