VR und Management einig - Clariant will nicht übernommen werden

Der Basler Spezialitätenchemie-Hersteller Clariant will selbständig bleiben.
26.02.2017 12:38
Sitz von Clariant in Muttenz BL.
Sitz von Clariant in Muttenz BL.
Bild: cash

"Wir wollen nicht übernommen werden, und in der Branche ist das bekannt - und im Sinne gegenseitigen Respekts auch anerkannt", sagte CEO Hariolf Kottmann im Interview mit der "Finanz und Wirtschaft" (Ausgabe 25.2., nicht online).

"Dass Clariant eine attraktive Gesellschaft ist, unterschreibe ich sofort, und es wäre kein gutes Zeichen, wenn andere das nicht genauso sähen", meinte er weiter. Doch in den bald neun Jahren, die er im Unternehmen sei, habe ihn noch kein einziger Kollege aus der Branche ernsthaft auf das Thema angesprochen.

Nicht nur der CEO ist gegen eine Übernahme, sondern der ganze Verwaltungsrat und das Management seien es unisono, so Kottmann. "Wir wollen Clariant unter den heutigen Voraussetzungen als unabhängige und eigenständige Firma weiterentwickeln, weil wir damit die besten Chancen sehen, Wert zu schaffen", sagt er dazu.

Feindliche Übernahme nicht auszuschliessen

Auch die früheren Südchemie-Eigner, die mit knapp 14% an Clariant beteiligt sind, wollen offenbar nicht verkaufen. "Keiner von ihnen trägt sich mit dem Gedanken, zumindest nicht in Gesprächen mit mir, Aktien zu verkaufen", so Kottmann. Sie identifizierten sich im Gegenteil "in hohem Masse" mit der Firma und legten Wert darauf, eingebunden zu sein. "Wert legen sie zudem auf die Dividende, auf den Aktienkurs dagegen weniger."

Auf den Einwand, dass dies alles eine feindliche Übernahme nicht ausschliesse, sagt der CEO: "Das ist so. Doch in der Chemie ist das sehr riskant." In den letzten zwanzig Jahren habe es vielleicht zwei Übernahmen mit feindlichem Anstrich gegeben. Ein feindlich gesinnter Bieter erhalte keinen Einblick in die Bücher, was ein hohes finanzielles Risiko bedeute.

Clariant hat vor rund 10 Tagen das Jahresergebnis 2016 veröffentlicht und dabei einen Umsatz von 5,85 Mrd sowie einen Konzerngewinn von 263 Mio CHF ausgewiesen.

(AWP)