CS-Verwaltungsratspräsident will nach 2018 im Amt bleiben

(Meldung vom Vortag ausgebaut)
31.08.2016 09:27

Zürich (awp/sda/reu) - Der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse will auch nach 2018 an der Spitze der Grossbank bleiben. "Ich mache diesen Job mit vollem Einsatz und werde das gerne auch weiterhin tun", sagte Urs Rohner gegenüber dem "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). Mit der Unterstützung der Aktionäre wolle er "selbstverständlich" auch über diesen Zeitraum hinaus im Amt bleiben.

Der Umbau der Credit Suisse - weg vom schwankungsanfälligen Investmentbanking und hin zur Vermögensverwaltung - ist bis 2018 angelegt. Diesen Kurs verteidigte Rohner: "Wir haben eine gemeinsame Strategie entwickelt, die wir uns sehr gut überlegt haben und von der wir überzeugt sind, dass sie richtig ist", sagte er dem Blatt. "Und unsere grossen Investoren stehen hinter dieser Ausrichtung."

Zudem forderte Rohner eine engere Kooperation europäischer Banken. Viele Geldhäuser würden künftig wohl zentrale Dienste wie beispielsweise die Verwaltung von Kontodaten und die Informationstechnologie auslagern.

"Ich kann mir gut vorstellen, dass man das durch einen dritten Anbieter für eine Reihe von Banken machen lassen könnte. Wenn sich mehrere grosse Banken zusammentun würden, könnte das Ergebnis sogar als Infrastrukturgesellschaft an die Börse gebracht werden", sagte Rohner. Im Moment würden aber keine Gespräche geführt. Zuvor hatte bereits UBS-Chef Sergio Ermotti eine engere Kooperation der Geldhäuser angemahnt.

KEINE GROSSFUSION

Trotz Niedrigzinsen und Spardruck rechnet Rohner aber nicht mit einem Zusammenschluss zweier grosser internationaler Banken: "Solche Fusionen werden in absehbarer Zeit nicht stattfinden". Nach Auffassung der Politik und der Regulatoren sollen Banken tendenziell kleiner werden, damit sie nicht mehr zu gross zum Scheitern seien, erklärte er.

Ein paar Banken haben bereits Strafzinsen für ihre Privatkunden eingeführt. "Bei der Credit Suisse werden wir auf diesem Niveau jedenfalls keine Negativzinsen auf Girokonten von Privatkunden einführen", hält Rohner fest. Bei noch stärkeren Minuszinsen müsste die Bank diese Annahme aber überprüfen. "Bei Strafzinsen ziehen Kunden ihr Geld ab und legen es entweder unter das Kopfkissen oder gehen zur Konkurrenz ausserhalb des Bankensektors", warnt Rohner.

COCOS EIN "FEHLER"

Als "Fehler" bezeichnet Rohner den Entscheid der Credit Suisse, ab 2010 stark auf Instrumente wie Coco-Bonds gesetzt zu haben. Dies sei auch Wunsch der Regulatoren geschehen. Cocos sind Anleihen, deren Besitzer im Notfall automatisch zu Aktionären werden.

"Und das hat sich international nicht durchgesetzt. Das müssen wir heute akzeptieren, auch wenn ich diese Instrumente nach wie vor für sinnvoll halte", betont der CS-Chef. Viele Banken seien aber andere Wege gegangen. "Mit dem Wissen von heute würde ich nicht mehr so viele Cocos begeben, sondern direkt mehr festes Eigenkapital", resümiert Rohner mit Blick in den Rückspiegel.

ra/uh

(AWP)