CS plant Kapitalerhöhung statt Teil-IPO - Quartalsgewinn über Erwartungen

(Zusammenfassung mit Schlusskurs) - Die Credit Suisse hat ihre ursprünglichen Pläne zur Stärkung der Kapitalbasis überarbeitet. Anstatt des partiellen Börsengangs der Schweizer Bank (SUB) ist nun eine Kapitalerhöhung im Umfang von rund 4 Mrd CHF vorgesehen. Darüber sollen die Aktionäre schon im nächsten Monat abstimmen. Die gleichentags veröffentlichten Quartalszahlen lagen derweil über den Schätzungen, wobei der Ausblick für das zweite Quartal vorsichtig bleibt. Alles in allem wurden die News am Markt aber positiv aufgenommen.
26.04.2017 17:58

Ursprünglich wollte die Grossbank das Schweizer Geschäft im zweiten Halbjahr 2017 teilweise an die Börse bringen. Der Verwaltungsrat hat jetzt jedoch entschieden, auf einen Börsengang zugunsten einer Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht zu verzichten, wie die CS am Mittwoch mitteilte.

Die Grossbank begründete den Entscheid mit dem Hinweis auf eine grössere finanzielle Flexibilität. "Die Kapitalerhöhung erlaubt uns, weiter in attraktive Wachstumsfelder zu investieren, unsere Bilanz zu stärken und die Restrukturierungspläne umzusetzen", sagte CEO Thiam. Das Ergebnis des ersten Quartals 2017 habe bewiesen, dass die Bank nachhaltig profitabel wachsen könne.

IPO-ABSAGE KOMMT NICHT ÜBERRASCHEND

Von einer Kehrtwende der Strategie wollte CS-CEO Tidjane Thiam nichts wissen. Die nun angekündigte Kapitalerhöhung sei der letzte Schritt im bereits 2015 dargelegten Plan zur Stärkung der Kapitalbasis, machte er an einer Telefonkonferenz für Medien klar. Er gab sich aufgrund des bisherigen Feedbacks seitens Investoren auch zuversichtlich, dass die grossen Aktionäre an der Kapitalerhöhung partizipieren werden.

Ganz überraschend kommt die Absage des IPO ohnehin nicht, nachdem die Bank die ursprünglichen Pläne zuletzt nur noch als eine mögliche Option zur Kapitalstärkung bezeichnet hatte. Auch grosse Aktionäre hatten sich zum Teil kritisch geäussert. So stellte sich etwa die US-Investmentgesellschaft Harris Associates, die mit einem Anteil von rund 7,5% der drittgrösste CS-Aktionär ist, gegen den geplanten Börsengang.

IM RAHMEN DER KONURRENZ

Im Detail sieht die Kapitalerhöhung, die laut CS von einem Banksyndikat vollständig gezeichnet ist, so aus: Knapp 380 Mio neue Aktien sollen den bisherigen Aktionären angeboten werden. Jeder Aktionär erhält pro Aktie ein Kaufrecht, wobei 11 solche Rechte zum Kauf von 2 neuen Aktien zum Preis von 10,80 CHF berechtigen. Am (gestrigen) Dienstag hatten die CS-Titel bei 15,30 CHF geschlossen. Die für die Kapitalerhöhung notwendige ausserordentliche Generalversammlung wird am 18. Mai 2017 stattfinden.

Die rund 4 Mrd CHF, welche die Bank einnehmen wird, sollen das harte Kapitalpolster (CET1 vollständig umgesetzt) auf 13,4% von aktuell 11,7% anheben. Damit dürften nach Meinung von Finanzchefs David Mathers weitere Diskussionen um die ungenügende Kapitalisierung der Bank obsolet sein. Mit den Kapitalquoten nach der Kapitalerhöhung liege man im Rahmen der internationalen Konkurrenz und erfülle alle gesetzlichen Vorgaben. Die UBS, die als eine der bestkapitalisierten Grossbanken weltweit gilt, wies zuletzt eine CET1-Quote von 13,8% aus (Ende 2016).

GEWINN ÜBER ERWARTUNGEN

Aufgrund der News zur Kapitalerhöhung gerieten die Quartalszahlen, die gleichzeitig veröffentlichten wurden, etwas in den Hintergrund. Geschäftlich lief es der Grossbank im ersten Jahresviertel nämlich deutlich besser als in den Vorquartalen. Mit 596 Mio CHF schrieb die Bank jedenfalls einen deutlich über den Erwartungen liegenden Gewinn, auf Vorsteuerebene waren es 670 Mio CHF.

Im Vorjahresquartal, das das schlechteste erste Quartal der Bank seit der Finanzkrise war, hatte noch ein Verlust von 302 Mio CHF resultiert. Und im Vorquartal war die Bank aufgrund des milliardenschweren Vergleichs im Falle der faulen Hypothekenpapiere in den USA mit einem Verlust von 2,62 Mrd gar massiv ins Minus gerutscht.

Die Steigerung wurde allerdings zu einem guten Teil auch dank geringeren Verlusten in den Geschäftsfeldern erreicht, aus der die Bank aussteigen will. So reduzierte sich das Vorsteuer-Minus der so genannten Strategic Resolution Unit auf 539 Mio von 1,25 Mrd CHF. Gemäss CFO Mathers ist die Bank beim Runterfahren dieser Unit auch deutlich schneller unterwegs als ursprünglich geplant.

Aber auch geschäftlich verbesserte sich die Bank. Der Vorsteuergewinn stieg im Kerngeschäft auf 1,21 Mrd von 769 Mio CHF, wobei sich die Grossbank in den zwei Investmentbanking-Segmenten deutlich steigern konnte. Im eigentlichen Kerngeschäft, der Vermögensverwaltung, musste die Credit Suisse jedoch beim Gewinn Rückschläge hinnehmen. So sank der Vorsteuergewinn sowohl in der internationalen Vermögensverwaltung wie auch bei der Schweiz- und der Asien-Bank. Bei der Schweiz-Bank und der internationalen Vermögensverwaltung sind dafür jedoch Sonderkosten verantwortlich.

KOSTENSENKUNGEN IM PLAN

Die Bank arbeitete im ersten Jahresviertel aber nicht nur profitabel, sonder zog auch viel neues Geld an. Im Bereich Wealth Management waren es Nettoneugelder von 12,0 Mrd CHF, was einem Plus von 24% im Jahresvergleich entspricht.

Aber nicht nur die Einnahmeseite, sondern auch die Kostenseite ist bei der CS seit längerem verstärkt im Fokus. So wurden im ersten Quartal 250 Mio an Kosteneinsparungen erzielt und rund 1'400 Stellen gestrichen, im Gesamtjahr sollen insgesamt mehr als 5'500 Stellen abgebaut werden. Die CS sieht sich damit gut auf Kurs, das für 2017 angestrebte Ziel einer Kostenbasis von unter 18,5 Mrd CHF zu erreichen.

Für den weiteren Jahresverlauf gibt sich die Bank derweil alles andere als euphorisch. In den ersten Wochen des zweiten Quartales habe es zwar weitere Nettoneugeld-Zuflüsse gegeben. Allerdings habe die politische Unsicherheit bei den Klienten zu einer gewissen Zurückhaltung geführt, hiess es.

Insgesamt wurden die News von Marktteilnehmern aber gut aufgenommen. Die CS-Aktie startete zwar im Minus, erholte sich aber schnell und stand zum Handelsschluss 2,7% höher bei 15,71 CHF, dies in einem festeren Gesamtmarkt (SMI +0,63%).

uh/gab

(AWP)