Dätwyler übernimmt deutsche Ott - a.o. GV genehmigt Kapitalerhöhung

(Zusammenfassung nach a.o. GV aktualisiert)
10.08.2016 18:50

Altdorf (awp) - Der Industriekonzern Dätwyler lässt sich durch die offene Situation um die geplante Übernahme der britischen Premier Farnell nicht von weiteren Ergänzungsakquisitionen abhalten. So soll mit der Übernahme der deutschen Ott der Konzernbereich Sealing Solutions gestärkt werden. Diese kleinere Akquisition wird in Marktkreisen zwar begrüsst, die Kommentare beschäftigen sich aber intensiver mit der Premier Farnell-Übernahme. Eine ausserordentliche Generalversammlung hat eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung dieses Deals beschlossen - falls er nach dem Gegenangebot noch zustande kommt.

Am Morgen gab Dätwyler die Übernahme des Industrieunternehmens Ott bekannt. Das Unternehmen mit Sitz in Cleebronn erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 33 Mio CHF und beschäftigt rund 200 Mitarbeitende, wie Dätwyler am Mittwoch mitteilte. Ott befinde sich auf profitablem Wachstumskurs. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Der Vollzug des Vertrags sei vorbehältlich der Erfüllung der üblichen Vollzugsbedingungen für Anfang September geplant. Das Unternehmen Ott wurde 1989 gegründet und ist auf Werkzeugbau, die Produktion von Spritzgussteilen aus Thermoplast und Flüssigsilikon spezialisiert. Das bestehende Management bleibt erhalten, heisst es weiter.

Die Spritzgusstechnik mit Thermoplast und Flüssigsilikon ergänze die bestehenden Technologien und biete die Chance, die Wertschöpfungstiefe zu erhöhen und neue Marktnischen mit Wachstumspotenzial zu erschliessen, begründet Dätwyler die Übernahme. Insbesondere den Kunden aus der Automobil- und Health-Care-Industrie werde man ein erweitertes Produktportfolio anbieten können.

In Marktkreisen wird die Akquisition von Ott grundsätzlich als positiv begrüsst. So heisst es etwa in einem Kommentar der Bank Vontobel, dass diese der Multi-Nischen-Strategie des Konzernbereichs Sealing Solutions, also Dichtungslösungen, entspreche.

FOKUS AUF PREMIER FARNELL

Vielmehr richtet sich der Fokus aber auf die Situation rund um die geplante Übernahme des britischen Elektronikgrosshändlers Premier Farnell. Am Mittwoch haben die Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung den Verwaltungsrat zur Ausgabe von neuem Kapital von bis zu 10% des Aktienkapitals ermächtigt. Der Schritt soll es Dätwyler ermöglichen, das Kapital innerhalb der nächsten zwei Jahre bei Bedarf zu erhöhen.

Die Kapitalerhöhung erhöhe die Flexibilität von Dätwyler in der Umsetzung der Wachstumsstrategie, erklärte VR-Präsident Ulrich Graf vor den Aktionären laut Mitteilung weiter. Er betonte, dass das genehmigte Kapital nur liberiert werde, wenn "geplante Akquisitionen nicht primär mit anderen finanziellen Mitteln bezahlt werden können".

Nach der Ende Juli bekanntgewordenen Gegenofferte durch das US-Unternehmen Avnet will Dätwyler nun "das weitere Vorgehen prüfen und zu gegebener Zeit wieder dazu kommunizieren", so Graf. Dätwyler hatte für Premier Farnell einen Preis von 165 Pence pro Aktie geboten, was rund 1,09 Mrd CHF entspricht. Avnet hatte Ende Juli eine Gegenofferte lanciert und bietet nun 185 Pence pro Premier Farnell-Aktie respektive 12% mehr als die Innerschweizer.

WEITERE AUSSAGEN AM FREITAG ERWARTET

Kurzfristig sei der Blick vor allem auf die angestrebte Übernahme von Premier Farnell gerichtet, heisst es in einem Kommentar von Baader Helvea. Nach dem Gegenangebot von Avnet sei es unklar, ob Dätwyler dieses nochmals überbieten wolle. Dafür hätte Dätwyler aber bis Ende August Zeit. Die ZKB-Analysten erhoffen sich nun weitere Aussagen am Freitag, wenn Dätwyler die Halbjahreszahlen vorlegt.

An der Börse schossen Dätwyler am Mittwoch 1,4% im Minus auf 135,80 CHF. Der Aktienkurs war bereits mit Bekanntgabe der geplanten Premier Farnell-Transaktion Mitte Juni stark zurückgefallen und hat sich von dem Rücksetzer bis heute nicht erholt.

cf/tp

(AWP)