CS Schweiz-Chef: Einsparungen auf Kurs - Stellenabbau zu zwei Dritteln umgesetzt

Die Grossbank Credit Suisse sieht sich mit ihren Kosteneinsparungen im Schweizer Geschäft auf Kurs. Die CS habe im Jahr 2015 angekündigt, dass etwa jede zehnte der 17'000 Stellen von den Massnahmen betroffen sei. "Ich würde sagen, zwei Drittel des Wegs sind heute absolviert.", sagte CS-Schweiz-Chef Thomas Gottstein in einem Interview in der "Basler Zeitung" vom Dienstag. Die CS Schweiz wolle jedes Jahr 3% effizienter werden - das seien Kosteneinsparungen von netto rund 100 Mio CHF pro Jahr, so Gottstein.
18.07.2017 11:10

Insgesamt sieht Gottstein die CS Schweiz auf Kurs. "Wir haben fünf Quartale hintereinander den Vorsteuergewinn steigern können. Das scheint uns zurzeit niemand nachzumachen." Die Nettoneugelder hätten sich im ersten Quartal "erfreulich" entwickelt und im Bereich Digitalisierung habe die Bank wichtige Fortschritte gemacht.

Beim Vorsteuergewinn sei die CS Schweiz zwischen 2014 und 2016 von 1,5 auf 1,74 Mrd CHF Franken gewachsen, betonte der CS Schweiz-CEO. "Unser Ziel ist, dieses Wachstum weiterzuziehen." Vorgabe von Konzernchef Tidjane Thiam ist ein Vorsteuergewinn von 2,3 Mrd CHF. Allerdings könne die CS Schweiz das Wachstum nicht nur selber steuern, es sei auch "stark von den Märkten abhängig", sagte Gottstein.

INTERESSE AN ZUKÄUFEN

An Zukäufen habe die CS Schweiz Interesse, diese seien aber "keine zwingende Bedingung". "Wir sind bereit, falls sich eine Möglichkeit ergibt, auch im Bereich der Fintechs", so Gottstein. Bei den Fintechs würde es allerdings darum gehen, technologisch weiterzukommen. "Wir erleben momentan in unserer Branche, dass unglaublich viele neue Technologien entwickelt werden. Für uns gibt es dann immer die Frage: make or buy?"

Kunden erledigten ihre Bankgeschäfte immer häufiger über die digitalen Kanäle, erinnerte Gottstein. Die Credit-Suisse-Filialen registrierten deshalb jedes Jahr 5 bis 8% weniger Kundenfrequenz. Vorläufig wolle die CS aber Filialschliessungen in "bescheidenem Rahmen" halten. "Wir wollen in den Regionen präsent sein." Langfristig zuverlässige Aussagen zu treffen, sei aber schwierig.

IPO-ABSAGE RICHTIGER ENTSCHEID

Gute Miene macht Gottstein zum abgeblasenen Börsengang der CS Schweiz: "Es war der richtige Entscheid." Überhaupt sei der Börsengang nie das primäre Ziel gewesen. Zudem habe man viele Vorbereitungsschritte, wie etwa die Gründung der Credit Suisse Schweiz AG, "sowieso machen" müssen. "Unter dem Strich gab es relativ wenig zusätzliche Kosten und Aufwände." Allerdings hätten die Teams, die an der Vorbereitung gearbeitet hatten, dies "natürlich zuerst verdauen" müssen, räumte er ein.

Die Einigung im Dezember 2016 im US-Hypothekenstreit habe dann "neue Möglichkeiten in der Kapitalplanung" eröffnet. "In den folgenden Gesprächen mit unseren Investoren zeigte sich, dass praktisch alle nun eine Kapitalerhöhung bevorzugten." Ein IPO hätte auch Nachteile gehabt: eine Gewinnverwässerung und hohe Komplexität, räumte er ein.

tp/rw

(AWP)