CS-Aktien nach Einstieg von Investor Bohli deutlich im Plus

Die Aktien der Credit Suisse legen im frühen Handel deutlich zu. Grund ist: Der aktivistische Investor Rudolf Bohli mit seinem Hedgefund RBR Capital ist mit einem kleinen Anteil bei der Grossbank eingestiegen und fordert nun die Aufspaltung in einen Vermögensverwalter, eine Investmentbank und einen Asset Manager. Aufgrund seines nur geringen Anteils von 0,2% am CS-Kapital dürfte Bohli laut Analysten aber Mühe haben, seine Absichten durchzubringen.
17.10.2017 09:54

Die CS-Aktie notiert um 09.45 Uhr 2,1% höher auf 15,79 CHF (Tageshoch 15,83). Die Volumen sind hoch: gehandelt sind mit knapp 4,6 Mio Titeln bereits bald 50% eines durchschnittlichen Tagesvolumens.

"Mit einem 0,2%-Anteil dürfte Bohli eigentlich keine grossen Sprünge machen können, den Newsflow kann er aber trotzdem beeinflussen", kommentiert die ZKB die News. Angesichts der anhaltenden Seitwärtsbewegung der CS-Aktie bleibe das Management der Bank aber unter Druck. Er glaube allerdings nicht, dass es wegen RBR zu grossen Revirements in der Unternehmensstruktur kommen werde, meint der zuständige Analyst.

Andreas Venditti von der Bank Vontobel glaubt nicht, dass das von Bohli geforderte Modell überlebensfähig wäre. Er habe das selber vor einiger Zeit mal durchgerechnet und sei dabei zum Schluss gekommen, dass eine Investmentbank auf sich alleine gestellt keine Zukunft hätte, sagte er gegenüber AWP. Die reinen Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley würden im Gegenteil heute diversifizieren in Richtung Kreditgeschäft und Ausbau des Geschäfts mit vermögenden Kunden. Auch ein reiner Asset Manager wäre für Venditti kaum überlebensfähig.

Ob die grössten CS-Aktionäre wie Qatar Holding, Harris Associate oder Blackrock auf den Zug von Bohli aufspringen werden, muss sich zeigen. Marktteilnehmer gehen eher nicht davon aus. Laut Venditti ist das Aktionariat der CS stark zersplittert, was es für einen aktivistischen Aktionär sehr schwierig mache. Die ganze Aufregung sei eher ein "Medienhype", glaubt der Analyst. Das heisse aber nicht, dass die CS nicht gewisse Dinge verbessern könnte.

Bohli ist bekannt für seine aktivistische Einflussnahme. Anfang Jahr hatte er Schlagzeilen gemacht, indem er beim Fondsmanager GAM eingestiegen war und eine teilweise Auswechslung im Verwaltungsrat sowie die Absetzung des CEO forderte. Dies gelang ihm zwar nicht; immerhin konnte er aber erreichen, dass die bis dahin sehr grosszügigen Kompensationsusancen des Managements einer Überprüfung unterzogen wurden. Aus dem Engagement bei GAM verabschiedete sich RBR dann wieder mit einem ordentlichen Gewinn. Vor GAM war RBR bei Gategroup eingestiegen und hatte den Airline-Caterer später in die Hände der chinesischen HNA-Group getrieben.

uh/tp

(AWP)