Comdirect kämpft nach Datenpanne um Vertrauen der Kunden - Rekordgewinn

(Ausführliche Fassung)
26.07.2016 12:33

QUICKBORN/FRANKFURT (awp international) - Die Online-Bank Comdirect bemüht sich nach der heftigen Datenpanne der vergangenen Woche um das Vertrauen der Kunden. Der Fehler sei so schnell wie möglich behoben worden und es sei sichergestellt, dass dieser sich nicht wiederholt, sagte Vorstandschef Arno Walter am Dienstag in Frankfurt. Die genaue Untersuchung der Vorgänge laufe noch, um weitere Lehren aus dem Fall zu ziehen. "Online-Banking ist weiter eine sehr sichere Angelegenheit", betonte Walter.

Bei Comdirect war es am Montag der vergangenen Woche wegen eines fehlerhaften Software-Updates zu grossen Problemen gekommen. Insgesamt seien rund 6500 Kunden betroffen gewesen. Eine Hälfte habe dabei Einsicht auf Konten anderer gehabt, von der anderen Hälfte waren die Kontoinformationen zu sehen. Insgesamt hat Comdirect rund zwei Millionen Privatkunden.

Walter betonte, dass dabei kein Geld auf Konten Dritter überwiesen oder Wertpapiere gehandelt werden konnten. Alle Betroffenen seien umgehend informiert worden. Einen materiellen Schaden habe es nicht gegeben. Kunden, die zur betreffenden Zeit nicht eingeloggt waren, seien nicht betroffen gewesen.

"Es ist etwas passiert, was nicht passieren darf", sagte Walter. Dies habe nichts mit möglicherweise veralteten IT-Systemen zu tun. "Es war eine spezielle Ausnahmesituation, die ich nicht auf das Alter der Programme schieben würde." Das Problem habe sich erst ergeben, als das Update unter der Last von 130 000 Anmeldungen an dem Montag nach dem Putschversuch in der Türkei funktionieren musste. Bei rund 20 000 Vortests sei der Fehler nicht aufgefallen. "Wir lernen daraus, dass wir diese Tests stärker an das echte Leben anpassen müssen." Kritik, dass die Bank zu spät auf den Fehler reagiert habe, wies Walter zurück.

"Für das zweite Halbjahr haben wir ein klares Ziel: Wir wollen unseren Kunden beweisen, dass wir ihr Vertrauen verdienen", sagte der Bank-Chef. So sei den Betroffenen angeboten worden, ihr Konto zu wechseln. Davon hätten bislang aber erst neun Kunden Gebrauch gemacht. Kündigungen wegen des Falls seien ihm noch nicht bekannt. Auch personelle Konsequenzen zog Walter bislang nicht. Er wolle zunächst die genaue Analyse abwarten.

Das Datenleck stellte den kräftigen Ergebnissprung der Commerzbank-Tochter im ersten Halbjahr in den Schatten. Unter dem Strich verdiente das Institut vor Steuern mit 88 Millionen Euro so viel wie noch nie, das waren gut 70 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dabei profitierte die Online-Bank vor allem von einem Sondergewinn von 41 Millionen Euro aus dem Verkauf ihrer Anteile am europäischen Teil des Kreditkartenanbieters Visa . Unter dem Strich blieben 66,3 Millionen Euro übrig, ein Zuwachs von drei Viertel.

Ohne den Sondereffekt hätte Comdirect allerdings einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Denn die niedrigen Zinsen machen dem Institut zunehmend zu schaffen und drücken auf das Zinsergebnis. Auch der Provisionsüberschuss ging im Vergleich zum starken Vorjahreswert zurück, was die Bank vor allem mit den niedrigeren Börsenkursen begründet.

Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand nun mit einem Vorsteuergewinn von rund 110 Millionen Euro. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 90,6 Millionen Euro. Ob die Aktionäre mit einer höheren Dividende am kräftigen Ergebnisanstieg profitieren werden, will die Bank erst nach Ende des Geschäftsjahres entscheiden./enl/she/stb

(AWP)