Dätwyler 2016 mit höherem EBIT - Reingewinn von Premier Farnell belastet

(Ausführliche Fassung) - Der Industriekonzern Dätwyler verbesserte im Geschäftsjahr 2016 den Betriebsgewinn klar. Der Reingewinn fiel dagegen schwächer aus als im Vorjahr. Wesentlich beeinflusst wurde das Ergebnis vom Rückzug im Bieterwettbewerb um die britische Premier Farnell. Für das nun laufende Geschäftsjahr zeigt sich das Management insgesamt optimistisch und erhöht gleichzeitig die mittelfristige Margenprognose.
07.02.2017 07:28

Der EBIT stieg um knapp 16% auf 146,1 Mio CHF an und die EBIT-Marge um 120 Basispunkte auf 12,0%, wie das Urner Unternehmen am Dienstag mitteilt. Der Reingewinn ging dagegen um knapp 30% auf 57,6 Mio zurück. Die Dividende soll dennoch unverändert bei 2,20 CHF je Inhaberaktie und bei 0,44 CHF je Namenaktie belassen werden.

Damit hat Dätwyler die Erwartungen der Analysten nicht erreicht, wobei die Schätzungen wegen der Einflüsse aus der gescheiterten Premier Farnell-Übernahme teils weit auseinanderlagen.

Die Sonderkosten durch die gescheiterte Übernahme von Premier Farnell haben zu Buche geschlagen. Bereinigt um diese hätte der EBIT bei 157,6 Mio CHF gelegen und die EBIT-Marge bei 13,0%. Der Reingewinn wäre auf 116,9 Mio CHF und damit deutlich über dem Vorjahreswert zu liegen gekommen. Einmalige Kosten zur Währungsabsicherung und Währungsverluste aus der versuchten Akquisition von Premier Farnell belasteten das Finanzergebnis und reduzierten das ausgewiesene Nettoergebnis um gegen 60 Mio CHF.

SEALING SOLUTIONS WÄCHST WEITER

Die Division Sealing Solutions, die auf Dichtungs- und Verpackungslösungen in den Endmärkten Health Care, Automotive und Civil Engineering spezialisiert ist, entwickelte sich auch 2016 positiv. Sie legte beim Nettoumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 6,7% (organisch: +2,9%) auf 753 Mio CHF zu. Eine stärkere organische Entwicklung sei durch Kapazitätsengpässe im Marktsegment Health Care sowie durch Verzögerungen im Projektgeschäft des Bereiches Civil Engineering verhindert worden, heisst es.

Mit einer EBIT-Marge von 18,1% (Vorjahr: 17,8%) stieg die Ertragskraft im Geschäftsbereich zudem leicht an. Dazu beigetragen hätten neben den gezielten strategischen und operativen Optimierungsmassnahmen der vergangenen Jahre auch die hohe Kapazitätsauslastung, so die Mitteilung.

Das grösste Wachstum innerhalb der Division erzielte das Marktsegment Health Care und auch das Marktsegment Automotive zeigte eine laut Dätwyler "erfreuliche" Entwicklung, während im Segment Consumer Goods die Zusammenarbeit mit Nespresso weitere Fortschritte macht.

Die Division Technical Components steigerte nach mehreren Jahren mit negativer Umsatzentwicklung den Nettoumsatz zwar auf 462,6 Mio nach 459,3 Mio CHF im Vorjahr. Organisch resultierte dagegen ein Minus von 0,8%. Die Reduktion von Produkten mit tiefer Marge und die Vereinheitlichung der Rabattpolitik hätten den Umsatz erwartungsgemäss negativ beeinflusst, so die Begründung. Positiv zur Umsatzentwicklung beigetragen hätten der Ausbau des Sortiments sowie die Lancierung der neuen Eigenmarke "RND" für Standardprodukte. Die EBIT-Marge stieg auf 2,0% von zuvor 0,1% an.

ZUVERSICHT FÜR 2017

Im Ausblick auf das Geschäftsjahr 2017 zeigt sich Dätwyler optimistisch, den profitablen Wachstumskurs beschleunigen zu können. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 1,25 und 1,35 Mrd CHF und einer höheren Marge. Deshalb erhöht Dätwyler auch das mittelfristig geltende Zielband für die EBIT-Marge auf 11 bis 14% von bisher 10 bis 13%. Auch für die beiden Konzernbereiche Sealing Solutions und Technical Components zeigt sich das Unternehmen zuversichtlich.

Bis 2020 strebt das Unternehmen unverändert einen Gruppen-Umsatz von 2 Mrd und eine EBIT-Marge von 12% bis 15% an. Das Wachstum soll mittels getätigten Investitionen und Übernahmen beschleunigt werden. "Weitere Akquisitionen sind in Planung", wird CEO Dirk Lambrecht hierzu in der Mitteilung zitiert.

Weiter gibt das Unternehmen Änderungen im Verwaltungsrat bekannt. Nach der GV vom 7. März wir dieser nur noch sieben statt neun Mitglieder zählen. VR-Präsident Ulrich Graf und die Verwaltungsräte Hans R. Rüegg sowie Ernst Lienhard treten altershalber zurück. Wie bekannt soll der ehemalige CEO Paul Hälg das Präsidium des Gremiums übernehmen.

cf/ab

(AWP)