CS erleidet wegen Abschreiber für US-Steuerreform dritten Jahresverlust in Folge

(Ergänzt mit weiteren Details) - Die Credit Suisse hat im vierten Quartal 2017 einen Milliardenverlust erlitten. Der Grund dafür sind hohe Wertberichtigungen wegen der US-Steuerreform von Donald Trump. Im operativen Geschäft schlug sich die zweitgrösste Schweizer Bank im Rahmen der Erwartungen. Bezüglich Kosten und Strategie sieht sich das Management derweil auf Kurs. Etwas vorsichtig gibt sich die Bankführung in Bezug auf das das laufende Jahr. Die marktnahen Bereiche seien "sehr gut" gestartet, heisst es immerhin.
14.02.2018 08:26

Unter dem Strich ergab sich laut Mitteilung vom Mittwoch im Berichtsquartal ein Reinverlust von 2,13 Mrd CHF, wobei die CS (wie schon bekannt) einen Abschreiber von 2,3 Mrd CHF wegen der Steuerreform verbucht hatte. Bereits im Vorjahr hatte die Bank im vierten Quartal - damals wegen einer hohen Busse - tiefrote Zahlen geschrieben.

WM-AKTIVITÄTEN STEIGERN ERGEBNIS

Auf Vorsteuerebene, wo sich die US-Steuerreform nicht auswirkt, sieht es besser aus: hier hat die Bank mit 141 Mio CHF gerade noch knapp schwarze Zahlen geschafft. Treiber waren dabei vor allem das Geschäft in der Schweiz sowie das Internationale Wealth Management und das Asiengeschäft. Weniger gut lief es im Handelsgeschäft (Global Markets), wo ein Vorsteuerverlust anfiel.

Die CS sieht aus der US-Steuerreform aber auch positive Aspekte: Der niedrigere Steuersatz soll sich mit 100 Basispunkten positiv auf das materielle Eigenkapital (RoTE) auswirken, zudem erhofft sie sich eine Belebung des Geschäftes durch die Reform.

BARDIVIDENDE

Wegen des schwachen vierten Quartals muss die Grossbank auch für das Gesamtjahr 2017 einen Verlust ausweisen. Immerhin waren es mit 983 Mio CHF deutlich weniger als 2016 (-2,71 Mrd). Insgesamt fielen die Zahlen leicht besser aus als der AWP-Konsens.

Der Verwaltungsrat schlägt den Aktionären die Ausschüttung einer Dividende von 0,25 CHF vor. Dies ist deutlich weniger als in den Vorjahren, dafür wird der ganze Betrag in bar bezahlt. Die 0,25 CHF entsprächen in etwa der Barkomponente, welche die Aktionäre in den letzten Jahren gewählt hätten, heisst es. Ausserdem bestätigte sie, dass in Zukunft 50% des Gewinns an die Aktionäre gehen soll.

Wie üblich, wird das Ergebnis um diverse Sonderfaktoren entschlackt. So ergibt sich denn auf bereinigter Stufe ein Vorsteuergewinn für das Gesamtjahr 2017 von 2,8 Mrd CHF. Entsprechend zufrieden zeigt sich CEO Tidjane Thiam. "2017 war für die Umsetzung unseres dreijährigen Restrukturierungsplans ein entscheidendes Jahr", lässt er sich in der Mitteilung zitieren. Die im Jahre 2015 definierte Strategie habe sich bewährt.

Etwas geschwächelt hat im vierten Quartal der für das Vermögensverwaltungsgeschäft zentrale Neugeldzufluss: Den Kerndivisionen flossen in der Periode von Oktober bis Dezember netto Gelder in Höhe von 4,0 Mrd CHF zu verglichen mit 10,4 Mrd im dritten Quartal. Auf das Gesamtjahr sieht es entsprechend besser aus: Die CS verzeichnete einen Anstieg gegenüber 2016 von 27% auf 37,2 Mrd CHF.

Die verwalteten Vermögen der gesamten Bank wurden per Ende Jahr mit 1'376 Mrd CHF ausgewiesen und lagen damit etwas über den 1'345 Mrd von Ende September.

KAPITALQUOTE GESUNKEN

Etwas schwächer präsentiert sich die Kapitalposition der Bank. Die harte Kernkapitalquote (CET1, look-through) sank im vierten Quartal auf 12,8% von 13,2% per Ende drittes Quartal. Begründet wird dies mit einem Anstieg der operationellen Risiken bei den risikogewichteten Aktiven im zweiten Halbjahr 2017. Die alten Ziele (Kernkapitalquote über 12,5% für 2018 bis 2020) wurden derweil bestätigt.

Bekanntlich ist Kostenreduktion bei den meisten Grossbanken ein wichtiges Thema - so auch bei der Credit Suisse. Das Ziel das Gesamtjahr 2017 sei erreicht worden, heisst es. Die bereinigte operative Kostenbasis im vergangenen Jahr wird mit 17,7 Mrd CHF angegeben (18,0 Mrd zu konstanten Wechselkursen). Die Netto-Kosteneinsparungen über zwei Jahre betrugen 3,6 Mrd CHF bzw. 3,2 CHF zu konstanten Wechselkursen, allein im 2017 waren es 1,4 Mrd.

JAHR GUT BEGONNEN

Das neue Jahr hat für die marktabhängigen Geschäftsbereiche wie auch für die Wealth Management-Aktivitäten gut begonnen. In den ersten sechs Wochen 2018 sei der geschätzte Nettoertrag gegenüber dem Vorjahr in der Division Global Markets um über 10% und bei APAC Markets um über 15% gestiegen, wobei die Bereiche Aktienderivate, verbriefte Produkte und ITS eine deutliche Outperformance verzeichnet hätten.

Trotz des guten Startes sieht die CS verschiedene Unsicherheitsfaktoren für die marktabhängigen Geschäftsbereiche: Dazu zählen beispielsweise geopolitische Entwicklungen sowie Verlauf und Tempo der Zinsänderungen in den wichtigen Volkswirtschaften.

Deutlich zugenommen habe in den ersten sechs Wochen die Marktvolatilität. Dies wirke sich positiv auf die Aktivitäten der Bank am Sekundärmarkt aus, beeinträchtige dagegen aber das Primärmarktgeschäft, da die Kunden Transaktionen bevorzugt in ruhigeren Marktphasen abschliessen und daher abwarten.

Insgesamt gibt sich die Bank mit Blick nach vorne zurückhaltend. Angesichts der erhöhten Volatilität schätze sie die kurzfristigen Aussichten vorsichtig ein, so die Mitteilung der CS.

NEUE VERWALTUNGSRÄTE

An der kommenden Generalversammlung tritt der langjährige Verwaltungsrat Richard E. Thornburgh zurück. Als neue Mitglieder des Gremiums werden den Aktionären Michael Klein, ehemaliger Chairman und Co-CEO Markets & Banking bei Citigroup, sowie die Finanz- und Strategieexpertin Ana Paula Pessoa vorgeschlagen.

uh/gab

(AWP)