Covestro will liquide Mittel für Zukäufe oder Ausschüttungen nutzen

(Ausführliche Fassung) - Der Kunststoffproduzent Covestro rechnet dank guter Nachfrage seiner Kunden mit einem anwachsenden Berg liquider Mittel. Darauf will die Bayer-Tochter nicht sitzen bleiben, sondern die Gelder in Zukäufe investieren oder ihren Aktionären zugute kommen lassen, wie Covestro-Chef Patrick Thomas auf dem Kapitalmarkttag in London skizzierte.
29.06.2017 12:42

Laut Thomas erwägt der Konzern gezielte Zukäufe zur Stärkung des eigenen Spezialitäten-Geschäfts. Namen möglicher Kandidaten nannte er laut Unternehmensmitteilung nicht. Sollten die Leverkusener allerdings binnen 24 Monaten hier nicht nennenswert erfolgreich sein, profitieren die Aktionäre: Überschüssige Mittel sollen dann über Aktienrückkäufe oder Sonderdividenden an die Anteilseigner fliessen.

Ob dies auch der Mutter Bayer zugute kommt, ist unklar. Der Konzern strebt eigenen Angaben zufolge mittelfristig die vollständige Trennung von Covestro an. Erst Anfang Juni hatte sich Bayer von weiteren Covestro-Papieren getrennt und seinen Anteil auf 44,8 Prozent reduziert.

An der Börse kamen die Nachrichten vom Kapitalmarkttag zunächst nicht gut an. Die Covestro-Aktie stand gegen Mittag mit mehr als eineinhalb Prozent im Minus bei knapp 65,60 Euro. Einige Anleger befürchteten nun wohl, dass Covestro bei der Suche zu erfolgreich sein werde, kommentierte ein Börsianer die Kursverluste. Denn eigentlich seien die Signale vom Unternehmen ziemlich positiv.

Die Investoren können sich dennoch auf eine anhaltend attraktive Dividendenpolitik einstellen. Covestro wolle weiterhin eine steigende oder zumindest stabile Dividende zahlen, versicherte Konzernchef Thomas, der nach dem überraschenden Rückzug von Frank Lutz derzeit auch Interims-Finanzchef bei Covestro ist.

Die Mittel hierzu sind nach den Prognosen des Unternehmens umfangreich: Covestro rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum auf dem Niveau seiner Abnehmerindustrien, die stärker wachsen sollten als das globale Bruttoinlandsprodukt. Der Konzern geht daher davon aus, auch weiterhin hohe Barmittel erwirtschaften zu können - über die kommenden fünf Jahre dürften sich fünf Milliarden Euro (Free Operating Cash Flow) anhäufen.

Auch die Investitionen in das eigene Geschäft sollen steigen und mittelfristig über der Höhe der Abschreibungen liegen. So will Covestro unter anderem Produktionsengpässe abschalten, gleichzeitig aber das eigene Portfolio breiter aufstellen. Damit soll der Konzern künftig noch unabhängiger von zyklischen Schwankungen werden./tav/jsl/stb

(AWP)