Coop-Gewinn knickt wegen Aus von Onlinemarktplatz Siroop ein

(Zusammenfassung) - Trotz einem Rekordumsatz hat Coop im vergangenen Jahr weniger verdient. Der Reingewinn knickte um 2,6 Prozent auf 473 Millionen Franken ein. Schuld am Taucher war das Aus des verlustreichen Onlinemarktplatzes Siroop Ende April.
19.02.2019 16:20

Dieses habe operativ ein Loch von 35 Millionen Franken in die Kasse gerissen, was den Betriebsgewinn (EBIT) nach unten gezogen habe, erklärte Coop-Chef Joos Sutter am Dienstag auf der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. Der EBIT fiel um 34 Millionen auf 772 Millionen Franken. Ohne Siroop wäre der Gewinn gestiegen.

Um Siroop zum Erfolg zu bringen hätte man viel mehr investieren müssen, hatte der Coop-Chef bereits früher eingestanden. Die zweite Erkenntnis sei, dass ein Online-Warenhaus nur Schritt für Schritt aufzubauen sei. Wie Amazon es vormache, sei es erfolgsversprechender, zuerst mit einer Produktkategorie zu starten und danach das Angebot auszuweiten.

Siroop wurde in die Onlineplattform Microspot integriert, die deshalb um über ein Fünftel zugelegt habe. Die Integration scheine zu funktionieren. Hier will Sutter nun das Sortiment deutlich erweitern. So sollen neue Kategorien dazukommen wie etwa Baumarkt-, Kosmetik- oder Bijouterieprodukte. Auch weiteren Dritthändlern werde der Zugang auf Microspot gewährt.

Starkes Wachstum im Onlinegeschäft

"Wichtig für die Zukunft ist eine starke Basis im E-Commerce", sagte Sutter. Coop sei hier mit 40 Onlineshops im Detail- und Grosshandel optimal aufgestellt. Der Online-Umsatz kletterte im vergangenen Jahr um gut ein Fünftel auf 2,3 Milliarden Franken.

Davon entfielen 785 Millionen Franken auf den Detailhandel, wo ein Wachstum von mehr als 15 Prozent gelang. Den Rest steuerte der Grosshandel bei, der noch stärker wuchs.

Neuer Umsatzrekord

Insgesamt habe Coop mit 30,7 Milliarden Franken Umsatz den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte erzielt, sagte Sutter. Mit einem Wachstum von 5 Prozent legten die Basler stärker zu als Erzrivalin Migros, die den Umsatz lediglich um 1,3 Prozent auf 28,4 Milliarden Franken steigern konnte.

Zum Wachstumsschub trugen auch Akquisitionen bei, insbesondere die Übernahme des Ostschweizer Nahrungsmittelherstellers Hügli. Ohne Übernahmen hätte Coop um 3 Prozent zugelegt, sagte Sutter: "Das ist ein starkes Wachstum."

Wachstumstreiber waren der Grosshandel und die Produktion, deren Umsatz dank den Zukäufen um 9 Prozent auf 14,2 Milliarden Franken kletterte.

Detailhandel hinkt hinterher

Im Detailhandel mit den Supermärkten und den Fachmärkten ging es mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 17,7 Milliarden Franken nicht so steil aufwärts. Allerdings habe sich Coop immer noch besser geschlagen als der Gesamtmarkt, der laut den Konjunkturforschern von BAK Economics stagniert habe, erklärte Sutter. Gerade im Verkauf von Herren- und Damenkleidern habe man deutlich zulegen können, während der ganze Textilmarkt um über 6 Prozent abgesackt sei.

In den Supermärkten stieg der Umsatz um 0,8 Prozent auf 10,4 Milliarden Franken. Die Zahl der Kunden sei aber um gut 3 Prozent gestiegen. Das heisst, es kommen zwar mehr Kunden in die Coop-Läden, die geben aber immer weniger pro Einkauf aus.

Das liege zum einen an den Preisreduktionen, zum anderen am steigenden Anteil von zubereiteten Lebensmitteln (sog. Convenience Food). "Durch die vielen Convenience-Einkäufe fällt der durchschnittliche Warenkorbwert", sagte Sutter.

Kampfansage an Discounter

Im vergangenen Jahr habe man 40 Millionen Franken in Preisreduktionen gesteckt. Das sei in etwa so viel wie im Vorjahr. Und die preissensitiven Kunden will Sutter locken und damit den Discountern an den Karren fahren.

"Wir haben eine neue Preisoffensive für die Vergünstigung von über 150 Artikeln im Januar lanciert." Das "Prix Garantie"-Sortiment werde von derzeit 500 auf 600 Produkte ausgebaut. Das reiche vom Backpulver bis zum Rindshackfleisch.

Denn das Preisbewusstsein der Konsumenten habe einerseits durch Onlinehandel, andererseits durch die Discounter zugenommen. Denner, Aldi und Lidl würden heute hierzulande bereits 6,5 Milliarden Franken Umsatz machen. Da wolle Coop Gegensteuer geben.

Auf der anderen Seite will Coop bei den Bio-Produkten Gas geben. Bis 2025 will der "orange Riese" mit der Bio-Marke Naturaplan einen Umsatz von 2 Milliarden Franken erreichen. Heute sind es 1,3 Milliarden Franken.

Der Frage, ob Coop im laufenden Jahr wieder den Gewinn steigern werde, wich Sutter aus: "Wir sind als Genossenschaft mit einer Gewinnmarge von 1,6 Prozent des Umsatzes gut aufgestellt. Wenn wir hier Erfolg haben, investieren wir in Preisreduktionen und Innovationen. Unser Ziel ist nicht die Maximierung des Gewinns." Der Gewinn von Coop habe in den letzten drei Jahren immer zwischen 470 und 480 Millionen Franken gelegen.

jb/tt

(AWP)