Clariant: White Tale beansprucht VR-Sitze und Ernennung eines Beraters

(Ausführliche Fassung mit Stellungnahme von Clariant) - Bei Clariant kehrt noch keine Ruhe ein. Der Grossaktionär White Tale, welcher die von Clariant geplante Fusion mit Huntsman zu Fall gebracht hat, fordert unter anderem drei Verwaltungsratssitze für sich, wie White Tale am Montag mitteilt. Die Aufgabe der Fusionspläne sei zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, die Arbeit beginne nun aber erst, heisst es.
30.10.2017 08:55

White Tale bekräftigt damit die Absicht, sich als langfristig engagierter Investor für den Erfolg von Clariant, die Mitarbeiter und für die Schaffung von Mehrwert für die Aktionäre einzusetzen. Die Kommentare seitens des Clariant-Managements seit Freitagabend seien dergestalt, als ob das Engagement von White Tale nicht stattgefunden habe.

Die Aktionärsgruppe White Tale, bestehend aus dem US-Familienunternehmen Standard Industries und dem aktivistischen Hedgefonds Corvex, hatte den Deal seit Monaten torpediert und zuletzt den Anteil an Clariant auf 20% ausgebaut. Am Freitag hatte dann Clariant den Abbruch der Fusionsbemühungen bekanntgegeben.

WHITE TALE FORDERT 3 SITZE - NOTFALLS ÜBER AO GENERALVERSAMMLUNG

White Tale fordert nun für sich drei Verwaltungsratssitze, um die strategische Neuausrichtung von Clariant zu begleiten. Ausserdem soll Clariant einen unabhängigen Finanzberater ernennen und dies auch öffentlich ankündigen. Dieser solle alle strategischen Optionen für Clariant ohne Voreingenommenheit prüfen. Dies sei eine Bedingung, um die Glaubwürdigkeit des Managements und des Verwaltungsrats von Clariant wieder herzustellen.

Weiter bekräftigt der Investor seine Ansicht, dass ein Verkauf der Kunststoff- und Beschichtungssparte (Plastics & Coatings) und eine Re-Investition der dabei gewonnenen Mittel in die reine Spezialchemie das Beste für das Unternehmen wäre. Sollte ein unabhängiger Berater allerdings zu einer anderen Sicht gelangen, werde man dem ebenfalls vorurteilslos gegenüberstehen.

Sollte es zu keiner baldigen Einigung mit dem Verwaltungsrat von Clariant kommen, will White Tale eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen.

CLARIANT NIMMT FORDERUNGEN ZUR KENNTNIS

Clariant hat das Statement von White Tale zur Kenntnis genommen. Aufgrund der veränderten Situation seien seit Freitag verschiedene Gespräche geführt worden, schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme zu den neuen Forderungen von White Tale. Und dieser Austausch werde als Teil des ständigen Dialogs mit allen Aktionären weitergeführt. Die Vorschläge von White Tale würden selbstverständlich geprüft, man werde aber bei den Gesprächen mit White Tale immer die Interessen sämtlicher Aktionäre im Blick behalten. Insgesamt zeigt sich Clariant zuversichtlich, dass vernünftige Diskussionen mit Fokus auf eine langfristige und nachhaltige Entwicklung von Clariant stattfinden werden.

In einem Interview mit der "NZZ am Sonntag" hatte Clariant-VR-Präsident Rudolf Wehrli der Forderung von White Tale nach einer Devestition eine Absage erteilt. Der geforderte schnelle Verkauf der Kunststoff- und Beschichtungssparte sei kein gangbarer Weg, sagte er dazu. Der Bereich trage 40% des Umsatzes und die Fixkosten des ganzen Konzerns mit. "Wir können nicht ins Blaue hinaus Geschäfte verkaufen und danach Zukäufe prüfen. Die Reihenfolge muss umgekehrt sein. Das sehen übrigens auch unsere Investoren so", meinte Wehrli.

VR-PRÄSIDENT WEHRLI SIEHT KEINEN HANDUNGSBEDARF BEIM MANAGEMENT

Zugleich räumte er ein, dass ein grösserer Zukauf nur durch den Verkauf der Kunststoff- und Beschichtungssparte finanziert werden könnte. "Die Vorbereitungen dafür haben wir getroffen, der Bereich wird gesondert geführt. Mit dem Erlös könnten wir die Finanzierung einer Akquisition in der Grössenordnung von bis zu 5 Mrd CHF stemmen".

Der Frage, ob er sich im Frühling zur Wiederwahl als Verwaltungsratspräsident stellen werde, wich Wehrli aus. Alle Verwaltungsräte müssten sich bis zur Frühjahrssitzung entscheiden, ob sie sich wieder wählen lassen wollten, sagte er lediglich. Die gescheiterte Fusion sei aber grundsätzlich kein Grund, um nach personellen Konsequenzen zu rufen. Dass Hariolf Kottmann als Konzernchef zurücktrete, sei zudem nie Thema im Verwaltungsrat gewesen.

cf/rw

(AWP)