CS-Grossaktionär Harris: Bank sollte das IPO der Schweiz-Einheit überdenken

Der CS-Grossaktionär Harris Associates fordert vom Verwaltungsrat, den Teil-Börsengang der Schweiz-Tochter nochmals zu prüfen. "Aus heutiger Sicht meine ich, dass Credit Suisse das IPO überdenken sollte", sagte David Herro, Chefinvestor des Fondsmanagers Harris Associates, im Interview mit "Finanz und Wirtschaft" (online) am Dienstag.
21.02.2017 17:14

Er kenne zwar nicht alle Informationen, die dem Verwaltungsrat vorliegen. Die Argumente für das Listing seien heute aber weniger überzeugend als im Herbst 2015, als der Plan ausgearbeitet worden ist. "Damals erschien das als clevere Idee." Kaum jemand bestreite jedoch, dass sich die Situation verändert habe.

Er hoffe, dass der Verwaltungsrat diese Fakten berücksichtigt. Letztlich müsse dieser sich fragen, wie man auf mittlere bis lange Sicht am meisten Wert schaffen kann. "Ist es sinnvoll, kurzfristig über etwas mehr Kapital zu verfügen und dafür die Kontrolle über ein attraktives Geschäft zu einem gewissen Grad abzugeben, indem man einen Teil zu einem tiefen Preis verkauft? Oder ist es besser, das Schweizer Geschäft zu behalten, zumal die grössten Probleme in Sachen Eigenkapital wohl hinter uns sind?"

Immerhin sei die Schweizer Einheit mit einer Rendite von rund 14% auf dem eingesetzten Kapital ein sehr solides Geschäft. "Es wird gut geführt und hat ein hervorragendes Renommee."

CEO Tidjane Thiam hatte anlässlich der Zahlenvorlage zum Geschäftsjahr 2016 Mitte Februar gesagt, dass die Vorbereitungen für das IPO von 20 bis 30% der Credit Suisse Schweiz AG in der zweiten Jahreshälfte 2017 auf Kurs seien. Allerdings betonte er auch, dass alle Optionen geprüft würden.

KAPITALERHÖHUNG WÄRE GROSSER FEHLER

Eine mögliche Kapitalerhöhung sieht Herro indes ebenfalls skeptisch. Der Aktienkurs habe sich seit dem Tief im vergangenen Sommer zwar erholt, mache aber nach wie vor lediglich 70 bis 75% des Buchwerts aus. Die Titel seien aus seiner Sicht also extrem unterbewertet. "Es wäre deshalb ein grosser Fehler, auf diesem Niveau neue Aktien zu begeben, ohne dass es unbedingt nötig ist", so Herro. "Dass wir weiterhin vom Potenzial der Titel überzeugt sind, macht unsere Beteiligung von gesamthaft rund 7,5% deutlich."

In diesem Zusammenhang könne er wenig dazu sagen, wieso der Staatsfonds von Katar als grösster Investor aus dem Verwaltungsrat der CS austritt. Er kenne die Investoren aus Katar kaum. "Offensichtlich müssen sie aber kaum mehr Bedenken zu ihrem Investment haben, denn einen Sitz im Verwaltungsrat gibt man nicht einfach so preis."

Mit Blick auf die Restrukturierung sieht er die Grossbank auf gutem Weg: Thiam habe die richtigen Massnahmen getroffen, um das Kapital dort einzusetzen, wo es am meisten Ertrag erwirtschaftet. "Einen Tanker wie Credit Suisse in die Gegenrichtung zu drehen, braucht Zeit, besonders wenn die See so stürmisch ist wie in den letzten Jahren", sagte er zudem angesichts des erneut milliardenschweren Verlusts 2016.

Die CS mache in allen Punkten grosse Fortschritte. "Das werden wir bald in Resultaten sehen, die nicht mehr durch Sondereffekte verzerrt sind."

ys/uh

(AWP)