Dätwyler übernimmt Premier Farnell - Umsatz wird sich mehr als verdoppeln

(Ausführliche Fassung)
14.06.2016 08:43

Altdorf (awp) - Der Industriekonzern Dätwyler macht mit der Übernahme der britischen Premier Farnell einen grossen Wachstumsschritt und verdoppelt seine Grösse. Premier Farnell ist ein Distributor von elektronischen Bauteilen, entsprechend wird er mit der Division Technical Components von Dätwyler zusammengelegt. Das Urner Unternehmen sieht dadurch einen "erheblichen Mehrwert" für die Aktionäre beider Unternehmen. Bereits im ersten Jahr soll die Transaktion gewinnverdichtend sein.

Die Produktbereiche und die geografische Marktpräsenz der beiden Unternehmen seien komplementär, teilt Dätwyler am Dienstag mit. Mit dem zugekauften Umsatz von gut 1,3 Mrd CHF wird sich der Umsatz der Division Technical Components von 459 Mio CHF im vergangenen Geschäftsjahr auf rund 1,8 Mrd CHF knapp vervierfachen. Zusammen mit dem gut 700 Mio der Division Sealing Solutions kommt Dätwyler auf einen kombinierten Umsatz von rund 2,5 Mrd CHF, was mehr als dem doppelten der für 2015 ausgewiesenen 1,17 Mrd CHF entspricht.

Das Angebot beläuft sich auf 165 Pence in bar für jede Premier-Farnell-Aktie, entsprechend einer Prämie gegenüber dem Schlusskurs vom 13. Juni 2016 von 51%. Die Transaktion bewertet das gesamte Aktienkapital von Premier Farnell mit 848 Mio CHF, entsprechend einem Unternehmenswert von 1,09 Mrd CHF.

FINANZIERUNG GESICHERT

Premier Farnell wird als führender Multi-Channel- und High-Service-Distributor von Elektronikbauteilen bezeichnet, welcher global eine umfassende Palette von Produkten, Dienstleistungen und Lösungen anbietet und vertreibt. An strategischen Gründen für die Akquisitionen führt Dätwyler Grösse, Produktverfügbarkeit und kurze Lieferzeiten als wichtigste Erfolgsfaktoren für B2B-Distributoren an, dies sowohl in Bezug auf den Verkauf als auch auf die Beschaffung. Von daher gesehen sei die Kombination Premier Farnell strategisch passend.

Der Finanzierungsbedarf für die Transaktion in Höhe von 848 Mio CHF sei gewährleistet durch 162 Mio CHF an bestehenden Barmitteln, einem langfristigen Darlehen mit fünfjähriger Laufzeit in Höhe von 286 Mio CHF und einem Überbrückungsdarlehen in Höhe von 400 Mio CHF.

Es ist vorgesehen, das Überbrückungsdarlehen im Umfang von 140 Mio zu einem späteren Zeitpunkt im öffentlichen Anleihenmarkt und den Rest durch eine Eigenkapitalemission zu refinanzieren. Die Eigenkapitalkomponente soll durch eine Kapitalerhöhung in Höhe von rund 200 Mio CHF sowie durch eine Platzierung eigener Aktien mit einem Erlös in Höhe von rund 60 Mio aufgenommen werden.

PEMA ZIEHT MIT

Diese Finanzierungsstruktur sei gewählt worden, um nach der Übernahme eine solide Kapitalstruktur mit einer anfänglich erwarteten Nettoverschuldung zum EBITDA der letzten zwölf Monate von weniger als 2,5x, gefolgt von einem zügigen Schuldenabbau, zu gewährleisten. Die Pema Holding AG - die langjährige Mehrheitsaktionärin von Dätwyler - wird sich gemäss Dätwyler anteilig an jeder geplanten Kapitalerhöhung beteiligen, um damit die aktuelle Beteiligungshöhe in Prozent des Kapitals und der Stimmen zu erhalten.

Es ist beabsichtigt, die Transaktion mittels eines gerichtlich genehmigten "Scheme of Arrangement" als Restrukturierungsinstrument gemäss Act 26 des UK Companies Act 2006 ("Scheme") durchzuführen. Die Transaktion unterliegt der Erfüllung oder - falls erlaubt - auch dem Verzicht hinsichtlich bestimmter Bedingungen. Diese beinhalten eine Genehmigung des Schemes durch Premier Farnells Aktionäre und das Gericht, bestimmte Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden sowie weitere übliche Bedingungen.

GEWINNVERDIRCHTUNG ERWARTET

Dätwyler verspricht sich durch diese Übernahme eine Gewinnverdichtung, so soll der Gewinn je Aktie bereits im ersten Jahr zunehmen, dies ohne den Einfluss von Synergien und Implementierungskosten. Der Vollzug der Transaktion wird für das vierte Quartal 2016 erwartet.

Bis Ende 2019 werden jährlich wiederkehrende Synergien auf Stufe EBITDA von 50 bis 70 Mio CHF erwartet. Davon entfallen je etwa die Hälfte auf Kosteneinsparungen und auf Synergieeffekte auf den Bruttogewinn.

Die Integrations- und Akquisitionskosten dürften sich über insgesamt zwei Jahre hinweg auf insgesamt 40 Mio CHF belaufen. Darüber hinaus werden in den ersten drei Jahren nach der Transaktion voraussichtlich zusätzliche Ausgaben von rund 80 Mio CHF für Investitionen in die kombinierte Infrastruktur erforderlich sein.

Unter Berücksichtigung der Abschreibungen aus den prognostizierten, zusätzlichen Investitionen werden ab Ende 2019 jährliche Synergien auf EBIT-Level im Bereich von 40 bis 60 Mio CHF erwartet.

MITTELFRISTIG 3 MRD CHF UMSATZ ANGESTREBT

Weiter formuliert Dätwyler längerfristige Ziele bis 2020 an. Demnach soll die kombinierte Gruppe bis dann einen Umsatz von über 3 Mrd CHF erzielen, dies bei einer EBIT-Marge von über 12%. Der neue Bereich Technical Components soll dazu einen Umsatz von über 2 Mrd beisteuern, bei einer EBIT-Marge von über 10%.

cf/ys

(AWP)