Clariant-Aktien wenig verändert - Kampf mit White Tale spitzt sich zu

Die Aktien von Clariant fallen am Freitag - entgegen den vorbörslichen Indikationen - hinter die Vortageskurse zurück. Nach einem Treffen mit Vertretern von White Tale will sich der Verwaltungsrat des Spezialitätenchemieherstellers den Forderungen der oppositionellen Aktionärsgruppe nicht beugen. Das Unternehmen stellt für Januar ein Strategie-Update in Aussicht. Beobachter erachten die Situation als zusehends eskalierend.
24.11.2017 09:49

Um 09.35 notieren Clariant Namen 0,1% tiefer bei 26,59 CHF und liegen damit im Bereichs des am SPI gemessenen Gesamtmarktes (-0,06%). Die Aktien sind aber immer noch in Griffweite des Jahreshochs von 27,04 CHF, das gerade erst vor zwei Tagen erreicht wurde. So viel wurde seit mehr als 15 Jahren nicht mehr für die Papiere bezahlt.

In den Vergangenheit hatten spekulationsbedingte Käufe die Papiere immer weiter nach oben getrieben. Dass das Treffen zwischen den Clariant-Managern und White Tale zu keiner Einigung geführt hat, überrascht aber Beobachter nicht. Zu unterschiedlich seien die Vorstellungen über die zukünftige Stossrichtung, so heisst es.

In der Mitteilung an die Medien lässt Clariant keine Zweifel daran, dass die oppositionelle Aktionärsgruppe auf eine Zerschlagung des Unternehmens hinarbeitet. Der Verwaltungsrat geht deshalb in die Offensive und will Anfang kommenden Jahres über die zukünftige Strategie informieren. Das Management wehrt sich gegen eine Zerschlagung des Unternehmens, stellt Analyst Paul Walsh von Morgan Stanley fest.

Vontobel-Analystin Lorena Zini zufolge könnte etwa ein Verkauf der Sparte Masterbatches zum Plan gehören, der vorgestellt werden soll. Der Erlös könnte in Aktienrückkaufe und ins eigene Geschäft mit Spezialchemikalien gesteckt werden. Ferner könnten weitere Kostensenkungen angekündigt sowie ein noch stärkerer Fokus auf Forschung und Entwicklung gelegt werden. Zini rechnet mit einem "überzeugenden" Wachstums- und Wertschöpfungsplan - Clariant habe richtig entschieden.

Christian Faitz von Kepler Cheuvreux trauert derweil noch immer dem gescheiterten Zusammenschluss mit Huntsman nach. Dennoch wähnt er das Management von Clariant grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Mit Blick auf White Tale sei weiterhin fraglich, welche Ziele der Investor verfolge. Im Hinblick auf das Strategie-Update vom Januar erhöht Faitz das Kursziel auf 30 von 26 CHF.

White Tale und Clariant waren und sind sich nicht einig, so lautet die Erkenntnis des für die Zürcher Kantonalbank tätigen Philipp Gamper. Seines Erachtens sieht es nach einem längeren Kräftemessen zwischen den beiden Parteien aus, was er aus operativer Sicht nicht gerade als förderlich einstuft. Gemäss Gamper wäre eine Einigung mit dem Grossaktionär hilfreich, auch wenn sie in weiter Ferne zu liegen scheine.

Markus Mayer von Baader-Helvea liefert Zahlenmaterial zum möglichen Ausgang des Zwists. Sollte Clariant eigenständig bleiben, errechnet er einen fairen Wert zwischen 21 und 28 CHF je Aktie. Bei einem Verkauf des gesamten Unternehmens geht der Analyst von um die 30 CHF und bei einer Zerschlagung in einzelne Geschäftsbereiche sogar von bis zu 35 CHF je Aktie aus. Eine Zerschlagung brauche jedoch Zeit, fügt er an.

Wie es im hiesigen Berufshandel heisst, geht Clariant mit den Medienmitteilungen im Anschluss an das Treffen mit White Tale auf Konfrontationskurs. Folglich wird eine Eskalation der Dinge nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig verweist man jedoch darauf, dass die Reaktion der oppositionellen Aktionärsgruppe noch ausstehe. Der Machtkampf bringe zahlreiche Unsicherheitsfaktoren mit sich.

ra/cf

(AWP)