Continental will Umsatz mit Mobilitätsdiensten verdoppeln

(Ausführliche Fassung) - Continental-Chef Elmar Degenhart sieht in Mobilitätsdiensten einen neuen Milliardenmarkt: Der Autozulieferer und Reifenhersteller will sein Geschäft mit Dienstleistungen für die Mobilität deutlich ausweiten. Aktuelle Erlöse von über 500 Millionen Euro in dem Segment will der Dax-Konzern bis 2020 verdoppeln. "Und das ist erst der Anfang. Denn dieser weltweite Milliardenmarkt keimt gerade erst auf", sagte Degenhart am Freitag auf der Hauptversammlung.
28.04.2017 13:59

Einer dieser Mobilitätsdienste ist der "digitale Autoschlüssel": Per App auf dem Smartphone lässt sich ein Mietwagen in der Nähe finden und buchen - und auch der Motor starten. 15 Kundenaufträge für das System gebe es bereits, sagte Degenhart. Zu den Dienstleistungen zählen aber auch bekannte Angebote wie etwa ein drahtloser Notruf aus dem Auto.

Digitale Datenströme sind vielfältig nutzbar - etwa für bessere Verkehrsführung, Kartendienste, Roboter-Taxis oder Carsharing. An ähnlichen Projekten zu intelligenten Transportsystemen arbeiten auch Autobauer wie Volkswagen .

"Das Innenleben des Autos, wie wir es kennen, wird sich in 10 bis 15 Jahren völlig anders zusammensetzen", erklärte der Vorstandschef. "Das politische Umfeld und unsere Industrien verändern sich schneller als je zuvor." In Städten würden künftig immer mehr elektrisch angetriebene Roboter-Taxis benötigt. "Wir glauben fest an das vollelektrische Fahren", betonte der Vorstandschef. Aber erst nach 2025 erwartet er langsame Volumenrückgänge beim Verbrennungsmotor.

Erst kürzlich hatte Continental angekündigt, in die Entwicklung von Elektroantrieben bis 2021 rund 300 Millionen Euro zusätzlich zu stecken.

Pünktlich zum Aktionärstreff legte der weltweit drittgrösste Autozulieferer mit gut 227 000 Mitarbeitern Eckdaten zum ersten Quartal vor - Umsatz und operatives Ergebnis stiegen stärker als von Experten erwartet. Grund: der Boom der Autobranche. In den ersten drei Monaten kletterte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nach vorläufigen Zahlen auf rund 1,2 Milliarden Euro - nach 1,1 Milliarden Euro im Startquartal 2016. Der Umsatz wuchs um 11,7 Prozent auf rund 11 Milliarden Euro. Am 9. Mai will der Konzern detaillierte Zahlen für das erste Quartal vorlegen.

"Trotz gestiegener Rohstoffpreise deutet alles darauf hin, dass wir unsere selbstgesteckten, anspruchsvollen Ziele 2017 sicher erreichen können", sagte Degenhart. Konzernweit peilt Conti im laufenden Jahr einen Umsatz von mehr als 43 Milliarden Euro an - ein Plus von 6 Prozent. An der Börse verteuerte sich die Aktie zwischenzeitlich um bis zu 2,59 Prozent auf 209,95 Euro und damit auf den höchsten Stand seit Anfang 2016./tst/DP/tos

(AWP)