Cosmo setzt an zum grossen Sprung in die USA

(Meldung vom Vorabend um weitere Einzelheiten, Kommentare des Managements und Aktienkurs erweitert )
30.11.2016 13:55

Zürich (awp) - Dem Pharmaunternehmen Cosmo dürften spannende Zeiten bevorstehen. In den USA will die Gesellschaft über ihre neu gegründete Tochter Aries den Markt für Endoskopie aufmischen und sich mit seinen Produkten Marktanteile sichern. An der Börse fällt die Reaktion zunächst skeptisch aus.

Welche Grössenordnung das Management rund um Chairman Mauro Ajani und CEO Alessandro Della Chà mit Blick auf den möglichen Marktanteil erwartet, vermögen sie im Gespräch mit AWP nicht zu sagen. "Ihnen eine Zahl zu nennen, wäre unseriös, da wir es schlicht nicht sagen können", erklärt der CEO im Telefon-Gespräch. Chairman Ajani ergänzt: "Tatsache ist, dass wir in den USA und auch in Europa keinen direkten Konkurrenten haben und auch für unsere Produkte keine vergleichbaren auf dem Markt sind". Das alleine dürfte für sich sprechen, sind sich die Manager einig.

US-TOCHTER STARTKLAR

Für den Start auf dem US-Markt hat Cosmo alle notwendigen Schritte bereits unternommen. Die neue Gesellschaft sei komplett in den Cosmo-Konzern integriert, erklärten die Cosmo-Manager bereits am Dienstag anlässlich des R&D-Tages in Zürich. Aries Ltd wiederum besitze zu 100% Aries Pharmaceuticals Inc mit Sitz in San Diego. Die US-Gesellschaft werde im Rahmen eines Lizenzvertrages die Produkte von Cosmo in den USA vermarkten. Dazu zählen LuMeBlue, Eleview, Zemcolo und Remimazolam.

Von diesen vier Mitteln ist Eleview bereits in den USA und Europa zugelassen. Dabei handelt es sich um eine injizierbare Komposition, mit der Polypen und Adenomas während einer Kolonoskopie sicherer und schneller entnommen werden können. Vermarkten wird Cosmo selbst es aber nur in den USA. Für Europa und den Rest der Welt sei man auf der Suche nach Lizenzpartnern.

ZULASSUNG FÜR LUMEBLUE INNERHALB VON 12 MONATEN MÖGLICH

LuMeBlue wiederum könnte noch innerhalb der nächsten 12 Monate die Zulassung bekommen, stellt Chairman Ajani gegenüber AWP in Aussicht. Man sei mit der US-Gesundheitsbehörde FDA bereits während der Phase III in Gesprächen gewesen. Der Zulassungsantrag werde noch innerhalb des ersten Halbjahres 2017 gestellt und ein beschleunigtes Verfahren ist laut Ajani durchaus denkbar.

Die ausführlichen Daten der erst kürzlich erfolgreich abgeschlossenen Phase-III-Studie stellte das Management ebenfalls an dem Investorentag am Dienstag vor. LuMeBlue stelle für sein Unternehmen einen Wendepunkt dar, weil es ein substantielles Bedürfnis in einem Massenmarkt anspreche, betont der Cosmo-CEO auch an dem Anlass einmal mehr. In der Studie wurde das Kontrastmittel für die Erkennung von Adenomen während der Darmspiegelung getestet.

REMIMAZOLAM BRAUCHT NOCH ZEIT

Etwas anders sieht es mit dem Produktkandidaten Remimazolam aus. Dieser einlizenzierte Kandidat befinde sich noch in der klinischen Phase III, erklären die beiden Manager gegenüber AWP. Das Mittel soll für eine schnellere und sicherere Sedierung bei Endoskopien angewendet werden. "Die Phase III dürfte im ersten Halbjahr 2017 beendet werden, dann folgt das übliche Prozedere mit dem Zulassungsantrag, so dass wir aktuell davon ausgehen, dass das Mittel in etwa zwei Jahren lanciert werden kann", rechnet Della Chà vor.

Alle drei Mittel zusammen sollen Endoskopisten und Gastroenterologen eine abgerundete Angebotspalette bieten. In dieser Form sei Cosmo mit dieser Palette einzigartig. Gefragt, ob denn die Produktionskapazitäten für einen solchen Schritt in Richtung Massenmarkt geeignet seien, lässt der Chairman Ajani keinen Zweifel: "Wir können jederzeit Millionen von Tabletten produzieren - unsere Produktion ist darauf eingestellt!"

ZEMCOLO HÄTTE 10 JAHRE EXKLUSIVITÄT IN DEN USA

Für das Mittel Zemcolo hat Cosmo am R&D-Tag ebenfalls ausführliche Daten der erfolgreich abgeschlossenen Phase-III-Studie vorgelegt. Das Mittel soll vor allem zur Behandlung von Reisedurchfall eingesetzt werden. Wichtig ist den Managern der Punkt, dass es sich bei Zemcolo in den USA um eine neue chemische Substanz handelt. Damit erhält das Mittel im Falle einer Zulassung in den USA automatisch zehn Jahre Exklusivität.

Vertrieben werden soll Zemcolo dann auch über die US-Tochter Aries. Wie die Manager vor den Investoren erklärten, sei es zu einem späteren Zeitpunkt auch durchaus denkbar, dass Aries dann an der Börse gelistet werde. An welcher und wann, das sei dann zu entscheiden.

PIPELINE GUT GEFÜLLT

Auf die Frage, was in einem solchen Fall mit Cosmo passiere, beschwichtigen beide Manager: "Cosmo hat eine sehr gut gefüllte Pipeline, aber wir veröffentlichen Details über sie erst, wenn sie für die klinischen Studien am Menschen reif sind", sagt Della Chà gegenüber AWP. Das sei Teil der Cosmo-Philosophie, dass man sich erst dann zu seiner Pipeline äussere, wenn es auch etwas wichtiges zu sagen gebe.

An der Börse begegnen Investoren den Plänen skeptisch. Am Mittwochmittag um 13.10 Uhr verlieren die Papiere 5,3% auf 173,80 CHF. Der SPI gewinnt dagegen zeitgleich knapp ein halbes Prozent.

hr/rw

(AWP)