CS-VRP: Sensibilität für Thema Boni nicht genügend hoch gewesen

Der Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, Urs Rohner, hat an der Generalversammlung am Freitag den Aktionären zugestanden, dass im Rückblick gesehen die Sensibilität des Verwaltungsrates zum Thema Boni nicht genügend hoch gewesen sei - dies gerade auch im internationalen Umfeld.
28.04.2017 11:54

Der aus seiner Sicht einzig wirklich grosse Unterschied zwischen der Einschätzung des VR und derjenigen einiger Aktionäre und Stimmrechtsberater sei, ob die Busse im US-Hypothekenfall für die Bemessung der Entschädigung des Top-Managements berücksichtigt werden soll oder nicht.

Aus Sicht des Verwaltungsrates sollte ein neues Management-Team, welches zur fraglichen Zeit nicht in der Bank tätig oder für diese Geschäfte verantwortlich war und welches seine überaus anspruchsvollen Ziele für das Jahr 2016 erfüllt bzw. übertroffen hatte, auch entsprechend der Zielerreichung entlohnt werden, so Rohner gemäss Redetext.

Die Bank akzeptiere aber selbstverständlich, dass man bezüglich Entschädigung anderer Meinung sein könne. Zum Zeitpunkt des ursprünglichen Entscheids seien der Bank jedoch aus den Konsultationen mit Investoren keine Anzeichen vorgelegen, dass bezüglich dieser Thematik eine grundlegende Differenz bestehen könnte.

Die Geschäftsleitung der Credit Suisse Group sei in Anbetracht der zunehmenden Kritik an der Sichtweise der Bank auf den Verwaltungsrat zugekommen und habe einen freiwilligen Verzicht von 40% der variablen Entschädigung für das Geschäftsjahr 2016 vorgeschlagen. "Dies ist ein aussergewöhnlicher Schritt, und der Verwaltungsrat hat ihn im Lichte der Zielerreichung mit grossem Respekt akzeptiert".

Sowohl für Geschäftsleitung die auch für den VR sei einzig relevant, dass der verabschiedete strategische Plan erfolgreich umgesetzt werden könne und "dass wir nicht durch Diskussionen über Entschädigungsfragen abgelenkt werden".

KAPITALERHÖHUNG IM BESTEN INTERESSE DER GESELLSCHAFT UND AKTIONÄRE

Rohner erläuterte den Aktionären auch, was zum Entscheid geführt hat, eine Kapitalerhöhung im Umfang von 4 Mrd vorzuschlagen und auf den Börsengang der Schweizer Universalbank zu verzichten. Dieser Entscheid sei nach einer gründlichen Analyse im Verwaltungsrat und nach Abstimmung mit der Geschäftsleitung einstimmig getroffen worden.

Das Management habe die Vor- und Nachteile der möglichen Alternativen eingehend geprüft. Die Leitlinie für das Management sei dabei, was langfristig im besten Interesse der Gesellschaft und ihrer Aktionäre sei. "Wir sind überzeugt davon, dass wir dem getroffenen Entscheid einen weiteren Schritt zur erfolgreichen Umsetzung unserer strategischen Ziele getroffen haben," so Rohner.

Die angekündigte Kapitalerhöhung stelle sicher, dass die Bank in den nächsten Jahren über genügend Kapital verfüge, um die ambitionierte Wachstumsstrategie wie geplant fortzuführen, die sich ergebenden Chancen für die Geschäftsbereiche zu nutzen, die Restrukturierungspläne vollständig umzusetzen und die Bank gegen allfällige unvorhergesehene Marktschwankungen abzusichern.

Er gab sich zudem überzeugt, dass es im langfristig besten Interesse der Gesellschaft und aller Aktionäre ist, wenn 100% der "wertvollen" Schweizer Bank in der Gruppe behalten werden.

gab/uh

(AWP)