Credit Suisse im Visier von Hedgefonds RBR um Rudolf Bohli - Aktie im Plus

(2. Zusammenfassung mit Schlusskurs der CS-Aktie) - Der aktivistische Hedgefonds RBR um den Investor Rudolf Bohli hat die Grossbank Credit Suisse ins Visier genommen. RBR will nun an einer Investorenkonferenz in den USA von Ende der Woche Vorschläge präsentieren, die unter anderem eine Aufspaltung der Grossbank in mehrere Teile zum Ziel haben, wie ein RBR-Sprecher am Dienstag bestätigte. Der Hedgefonds hält derzeit laut eigenen Angaben einen Anteil zwischen 0,2% und 0,3%. Die CS-Aktien legten am Dienstag deutlich zu.
17.10.2017 17:55

Die Pläne der RBR sehen offenbar vor, die Credit Suisse in drei Teile aufzuspalten: eine Investmentbank, einen Vermögensverwalter und einen Asset-Manager. Eine solche Aufspaltung könne die aktuelle Bewertung der Bank von etwa 40 Mrd CHF verdoppeln, heisst es laut Informationen der "Financial Times" in dem RBR-Plan. Unterstützung erhält Bohlis RBR dabei von Gaël de Boissard, einem ehemaligen Co-CEO der Division Investment Banking, wie die RBR bestätigt.

Man sehe derzeit in der Finanzindustrie, dass fokussierte Unternehmen - wie etwa der Vermögensverwalter Julius Bär - besser abschneiden würden als solche mit einem integrierten Modell, sagte der RBR-Sprecher zu AWP. Der Hedgefonds werbe nun um weitere Investoren, die über RBR einsteigen wollten, man sei aber auch mit bestehenden Aktionären im Gespräch. Die näheren Einzelheiten der Vorschläge wie auch der Zeitplan zum weiteren Vorgehen sollen mit der Präsentation der Pläne durch RBR an der "JPMorgan Robin Hood"-Investorenkonferenz am Freitag publik werden.

Bei der Credit Suisse gab man sich am Dienstag auf AWP-Anfrage zurückhaltend und verwies auf die laufende Restrukturierung der Grossbank. "Wir begrüssen die Sichtweise von jedem unserer Aktionäre, konzentrieren uns aber auf die Umsetzung unserer Strategie und unseres 3-Jahres-Plans", so der CS-Sprecher: "Wir sind mit unserem Plan gut auf Kurs und erwarten, dass er bedeutenden Wert für unsere Kunden und Aktionäre schaffen wird."

GROSSAKTIONÄR HARRIS WEHRT AB

Ablehnende Töne kamen am Dienstag dagegen vom CS-Grossaktionär Harris Associates. Harris-Investmentchef David Herro verwies in Stellungnahmen der Nachrichtenagentur "Bloomberg" und der "Financial Times" nicht zuletzt auf den sehr geringen Aktienanteil von weniger als einem halben Prozent, den RBR einbringe.

Der Plan basiere zudem auf einer sehr hohen Bewertung des Investmentbank-Teils der Credit Suisse. Eine neue "First Boston" würde aber seines Erachtens viel weniger Wert aufweisen als Spezialisten wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley. Der RBR-Plan würde sogar Wert vernichten, wird Herro in der "FT" zitiert. Er verweist zudem auf die Strategie der CS-Führung, die nun erste Früchte zeige: Es wäre "unklug", in diesem Stadium einen neuen Kurs einzuschlagen.

ENGAGEMENTS BEI GAM UND GATEGROUP

Bohli und sein RBR Strategic Value Fonds hatten zuletzt durch ihr Engagement beim Vermögensverwalter GAM und beim Flugzeug-Caterer Gategroup von sich reden gemacht. Bei GAM war der Hedgefonds Anfang des Jahres mit zunächst rund 2,1% des Aktienkapitals eingestiegen und hatte in der Folge Pläne für massive Kosteneinsparungen vorgelegt, aber auch die teilweise Auswechslung des Verwaltungsrats und die Absetzung des CEO gefordert.

Zwar drang der Fonds mit seinen Forderungen bei GAM nicht durch, er erzielte er aber an der Generalversammlung im März 2017 immerhin Erfolge mit der Ablehnung der äusserst grosszügigen Management-Vergütungen. Aus dem Engagement bei GAM verabschiedete sich RBR dann wieder mit einem ordentlichen Gewinn. Auch bei Gategroup war es zu einen Machtkampf zwischen Bohli und dem Verwaltungsrat gekommen; 2016 war das Unternehmen dann von der chinesischen HNA-Gruppe übernommen worden.

ANALYSTEN SKEPTISCH - KURS LEGT ZU

Analysten geben sich in ersten Stellungnahmen nicht zuletzt mit Verweis auf den geringen Anteil von Bohlis RBR skeptisch über die Erfolgsaussichten des aktivistischen Hedgefonds. Immerhin könne dieser aber "den Newsflow beeinflussen", kommentiert die ZKB. Der Bank Vontobel-Analyst glaubt ebenfalls nicht, dass das von Bohli geforderte Modell überlebensfähig wäre, wie er auf Anfrage sagte. Auch glauben die Beobachter nicht, dass die grossen CS-Aktionäre auf den Zug von Bohli aufspringen werden.

Am Aktienmarkt reagierten die CS-Aktien am Dienstag dennoch mit Kursaufschlägen auf den Einstieg von RBR. Zum Handelsschluss standen die Titel in einem insgesamt kaum veränderten Gesamtmarkt (SMI -0,1%) als stärkster Blue Chip 1,2% im Plus auf 15,64 CHF.

tp/

(AWP)