CS-Aktien an Börse nach US-Vergleich etwas volatil mit leicht positivem Unterton

Zürich (awp) - Die Aktien der Credit Suisse sind nach einem Start ganz knapp im Minus in den ersten Handelsminuten klar in positives Territorium vorgerückt, wobei der bisherige Kursverlauf ziemlich volatil ist. Die Schweizer Grossbank hat sich für insgesamt 5,3 Mrd mit dem US-Justizministerium im Hypotheken-Streit geeinigt, wobei sich der Betrag aus einer Zivilbusse von 2,5 Mrd USD und einer über fünf Jahre bezahlbaren Entschädigungszahlung von 2,8 Mrd USD zusammensetzt. In ersten Kommentaren ist von einer zwar teuren Einigung die Rede, die aber bezahlbar sei. Zudem sei die wegfallende Unsicherheit positiv für die Aktie.
23.12.2016 09:51

Das CS-Papier notiert um 09.40 Uhr bei relativ hohen Volumen 0,6% im Plus bei 15,42 CHF (Tageshoch 15,67 CHF, -tief 15,29), dies in einem wenig veränderten Gesamtmarkt.

Der volatile Kursverlauf dürfte auch damit zusammenhängen, dass sich die Finanzmarktteilnehmer nicht ganz einig sind, ob die Busse nun höher oder tiefer als erwartet ausgefallen ist. Die Bank Vontobel etwa begrüsst zwar die Einigung der CS mit den US-Behörden. Für sie ist der Gesamtbetrag allerdings höher ausgefallen als erwartet, schreibt sie in einem Kommentar. Dies vor allem wegen der Zahlungen an die Kreditnehmer, während die Busse als solche im Rahmen der eigenen Schätzungen liege.

PARTEIEN HABEN INTERESSE AN EINIGUNG

Die ZKB ihrerseits spricht von einer Strafzahlung leicht unter den Erwartungen. Sie erachtet die Einigung mit diesen Konditionen als verkraftbar. Die Übereinkunft eliminiere zudem einen wichtigen Unsicherheitsfaktor, meint der zuständige Analyst. Er geht auch davon aus, dass beide Parteien ein grosses Interesse haben, diese Verhandlungslösung so schnell wie möglich zu unterzeichnen. Die CS wolle einen wichtigen Unsicherheitsfaktor beseitigen, die Administration Obama vor ihrer Ablösung so viele juristische Auseinandersetzungen wie möglich abschliessen.

Bei Kepler Equities geht man ebenfalls davon aus, dass die Zahlung für die CS verkraftbar ist. Gemäss den Schätzungen des zuständigen Analysten hätte die Bank Sofortzahlungen von bis zu 4 Mrd USD leisten können, ohne dass dies allzu negative Auswirkungen auf die Kapitalratios gehabt hätte. Die (am Morgen von der CS kommunizierte) 2-Mrd-Rückstellung im vierten Quartal werde die harte Kernkapitalquote (CET1) um ca. 70 Basispunkte auf 11,3% per Ende Jahr (Q3 12,0%) zurückwerfen, so der Kommentar. Die Zahlung an die geschädigten Kunden sei derweil zwar mit einem durchschnittlichen Betrag von jährlich 550 Mio USD unschön, aber ebenfalls verkraftbar.

Insgesamt werde mit der heutigen Einigung jedenfalls der letzte grosse Unsicherheitsfaktor beseitigt, ohne dass weitere Kapitalmassnahmen nötig würden. Insofern sei das Ganze als "good news" zu bezeichnen, meint der Broker weiter, und bestätigt seine Kaufempfehlung mit Kursziel 17,70 CHF. Auch die ZKB bleibt bei ihrer Einstufung 'Übergewichten'.

VONTOBEL MIT TIEFEM KURSZIEL

Weniger optimistisch ist die Bank Vontobel, die den Titel mit der Empfehlung 'Hold' bewertet und ein Kursziel von lediglich 13,20 CHF setzt. Dies vor allem auch, weil die Bank weitere Altlasten zu beseitigen habe.

Im Berufshandel wurde schon seit Wochen darauf spekuliert, dass die Credit Suisse im Hypotheken-Streit mit dem US-Justizministerium noch vor Jahresende eine Einigung anstrebe. Diese Spekulationen hätten sich nun als richtig erwiesen, so heisst es. In Anbetracht der vor wenigen Tagen in der Presse gerüchteweise herumgereichten Vergleichssummen von bis zu 7 Mrd USD falle mit der Einigung ein gewichtiger Unsicherheitsfaktor weg, so lautet dort der Tenor.

uh/ra

(AWP)