CS senkt Gewinnziele und baut Sparprogramm aus

(Durchgehend neu und ergänzt um mehr Details)
07.12.2016 08:53

Zürich (awp) - Die Credit Suisse hat die vor einem Jahr beschlossene Strategie nicht über den Haufen geworfen, aber einige Mittelfristziele angepasst. Bereits im März war die Restrukturierung erstmals beschleunigt worden. Jetzt werden erneut mehr Kosteneinsparungen angepeilt, und die Gewinnziele in Bereichen des Investment Banking werden angesichts des schwierigen Marktumfelds gesenkt. Die Ambitionen bleiben jedoch hoch, und das Management gibt sich nach wie vor absolut überzeugt von der Strategie.

Für die Bereiche, die am meisten von tieferem Handelsvolumen und geringerer Marktaktivität betroffen sind, wurden die Ziele bis 2018 nach unten angepasst, heisst es in einer Mitteilung anlässlich des am (heutigen) Mittwoch in London anstehenden Investorentags. Die Ziele für die Geschäftsfelder der Vermögensverwaltung sowie die Renditeziele (return targets) für Global Markets (GM) werden dagegen bestätigt.

Konkret wurde der bis 2018 angepeilte Vorsteuergewinn für die Schweizer Bank (SUB) bei 2,3 Mrd CHF belassen - entgegen der Vermutungen, die teilweise im Vorfeld am Markt kursierten. Für Asia Pacific (APAC) sank das Ziel indes auf 1,6 Mrd CHF nach 2,1 Mrd und für International Wealth Management (IWM) auf 1,8 Mrd CHF nach 2,1 Mrd.

Dies spiegle für APAC ein langsameres Wachstum im Marktumfeld. APAC bleibe aber nach wie vor eine Priorität und Hauptfokus der Gruppe, wobei bekanntlich das Geschäft mit den Superreichen und den Unternehmer-Kunden gesteigert werden soll. Neu werde zudem ein Effizienzprogramm geplant. Die Anpassung in IWM widerspiegle tiefere Performance Fees im Asset Management.

ZUFRIEDEN MIT GM-ABBAU

Für Global Markets (GM) wurde das Renditeziel von 10-15% (return on regulatory capital) bis 2018 bestätigt. Im wesentlichen sei die "richtige" Dimensionierung der Handelsaktivitäten abgeschlossen, heisst es. Die Risiken sowie die Inanspruchnahme von Kapital seien reduziert worden, während selektiv investiert wurde, um auch gewisses Geschäft in Aktien und Fixed Income zu bewahren. Es sei hart gearbeitet worden, um die Marktanteile in diesem Jahr der Restrukturierung zu verteidigen.

Angepasst wird die Guidance für die Abwicklungseinheit (Strategic Resolution Unit, SRU). Das Leverage Exposure sei rapide abgebaut worden um 51 Mrd USD im Vergleich zu Ende 2015. Die RWA sanken um 19 Mrd USD. Die Kosten des Abbaus lagen bei 1% der RWA und damit tiefer als in der langfristigen Guidance von 2-5%. Ziel sei es, den Vorsteuerverlust bis Ende 2019 auf rund 800 Mio USD zu reduzieren, und die Inanspruchnahme von Kapital um rund 80% zu verringern. Die RWA in der Abwicklungseinheit sollen bis 2019 derweil auf rund 30 Mrd USD sinken.

KOSTEN VOR ERTRÄGEN

Nachdem der Kostensenkungsplan im März bereits ausgeweitet worden war, wird am Mittwoch noch eine Schippe draufgelegt: Das bis 2018 angestrebte operative Kostendach wird neu auf unter 17 Mrd CHF beziffert, bislang galt als Zielwert unter 18 Mrd. Das Ziel der Netto-Einsparungen wird gleichzeitig auf über 4,2 Mrd CHF angehoben, hier hatte bisher ein Wert von über 3,2 Mrd gegolten.

Angesichts der Marktbedingungen, die dem Geschäft nicht helfen würden, seien die Ziele nun mehr auf die Umsetzung der Kostenmassnahmen konzentriert, heisst es. Über diese habe man mehr Kontrolle als über Ertragswachstum. Die Bank solle so widerstandsfähiger werden und mehr Aufwärtspotential haben, wenn sich die Marktbedingungen wieder verbessern.

Die Sparbemühungen im Geschäftsjahr 2016 haben bisher signifikante Fortschritte gebracht und die operative Kostenbasis reduziert. Das Ziel von netto 1,6 Mrd CHF Einsparungen bis Ende 2016 werde übertroffen, so die Erwartung. Das sei eine Outperformance im Vergleich zu anderen Peers im ersten Jahr nach einer Restrukturierungsankündigung.

Auch das für 2016 angepeilte Stellenabbau-Ziel von 6'000 Stellen dürfte übertroffen werden. Per 4. Dezember seien bereits 6'050 Stellen abgebaut worden. Gleichzeitig sei in Wachstumsmärkte investiert und die Kontrollmechanismen verbessert worden.

STRATEGIE FUNKTIONIERT

Über die nächsten Jahre geht die CS zudem von einem Rückgang der Restrukturierungskosten aus. Sind für 2016 und 2017 noch je rund 600 Mio veranschlagt, soll sich der Betrag in 2018 auf 300 Mio CHF reduzieren.

Mit Blick auf die Kapitalisierung bleibt die Bank vorsichtig - sicherlich auch in Anbetracht hängiger Rechtsfälle sowie unvorhersehbarer Marktentwicklungen. Für 2018 soll die harte CET1-Kernkapitalquote (Basel III, look-through) zwischen 12 bis 13% liegen. Ab 2018 soll sie mehr als 13% (vor Basel III) erreichen, was 11,4% nach den erwarteten regulatorischen Verschärfungen entspreche. Die Leverage Ratio (CET1, look-through) soll nach wie vor 2018 über 3,5% liegen. Auch die Vorbereitungen für den Teil-IPO der Swiss Universal Bank (SUB) bis Ende 2017 seien auf Kurs, heisst es.

Die im Oktober 2015 angestossene Strategie funktioniere, und ab 2018 würden die Früchte der Massnahmen erwartet, heisst es. Nach wie vor sollen Kunden der Credit Suisse vom integrierten Ansatz von Vermögensverwaltung und Investment Banking profitieren.

ys/gab

(AWP)