Dätwyler steigert Gewinn deutlich - Premier Farnell-Übernahme auf 'Hold'

(Zusammenfassung)
12.08.2016 14:29

Altdorf (awp) - Der Industriezulieferer Dätwyler hat im ersten Halbjahr 2016 den Umsatz dank Währungs- und Akquisitionseffekten, aber auch dank organischem Wachstum gesteigert. Unter anderem dank des Turnarounds in der Division Technical Components stiegen die Gewinnziffern überproportional. Der Ausblick auf das Gesamtjahr ist mit Blick auf die Marge noch etwas positiver als im vergangenen März. Keine Neuigkeiten gab es hingegen zum weiteren Vorgehen im Bieterstreit um die britische Firma Premier Farnell.

Das Innerschweizer Unternehmen steht diesbezüglich bekanntlich in einem Bieterwettbewerb mit der US-Firma Avnet. Premier Farnell würde, wenn Dätwyler das Rennen machen würde, in die Division Technical Components eingegliedert, was zu einem Umsatzsprung bei dieser führen würde. Avnet hat vor kurzem allerdings das ursprüngliche Angebot von Dätwyler überboten, so dass diese jetzt nachlegen müsste. Zum Thema einer erhöhten Gegenofferte wollte sich CEO Paul Hälg am Freitag an einer Telefonkonferenz aber nicht weiter äussern. Auch einen konkreten Zeitplan für die kommenden Zwischenschritte konnte er nicht geben.

Weiter wies er Spekulationen um Verkaufspläne für die Division Technical Components bei einem Scheitern der geplanten Grossübernahme von sich. Dätwyler könnte sich in diesem Fall auf die rentablere Sparte Sealing Solutions (Dichtungslösungen) konzentrieren, war das Gerücht. "Ein Verkauf der Division Technical Components ist derzeit kein Thema. Wir wollen uns auf die weiteren Verbesserungen in dieser Division konzentrieren", sagte Hälg dazu nun.

SONDERKOSTEN BEI SCHEITERN DER ÜBERNAHME

Teuer wird die Sache so oder so. Wenn die Übernahme von Premier Farnell gelingt, muss Dätwyler einen Milliarden-Betrag auf den Tisch legen. Macht hingegen die US-Firma Avnet das Renn, entstünden für Dätwyler einmalige Transaktionskosten von rund 4 bis 8 Mio CHF; hinzu kämen zudem - wie Dätwyler am Freitag darlegte - Kosten zur Währungsabsicherung und Währungsverluste von insgesamt rund 35 bis 40 Mio CHF, welche das Finanzergebnis belasten würden.

Mit dem Semesterausweis hat Dätwyler hingegen die Erwartungen auf der ganzen Linie übertroffen. So legte der Umsatz um 7,3% auf 621,1 Mio CHF zu, bereinigt um positive Währungs- und Akquisitionseffekte ergab sich ein Plus von 2,9%. Beide Konzernbereiche hätten zum Wachstum beigetragen, hiess es Bereichen technische Komponenten und Dichtungslösungen tätige Unternehmen am Freitag mit.

Der EBIT des Konzerns nahm um gut 21% auf 81,7 Mio CHF zu und die entsprechende Marge um 160 Basispunkte auf 13,2%. Damit wurde erstmals das obere Ende des Zielbandes von 10 bis 13% übertroffen. Der Reingewinn erhöhte sich um gut einen Drittel auf 56,6 Mio.

BEIDE BEREICHE MIT WACHSTUM UND OPERATIVEN VERBESSERUNGEN

Im Konzernbereich Technical Components sieht Hälg die Talsohle durchschritten. Die neue Infrastrukturplattform biete Potenzial zur Beschleunigung des Wachstums und zur Umsetzung weiterer Effizienzsteigerungen. Der Umsatz der Division zog insgesamt um 4,8% auf 238,0 Mio CHF an, bereinigt um 1,8%. Der grössere Konzernbereich Sealing Solutions hat von der guten Marktentwicklung profitiert. Der Umsatz wuchs um 8,8% auf 383,1 Mio CHF, organisch um 3,6%. Dank der guten Kapazitätsauslastung, Effizienzsteigerungen, vorteilhaften Rohmaterialpreisen und der Verbesserung des Produktmixes verbesserte sich die bereits hohe EBIT-Marge um 130 Basispunkte auf 18,9%.

Für das Gesamtjahr 2016 ist das Unternehmen noch etwas optimistischer als im Frühjahr. Hälg zeigte sich zuversichtlich, das gesetzte Ziel eines Umsatzes von gegen 1,25 Mrd CHF zu erreichen. Die EBIT-Marge dürfte unter Ausklammerung der oben erwähnten allfälligen Transaktionskosten gar in der oberen Hälfte des Zielbands von 10 bis 13% zu liegen kommen. Die bisherige Prognose sah lediglich eine Marge innerhalb dieses Zielbands vor.

Mit Blick auf die Division Technical Components, für welche im ersten Semester eine EBIT-Marge von 3,9% ausgewiesen wurde, erwartet Hälg im zweiten Semester weitere Fortschritte mit der neuen Infrastruktur-Plattform. Hälg prognostizierte für das Gesamtjahr eine Marge von 5% und bestätigte gleichzeitig das bereits früher formulierte Ziel einer Marge von über 10% bis 2017.

Der Konzernbereich Sealing Solutions dürfte gemäss den Prognosen im zweiten Semester in allen Geschäftsfeldern zulegen. Ermutigend sei etwa der Bestellungseingang im Segment Civil Engineering, so Hälg.

cf/

(AWP)