CS-CEO betont Langfristigkeit seiner Strategie - Kein Kapitalproblem

(Mit weiteren Angaben ergänzt)
10.07.2016 16:07

Bern (awp/sda) - CS-Chef Tidjane Thiam sieht Fortschritte beim Umbau der Grossbank. Angesichts des abgesackten Aktienkurses mahnt er die Anleger aber zur Geduld: Erst eines von zwölf Quartalen der Restrukturierung sei vorbei, der volle Nutzen werde sich erst später zeigen.

Er habe "keine komfortable Lage" vorgefunden, als er angefangen habe, sagte Thiam im Interview mit der "NZZ am Sonntag". "Ende September 2015 hatten wir im Schnitt deutlich mehr Handelsrisiken als andere europäische Banken, jedoch signifikant weniger Eigenkapital". Seither sei das Kapital erhöht und die Risiken abgebaut worden, letztere im ersten Quartal um fast 30%.

Das Programm zur Reduktion des Handelsgeschäfts sei im zweiten Quartal beschleunigt worden, meinte er weiter. "Wären die Märkte in besserer Verfassung gewesen, hätten wir dies schneller tun können."

Zum gesunkenen Aktienkurs - seit Thiams Amtsantritt hat die CS-Aktie fast 60% ihres Werts verloren - zeigt er sich stoisch: "Wir zielen nicht darauf ab, kurzfristig den Aktienkurs zu beeinflussen, sondern arbeiten an der Umsetzung unserer langfristigen Strategie, um im Laufe der Zeit Mehrwert für die Aktionäre zu erzielen."

Für den Kurseinbruch sind laut dem Franko-Ivorer teilweise auch Spekulanten verantwortlich: "Immer, wenn ein Unternehmen restrukturiert, setzen spekulative Anleger auf einen sinkenden Aktienkurs", sagte er. Der heutige Aktienkurs sei auch deshalb kein guter Indikator für die Befindlichkeit der Bank. "Ich bin überzeugt, dass sich der Aktienkurs erholen wird, sobald wir Resultate liefern."

REDUKTION DES HANDELSGESCHÄFTS BESCHLEUNIGT

Thiam konstatiert "Fortschritte in verschiedenen Bereichen": Er hebt die Senkung der Kosten hervor. In der Vermögensverwaltung, auf die sich die CS unter Thiam zu Lasten des Investmentbankings stärker konzentrieren soll, habe zudem der Vorsteuergewinn im ersten Quartal trotz schwierigem Umfeld bei 1 Mrd CHF gelegen.

Für den Umbau der Bank, die er von seinem Vorgänger Brady Dougan übernommen hat, reklamiert Thiam aber noch Zeit: "Die Bank hat sich jahrelang in eine bestimmte Richtung bewegt, und jetzt brauchen wir mehrere Quartale, die Richtung wieder zu korrigieren."

Die Investmentbanker würden die Strategie verstehen, "auch wenn es ein schmerzhafter Weg ist", so Thiam weiter: "Sie müssen den Handel mit weniger Kapital betreiben, sie können nicht so viel handeln wie zuvor - und müssen zudem gleichzeitig noch die Kosten senken."

HABEN KUNDEN GELD ABGEZOGEN?

Nicht eingehen wollte Thiam auf die Frage, ob Kunden in jüngster Zeit bei der CS Geld abgezogen hätten. Er bekräftigte aber, dass die Bank angesichts abgebauter Risiken "heute sicherer als je zuvor" sei. "Der Aktienkurs darf nicht verwechselt werden mit der Sicherheit der Bank und der Solidität unserer Bilanz." Es gebe "kein Kapitalproblem bei der Credit Suisse. "Es besteht kein Zweifel, dass wir bis Ende 2019 sämtliche Vorgaben beim Eigenkapital erfüllen werden", so der CEO weiter.

An den ambitionierten Gewinnzielen will der Konzernchef im Übrigen nicht rütteln. "Wir wollen eine sichere Bank sein, aber auch eine ambitionierte Bank." Die Schweizer Einheit bezeichnete er dabei als "Kronjuwel"; er spüre auch Interesse von Anlegern für den geplanten Börsengang der Schweiz-Tochter.

UNTERSTÜTZUNG VON ERMOTTI

Schützenhilfe erhielt Thiam von seinem Amtskollegen bei der UBS, Sergio Ermotti: Er halte die Kritik an der CS für übertrieben, sagte er im Interview mit der "SonntagsZeitung". "Vom neuen Konzernchef erwartet man viel zu schnell Resultate und vergisst dabei, dass die Umsetzung einer neuen Strategie eine langwierige Sache ist - vor allem, wenn die Märkte, wie gegenwärtig, verrücktspielen."

Es seien "brutale Zeiten, es hat sich ein ziemlicher Sturm zusammengebraut", sagte der UBS-Chef in einer allgemeinen Einschätzung. Er halte es für eher wahrscheinlich, dass sich das allgemeine Kursniveau an den Börsen nach unten korrigiere, als dass sich die Bankenaktien erholten.

Die schlechte Börsenkapitalisierung der Banken widerspiegle die allgemeine wirtschaftliche Lage. "Die Krise der EU zum Beispiel kann in der Wirtschaft über Jahre eine lähmende Unsicherheit verbreiten", sagte der Tessiner. Eine Wiederholung der Finanzkrise von 2008 erwartet Ermotti aber nicht: "Dazu haben die Banken heutzutage zu starke Eigenkapitalpuffer".

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(AWP)