Commerzbank mit herbem Verlust wegen Stellenabbau

(Mit weiteren Angaben ergänzt, insbesondere Aussagen aus Telefonkonferenzen) - Der Abbau Tausender Stellen hat die Commerzbank noch tiefer in die roten Zahlen gerissen als erwartet. Auch die Anwerbung neuer Kunden ging kräftig ins Geld. Weit mehr als eine halbe Milliarde Euro betrug der Verlust im zweiten Quartal. Dennoch ist die Bankführung überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Die Commerzbank sei "einen weiteren wichtigen Schritt bei der Umsetzung unserer Strategie vorangekommen", erklärte Vorstandschef Martin Zielke am Mittwoch in Frankfurt.
02.08.2017 13:10

Auf der einen Seite soll die Zahl der Kunden bis 2020 um zwei Millionen steigen - alleine 385 000 kamen im ersten Halbjahr hinzu. Dabei half auch die Übernahme des Finanzportals Onvista durch die Commerzbank-Onlinetochter Comdirect. Jeder neue Kunde kostet aber zunächst 150 bis 250 Euro. "Das ist eine Investition in die Zukunft", sagte Engels. Es dauere im Schnitt anderthalb Jahre bis ein Kunde profitabel werde.

STELLEN FALLEN WEG - FILLIALNETZ BLEIBT BESTEHEN

Auf der anderen Seite sollen durch den Abbau von 9600 Vollzeitstellen im gleichen Zeitraum die Kosten langfristig sinken. 2300 neue Jobs werden parallel aufgebaut, etwa um die Digitalisierung in der Bank voranzutreiben. Am Filialnetz will die Commerzbank anders als etwa der Konkurrent Deutsche Bank nicht rütteln.

Der Umbau soll das Geldhaus, das in der Finanzkrise vom Staat gestützt werden musste, zukunftssicher machen. Die Commerzbank leidet wie viele andere Banken unter den niedrigen Zinsen, die die Einnahmen schmälern. Hinzu kommen hausgemachte Probleme wie faule Schiffskredite angesichts der Krise der Container-Reedereien. Ende Juni gab es noch 41 500 Vollzeitstellen im Haus.

HOHER QUARTALSVERLUST

Die Commerzbank hatte bereits angedeutet, wie das Quartal gelaufen ist, als sie jüngst die Rechnung für den Stellenabbau präsentierte: 807 Millionen Euro stellte das Institut nun im zweiten Quartal für Abfindungen und andere Kosten zurück. Das sorgte für einen Verlust von unterm Strich 637 Millionen Euro - nach einem Gewinn von 215 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr rechnet das Institut aber weiter mit einem leicht positiven Ergebnis.

Doch nicht nur der Stellenabbau und die Anwerbung der Neukunden belasteten die Bilanz. Im Firmenkundengeschäft litten die Frankfurter wie die Konkurrenz unter dem mauen Handel an den Finanzmärkten, wodurch den Banken Gebühren entgehen. Die Erträge - die gesamten Einnahmen - gingen konzernweit von 2,24 Milliarden auf 2,07 Milliarden Euro zurück. Nach Bloomberg-Daten war dies das schwächste Quartal seit 2014. Der operative Gewinn sank von 351 Millionen auf 183 Millionen Euro.

ANALYSTEN SEHEN LICHT UND SCHATTEN

Analysten hatten zwar mit einem Abrutschen gerechnet - allerdings nicht in dieser Grössenordnung. Die Commerzbank-Aktie rutschte zuletzt um 2 Prozent ab. Sie ist aber trotzdem weiter einer der bestgelaufenen Werte des Jahres im Leitindex Dax mit einem Plus von deutlich über 50 Prozent.

Die Bank bekomme zwar auf kurze Sicht Gegenwind, schrieb UBS-Analyst Daniele Brupbacher, sei jedoch mittelfristig auf Kurs. Goldman-Analyst Omahen verwies auf die überraschend gute Entwicklung der Kapitalausstattung.

"Unsere harte Kernkapitalquote ist trotz Rückstellungen für Restrukturierung auf 13,0 Prozent gestiegen", erklärte Finanzchef Stephan Engels. Die Kennziffer gilt als Ausweis der Krisenfestigkeit einer Bank. Fürs Gesamtjahr strebt die Bank rund 12,5 Prozent an. Zum Vergleich: Ende 2016 hatte die Quote bei 12,3 Prozent gelegen.

FORTSCHRITTE BEI SCHIFFSKREDITEN

Finanziell Luft hat sich die Commerzbank bei den Schiffskrediten verschafft: Im ersten Halbjahr schrumpfte das Portfolio um 0,9 Milliarden auf 3,9 Milliarden Euro. Bis zum Ende des Jahres soll es weiter zurückgehen auf rund 3 Milliarden Euro. Entsprechend geht die Bank auch von einer geringeren Risikovorsorge aus.

Die Commerzbank hatte einst in grossem Stil Kredite für neue Frachtschiffe gewährt. Überkapazitäten und fallende Frachtraten hatten jedoch viele Reedereien in Schieflage gebracht. Knapp 2,5 Milliarden Euro des Schiffskreditportfolios der Commerzbank gelten als ausfallgefährdet. Bis 2020 will das Geldhaus ganz aus dem Geschäft aussteigen./das/mar/kro/zb

(AWP)