Conti setzt auf veränderte Geschäftsmodelle

(Ausführliche Fassung) - Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental will künftig verstärkt mit Mobilitätsdiensten Geld verdienen. "Die Automobilindustrie befindet sich im Wandel; gleiches gilt für unser Geschäftsmodell", sagte Continental-Chef Elmar Degenhart bei der Vorstellung der vorläufigen Jahresergebnisse. Das jahrzehntelange Geschäftsmodell des Konzerns stehe dank der Digitalisierung vor einem Wandel. Etwa 14 000 der 31 000 Ingenieure im Konzern hätten heute schon einen Software-Hintergrund. Dieser Anteil werde weiter steigen. Die Internet-Anbindung werde auch dank des autonomen Fahrens immer aufwändiger. Degenhart: "Das Auto der Zukunft wird ein Rechner auf Rädern sein."
02.03.2017 10:55

Bis 2025 werde die Zahl der Neuwagen mit Verbrennungsmotoren aber zunächst weiter wachsen: "Der Verbrennungsmotor hat seinen Zenit tatsächlich noch erst vor sich." Bei der Elektromobilität sei die Kernfrage, wann eine Batteriezelle mit ausreichender Leistungsstärke verfügbar sei. Erst ein Technologiesprung dabei werde der E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen. Die Brennstoffzelle habe ebenfalls eine grosse Zukunft, werde aber kaum vor 2030 sinnvoll einsetzbar sein. 2017 rechnet Conti mit einer einprozentigen Zunahme der weltweiten Fahrzeugproduktion auf knapp 94 Millionen Automobile.

Der Dax-Konzern erhöhte seinen Überschuss im vergangenen Geschäftsjahr um 2,8 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Die Dividende soll um 13 Prozent auf 4,25 Euro je Aktie steigen. Beim Umsatz gab es - wie bereits seit Bekanntgabe wichtiger Eckdaten Anfang Januar - ein Plus von 3,4 Prozent auf 40,5 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei unter anderem wegen Ausgaben für Gewährleistungsansprüche und Kartellverfahren leicht auf 4,3 Milliarden Euro gesunken.

"Damit sind wir erneut schneller gewachsen als die Märkte, in denen wir tätig sind", sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer. 2017 will Conti das Wachstum beschleunigen und das operative Ergebnis steigern. Zu den Wachstumstreibern gehörten Fahrassistenzsysteme - die Aufträge für sie stiegen 2016 auf gut drei Milliarden Euro an. Conti hatte in den vergangenen fünf Jahren insgesamt rund eine Milliarde Euro in die Forschung bei dieser Sparte gesteckt. Einen ähnlichen Betrag steckte Conti in die Forschung bei der E-Mobilität.

Die hohen Investitionen seien dem Trend weg von der Mechanik und hin zu mehr Software geschuldet. Der Zukauf des Folienspezialisten Hornschuch aus Baden-Württemberg sei nun unter Dach und Fach, sagte Schäfer. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um etwa 12 000 auf nun mehr als 220 000 Beschäftigte. Auch wenn das Umfeld politisch und wirtschaftlich anspruchsvoller wird, rechnet Conti 2017 mit einem sechsprozentigen Umsatzplus. An der Börse kamen die Zahlen und der detaillierte Ausblick nicht gut an, auch wenn die Dividende etwas höher ausfiel als Experten erwartet hatten. Das Conti-Papier gehört mit einem Abschlag von rund einem Prozent zu den schwächsten Dax-Titeln./rek/DP/zb

(AWP)