Corona-Krise trifft US-Banken - JPMorgan verdient Milliarden

(Neu: Weitere Details, aktuelle Kurse.) - Die grösste US-Bank JPMorgan Chase hat im zweiten Quartal starke Abstriche wegen der Corona-Pandemie machen müssen. Allerdings strich der US-Branchenführer noch einen Gewinn ein, von dem die meisten anderen Unternehmen nur träumen können. Unterm Strich verdiente JPMorgan laut Mitteilung vom Dienstag knapp 4,7 Milliarden Dollar (rund 4,1 Mrd Euro) und damit etwa halb so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Experten hatten mit weniger gerechnet, die Aktie legte in den ersten Handelsminuten deutlich zu.
14.07.2020 16:06

JPMorgan verbuchte zwar eine zweistellige Milliardenbelastung wegen drohender Kreditausfälle, konnte die Krise aber insgesamt gut abfedern. Positiv überraschten die Erträge, die im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf fast 34 Milliarden Dollar anzogen. Die Bank profitierte unter anderem von regen Geschäften an den Finanzmärkten und im Investmentbanking. Eine hohe Belastung war indes die um mehr als neun auf fast 10,5 Milliarden Dollar erhöhte Risikovorsorge.

"In diesen beispiellosen Zeiten bleibt JPMorgan stabil", erklärte Vorstandschef Jamie Dimon. Bei den einzelnen Sparten stach vor allem das Geschäft mit grossen Konzernen und das Investmentbanking (CIB) hervor. Dort legte der Gewinn um 85 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar zu. In diesem Bereich profitierte JPMorgan unter anderem von einer starken Nachfrage von Unternehmen nach Finanzierungen, aber auch von guten Geschäften an den Finanzmärkten. Der Ertrag in diesem Segment legte rund zwei Drittel auf 16 Milliarden Dollar zu.

In die roten Zahlen ist dagegen das Geschäft mit Privatkunden und auch kleinen Unternehmen (CCB) gerutscht. So stand in der Privatkundensparte ein Verlust von 176 Millionen Dollar in den Büchern nach einem Gewinn von mehr als vier Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Die Erträge gingen hier unter anderem wegen der niedrigen Zinsen um neun Prozent auf rund 12 Milliarden Dollar zurück.

Deutlich schlechter als JPMorgan erging es dem Rivalen Wells Fargo, der wegen der Corona-Pandemie den ersten Quartalsverlust seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren erlitt. Unterm Strich büsste das Geldhaus in den drei Monaten bis Ende Juni 2,4 Milliarden Dollar (2,1 Mrd Euro) ein. Hohe Rückstellungen für Kreditausfälle drückten die Bilanz massiv ins Minus, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 6,2 Milliarden Dollar zu Buche stand. Die Erträge brachen insgesamt um über 17 Prozent auf 17,8 Milliarden Dollar ein. Im Gegensatz zu den US-Konkurrenten, die Schwächen im Kreditgeschäft mit

ihren Investmentbanking- und Handelssparten kompensieren können, hält sich Wells Fargo hier traditionell zurück. Zudem ist die Bank wegen Auflagen aufgrund von Affären um fingierte Konten und anderer dubioser Geschäftspraktiken ohnehin schon stark vorbelastet. Am Markt kamen die Zahlen nicht gut an - die Aktie verlor in den ersten Handelsminuten bis zu acht Prozent. Besonders missfiel den Anlegern, dass Wells Fargo die Dividende stärker als erwartet kürzte.

Milliardenschere Puffer gegen Kreditausfälle in der Corona-Krise haben auch die Citigroup erneut stark belastet. Dennoch schaffte die Grossbank aber auch im zweiten Quartal einen Milliardengewinn, der zudem höher als von Experten erwartet ausfiel. Der Überschuss sackte im Vergleich zum Vorjahr um 73 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar (1,14 Mrd Euro) ab, wie die Citigroup in New York mitteilte. Die Aktie büsste in den ersten Handelsminuten rund zwei Prozent ein.

Grösster Belastungsfaktor war wie bei JPMorgan und Wells Fargo die Risikovorsorge von 7,9 Milliarden Dollar - die damit fast vier Mal so hoch war wie vor einem Jahr. Dadurch wurden die höheren Erträge im vergangenen Quartal mehr als aufgezehrt. Diese legten vor allem dank eines regen Geschäfts an den Finanzmärkten und mit grossen Konzernen, deren Nachfrage in der Krise nach Anleihen und Krediten nach oben geschnellt ist, um fünf Prozent auf knapp 20 Milliarden Dollar zu./zb/hbr

(AWP)