Clariant nur marginal fester, aber auf 15-Jahreshoch

Der Druckaufbau von White Tale bei Clariant mag am Dienstag die Anleger nicht aus der Deckung locken. Als der Investor vor zwei Monaten erstmals die Abkehr von einer Fusion mit der amerikanischen Huntsman forderte, setzten die Papiere noch zum Höhenflug an. Nicht zuletzt die mittlerweile sehr hohe Bewertung der Clariant-Aktien dürfte mit ein Grund für die Zurückhaltung der Anleger sein.
19.09.2017 10:05

Um 09.50 Uhr notieren Clariant Namen 0,1% höher auf 23,81 CHF und der am SPI gemessene Gesamtmarkt steht 0,16% höher. Im Tageshoch kosteten die Clariant-Aktien 24,00 CHF - so viel wurde für die Papiere sei fast 15 Jahren nicht mehr bezahlt.

Auch mit seinen Argumenten dringt White Tale nicht bei allen Analysten durch. So lässt etwa der für Kepler Cheuvreux tätige Christian Faitz in einem Kommentar durchblicken, dass er den Ausführungen und Forderungen von White Tale nicht folgen könne.

Seines Erachtens würden mit der Huntsman-Fusion Aktionärswerte geschaffen, und nicht wie der Finanzinvestor sagt, vernichtet. Er bezeichnet die Vorschläge des Grossaktionärs als etwas gar "naiv". In der Chemieindustrie werde das wahre Leben nicht an einem Flip-Chart eines Investmentbankers bestimmt, so der Analyst.

Dem stimmt Paul Walsh von Morgan Stanley zu: Der Sektor unterliege einem zunehmenden Aktivismus. Walsh macht zudem darauf Aufmerksam, dass die Clariant-Aktionäre dem Huntsman-Deal mit einer Zweidrittelmehrheit der anwesenden Aktienstimmen absegnen muss. Üblicherweise seien Generalversammlungen aber nur zu 50 bis 55% besucht, was die Chancen von White Tale erhöht. Das Clariant-Management glaube aber, dass angesichts der Bedeutung der Abstimmung die Beteiligung dieses Mal viel höher liegen werde.

Auch ZKB-Experte Philipp Gamper beurteilt den beabsichtigten Merger von Clariant und Huntsman entschieden positiver als White Tale. Zudem würde der von White Tale geforderte Verkauf von Plastics & Coatings, die Sparte steht für 40% des Clariant-Umsatzes, das Unternehmen zu erheblichen Strukturanpassungen zwingen.

Lorena Zini von der Bank Vontobel schliesslich verweist auf einige Widersprüche in der Kommunikation. So habe White Tale in seinem Schreiben erklärt, die Transaktion sei eine völlige Umkehr von der erklärten Strategie von Clariant, ein reines Spezialchemikalien-Unternehmen zu werden. CEO Hariolf Kottmann habe aber am 1. September an einer Analystenkonferenz das Gegenteil behauptet.

Zudem bezweifelt White Tale, dass Clariant alternative Massnahmen untersucht hatte, bevor in die Fusion eingewilligt wurde. Auch hierzu habe CEO Kottmann während seiner Roadshow in London Ende Juli das Gegenteil erklärte, so Zini.

ra/cf

(AWP)