Covestro für 2017 zuversichtlich - Gewinn- und Dividendensprung 2016

(Neu: Aussagen aus Pressekonferenz, Aktienkurs, Analysten und mehr Details) - Die Bayer-Kunststofftochter Covestro blickt nach einem Gewinnsprung mit Zuversicht auf das laufende Jahr. "Unsere Strategie ist aufgegangen", sagte Konzernchef Patrick Thomas bei der Bilanzvorlage am Montag in Köln. Für 2017 zeigte er sich zuversichtlich. Covestro erwarte eine "solide Entwicklung" der wichtigsten Kennzahlen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte auf dem Niveau des Vorjahres oder darüber liegen. 2016 schnellte der operative Gewinn trotz sinkender Verkaufspreise um 22,7 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro in die Höhe. Für das erste Quartal stellte Thomas eine deutliche Steigerung im Jahresvergleich in Aussicht.
20.02.2017 12:35

Im vergangenen Jahr profitierte Covestro von einer starken Nachfrage, die die Auslastung der Anlagen nach oben trieb. Trotz eines leichten Umsatzrückgangs im Zuge niedrigerer Verkaufspreise stieg der Gewinn auf mehr als das Doppelte. Produktionsschwierigkeiten im Schlussquartal in Europa konnten den Kunststoffspezialisten nicht wirklich ausbremsen. Im vierten Quartal legten sowohl Preise als auch Verkaufsmengen erstmals seit längerer Zeit gleichzeitig zu. Den Aktionären winkt eine Dividende von 1,35 Euro je Aktie - 65 Cent mehr als ein Jahr zuvor.

ENGPÄSSE BEI DER KONKURRENZ

Auch im laufenden Jahr sei ein weiteres Mengenwachstum zu erwarten. Der Zuwachs dürfte im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich liegen, sagte Thomas. Im vierten Quartal habe die Wirtschaft insgesamt wieder angezogen. Finanzchef Frank Lutz zufolge dürfte der Markt für Covestro-Produkte bis zur Jahresmitte 2017 mangels neuer Kapazitäten enger werden. Vor diesem Hintergrund sei auch ein deutlicher Anstieg des operativen Ergebnisses möglich. Vieles hänge aber von der weiteren Entwicklung von Angebot und Nachfrage ab.

Trotz geopolitischer Herausforderungen und Unsicherheiten dürften sich die Absatzmärkte insgesamt positiv entwickeln, schätzt Thomas. Das Wachstum der Autoindustrie - die für rund ein Fünftel des Covestro-Geschäfts steht - dürfte sich dabei abschwächen. Die Bauwirtschaft und die Möbelindustrie dürften weltweit wachsen. Eine Herausforderung dürfte der deutliche Preisanstieg des Rohstoffs Butadien sein. Finanzchef Lutz zeigte sich aber zuversichtlich, diesen Druck durch Preissteigerungen abfangen zu können. Keine Sorgen bereitet ihm China: Dort sei keine Schwäche zu erkennen.

MÖGLICHE BAYER-PLATZIERUNG LASTET AUF AKTIENKURS

Im vergangenen Jahr profitierte Covestro auch von Engpässen der Konkurrenz. Trotz deutlich niedrigerer Preise sank der Umsatz nur um 1,5 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro. Im Zuge einer höheren Auslastung verdiente Covestro operativ deutlich mehr. Unter dem Strich konnte das Unternehmen seinen Gewinn auf 795 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Die Kosten für den Börsengang hatten das Ergebnis ein Jahr zuvor belastet.

Der Kunststoffspezialist übertraf damit die eigene Prognose und die Erwartungen der Analysten. Deutsche Bank-Analyst Tim Jones rechnet nach dem starken Jahr auch mit einem sehr starken Auftaktquartal 2017. Der sehr konservative Ausblick zum Jahresbeginn sei typisch für Covestro. Analyst Markus Mayer von der Baader Bank befürchtet indes, dass die Gewinndynamik nachlassen und im zweiten Halbjahr sogar ins Negative drehen könnte.

Am Finanzmarkt konnte Covestro nicht wirklich punkten. Der Aktienkurs sackte bis zur Mittagszeit um 4,55 Prozent auf 68,79 Euro ab. Erst am Freitag hatte er bei 72,92 Euro ein Rekordhoch erreicht. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Zwar sei die Bilanz sowie die vorgeschlagene Dividende besser als gedacht, sagte ein Händler. Allerdings sei ein möglicher Anteilsverkauf durch Bayer wieder stärker in den Blick gerückt. Thomas lieferte dazu keine neuen Details. Eine Platzierung sei Sache von Bayer, bekräftigte er.

TREIBER AUTO- UND BAUINDUSTRIE

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte am Wochenende berichtet, dass Bayer im Laufe des Jahres seine Covestro-Anteile verkaufen wolle. Neu sind derartige Spekulationen nicht, da eine mittelfristig angestrebte Versilberung der Anteile seit längerem bekannt ist. So braucht Bayer etwa für die geplante Rekord-Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto mit einem Gesamtvolumen von 66 Milliarden US-Dollar Geld. Auch nach dem Börsengang im Herbst 2015 hält Bayer noch rund 64 Prozent an Covestro. Bayer will sich im Laufe der nächsten Jahre vollständig von seinem Anteil trennen.

Das stärkste Mengenwachstum verzeichnete Covestro als Marktführer im vergangenen Jahr beim transparenten Kunststoff Polycarbonat. Dieser wird etwa für CD-Rohlinge verwendet. Auch das Polyurethan-Geschäft lief gut. Diese Materialien werden als Schäume etwa in der Auto-, Bau- und in der Elektroindustrie verwendet. Beim Geschäft mit Beschichtungen und Spezialchemikalien blieb die Dynamik am geringsten. Der Preisdruck bei Polycarbonat und Spezialchemikalien hielt auch im Schlussquartal an. Dank höherer Mengen und Preise legte das operative Ergebnis aber bei Polyurethan stark zu. Treiber waren etwa die Automobil- und Bauindustrie.

Der Kunststoffspezialist mit weltweit rund 15 600 Mitarbeitern war zuvor als Bayer MaterialScience bekannt. Die Materialien werden etwa in der Auto-, Bau- und in der Elektroindustrie verwendet./jha/stw/stb

(AWP)