CS erleidet wegen Abschreiber für US-Steuerreform hohen Verlust

Die Credit Suisse hat im vierten Quartal 2017 einen Milliardenverlust erlitten. Der Grund dafür sind hohe Wertberichtigungen wegen der US-Steuerreform von Donald Trump. Im operativen Geschäft schlug sich die Bank im Rahmen der Erwartungen. Für das laufende Jahr gibt sich die Bankleitung etwas verhalten. Die marktnahen Bereiche seien aber "sehr gut" gestartet, heisst es.
14.02.2018 07:25

Unter dem Strich ergab sich im Berichtsquartal ein Reinverlust von 2,13 Mrd CHF. Bereits im Vorjahr hatte die Bank im vierten Quartal - damals wegen einer hohen Busse für den Verkauf fauler Hypothekenpapiere - mit -2,62 Mrd CHF tiefrote Zahlen geschrieben. Auf Vorsteuerebene, wo sich die US-Steuerreform nicht auswirkt, sieht es laut Mitteilung vom Mittwoch etwas besser aus: hier hat die Bank mit 141 Mio CHF gerade noch knapp schwarze Zahlen geschafft.

Wegen des schwachen vierten Quartals muss die Grossbank auch für das Gesamtjahr 2017 einen Verlust ausweisen. Immerhin waren es mit 983 Mio CHF deutlich weniger als 2016 (-2,71 Mrd). Der Verwaltungsrat schlägt den Aktionären aufgrund der Zahlen eine Dividende von 0,25 CHF in bar vor, im Vorjahr waren 0,70 CHF gewesen, allerdings in bar oder Aktien.

PROGNOSEN LEICHT ÜBERTROFFEN

Praktisch gleich hoch wie im Vorjahr fielen im Berichtsquartal mit 5,19 Mrd CHF die gesamten Erträge aus. Der Geschäftsaufwand wird mit 5,01 Mrd CHF angegeben

CEO Tidjane Thiam zeigt sich zufrieden in der Mitteilung: "2017 war für die Umsetzung unseres dreijährigen Restrukturierungsplans ein entscheidendes Jahr. Aufbauend auf der tiefgreifenden Restrukturierung und Reorganisation....haben wir unter Beweis gestellt, dass unsere neue Struktur effektiv ist und sich unsere im Jahr 2015 definierte Strategie bewährt hat."

Mit den Zahlen zum vierten Quartal wurden die Prognosen der Analysten leicht übertroffen. Gemäss AWP-Konsens prognostizierten die Experten einen Konzernverlust von 2,23 Mrd, einen Vorsteuergewinn von 133 Mio sowie Erträge von 5,05 Mrd CHF.

Den Kerndivisionen flossen in der Periode von Oktober bis Dezember Nettoneugelder in Höhe von 4,0 Mrd CHF zu verglichen mit 10,4 Mrd im dritten Quartal. Und die verwalteten Vermögen wurden per Ende Jahr mit 1'376 Mrd CHF ausgewiesen und lagen damit etwas über den 1'345 Mrd von Ende September.

Etwas schwächer präsentiert sich die Kapitalposition der Bank. Die harte Kernkapitalquote (CET1, look-through) sank per Ende Quartal auf 12,8% von 13,2% per Ende drittes Quartal. Die CET1-Leverage Ratio lag zum Jahresende unverändert bei 3,8%.

Bekanntlich ist Kostenreduktion bei den meisten Grossbanken ein wichtiges Thema - so auch bei der Credit Suisse. Das Ziel das Gesamtjahr 2017 sei erreicht worden, hiess es. Die bereinigte operative Kostenbasis im vergangenen Jahr wird mit 17,7 Mrd CHF angegeben (18,0 Mrd zu konstanten Wechselkursen). Die Netto-Kosteneinsparungen über zwei Jahre betrugen 3,6 Mrd CHF bzw. 3,2 CHF zu konstanten Wechselkursen.

JAHR GUT BEGONNEN

Das neue Jahr hat für die marktabhängigen Geschäftsbereiche gut begonnen. In den ersten sechs Wochen 2018 sei der geschätzte Nettoertrag gegenüber dem Vorjahr in der Division Global Markets um über 10% und bei APAC Markets um über 15% gestiegen, wobei die Bereiche Aktienderivate, verbriefte Produkte und ITS eine deutliche Outperformance verzeichnet hätten.

Trotz des guten Startes sieht die CS verschiedene Unsicherheitsfaktoren für die marktabhängigen Geschäftsbereiche: Dazu zählen beispielsweise geopolitische Entwicklungen sowie Verlauf und Tempo der Zinsänderungen in den wichtigen Volkswirtschaften.

Deutlich zugenommen habe in den ersten sechs Wochen die Marktvolatilität. Dies wirke sich positiv auf die Aktivitäten der Bank am Sekundärmarkt aus, beeinträchtige dagegen aber das Primärmarktgeschäft, da die Kunden Transaktionen bevorzugt in ruhigeren Marktphasen abschliessen und daher abwarten.

Insgesamt gibt sich die Bank mit Blick nach vorne zurückhaltend. Angesichts der erhöhten Volatilität schätze sie die kurzfristigen Aussichten vorsichtig ein, so die Mitteilung der CS.

An der kommenden Generalversammlung tritt der langjährige Verwaltungsrat Richard E. Thornburgh zurück. Als neue Mitglieder des Gremiums werden den Aktionären Michael Klein, ehemaliger Chairman und Co-CEO Markets & Banking bei Citigroup, sowie die Finanz- und Strategieexpertin Ana Paula Pessoa vorgeschlagen.

uh/gab

(AWP)