CS-Aktien legen nach Zahlen deutlich zu - Kernkapital und Ausblick positiv

Die Aktien der Credit Suisse legen am Dienstag im frühen Handel deutlich zu. Die zweitgrösste Schweizer Bank hat vorbörslich wegen des milliardenschweren Vergleichs mit dem US-Justizministerium zur Beilegung des Hypothekenstreits einen hohen Verlust vermeldet, was allerdings so erwartet wurde. Zudem hat sie die Konsensschätzungen zumindest auf Stufe Vorsteuergewinn übertroffen. Besonders positiv erwähnt wird in Analystenkreisen aber der verhältnismässig zuversichtliche Ausblick sowie die Tatsache, dass die Kapitalratios weniger stark gefallen sind als erwartet.
14.02.2017 10:03

Die CS-Aktien stehen um 09.50 Uhr 2,7% höher bei 15,16 CHF, dies in einem leicht schwächeren Gesamtmarkt (SMI -0,1%). Im bisherigen Tageshoch waren die CS-Titel gar bis auf 15,38 CHF (+4,2%) vorgestossen.

Die harte Kernkapitalquote (CET1) fiel im Zuge des Vergleichs mit dem US-Justizministerium per Ende des Schlussquartals zwar auf 11,6%, Analysten waren allerdings von einem Rückgang bis auf 11,3% ausgegangen. Die Bank Vontobel meint denn auch in einem Kommentar, die Kapitalzahlen seien viel besser als erwartet ausgefallen. Bei Kepler Equities ist hier von starken Zahlen die Rede, und auch die UBS bezeichnet den CET1-Wert als stark bzw. positiv.

Das um die zusätzlich notwendig gewordenen Rechtsrückstellungen und Restrukturierungskosten bereinigte Quartalsergebnis wird in den Expertenkreisen ebenfalls mehrheitlich gelobt. Das gilt insbesondere für das International Wealth Management (IWM), welches beim Vorsteuergewinn deutlich stärker als erwartet zum Gruppenergebnis beitrug. Im Hinblick auf eine mögliche Publikumsöffnung wird auch der überzeugende Ergebnisbeitrag der Universalbank Schweiz begrüsst. Die CS habe anhaltende Fortschritte im Hinblick auf ihre revidierte Strategie gezeigt, bilanziert der zuständige Analyst von Kepler.

Wie der für die Zürcher Kantonalbank tätige Experte schreibt, bieten die kostenseitigen Fortschritte und die etwas höher als erwartet ausgefallenen Erträge den Optimisten, die eher enttäuschende Nettoneugeldentwicklung hingegen den Pessimisten Argumente. Gerade von der Eigenkapitalentwicklung zeigt sich der Analyst jedoch positiv überrascht. Auch seine Berufskollegin von Morgan Stanley spricht von einer positiven Ergebnisüberraschung, verweist gleichzeitig jedoch auf die wenig ambitionierten Markterwartungen.

Positive Erwähnung findet aber der Ausblick. Er lasse auf einen Nettoneugeldzufluss im Januar schliessen, ergänzt Morgan Stanley. Diverse andere Analysten sprechen ebenfalls von einem positiven Ausblick, wobei die UBS etwa die Neugeldzuflüsse in allen WM-Einheiten sowie die gute Entwicklung in IB-Teilbereichen erwähnt. Bei Vontobel ist zumindest von einem "soliden" Handelsgeschäft im Januar die Rede. Allerdings sei dieser Monat gewöhnlich einer der besten Monate im Jahr, relativiert sie gleich wieder.

Marktteilnehmern zufolge galt das Interesse zuletzt vor allem der Frage, ob die Credit Suisse an der Publikumsöffnung der Universalbank Schweiz festhalte oder nicht. Diese Frage scheint allerdings nicht beantwortet. Die Bank verfolge diese Option zwar weiterhin, sagte CEO Tidjane Thiam im Video-Interview mit AWP. Daneben würden aber auch alle anderen für die Aktionäre vorteilhaften Optionen zur Stärkung der Kapitalbasis geprüft.

uh/gab

(AWP)