Debakel bei Tuifly - Forscher erwarten kurzfristigen Imageschaden

BERLIN (awp international) - Die vielen Flugausfälle bei der Tuifly führen nach Meinung eines Tourismusforschers zu einem kurzfristigen Imageschaden. Derzeit sei der Schaden relativ gross, sagte Rainer Hartmann von der Hochschule Bremen am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Potenzielle Kunden würden das aber - wie in vielen Bereichen des Tourismus - auch schnell wieder vergessen. Gerade bei der Wahl von Fluglinien achte man vor allem auf Sicherheit und auf den Preis.
09.10.2016 12:12

"Ich denke, dass das relativ schnell wieder vergessen sein wird", sagte Hartmann, der zu Freizeit- und Tourismusmanagement forscht. Das werde aber auch davon abhängen, wie Tuifly mit Menschen umgehe, deren Flüge ausgefallen seien. "Da sehe ich ein gewisses Risiko gerade." Der Tui-Konzern hatte mitgeteilt, keine Entschädigungen an Passagiere zahlen zu wollen. Er beruft sich auf höhere Gewalt, Reiserechtler zweifeln das an. "Das kommt natürlich nicht so gut", sagte Hartmann.

Auch der Tourismusforscher Torsten Kirstges hatte die Ankündigung der Tuifly als ungeschickt bewertet. "Da hätte man sich besser bedeckt gehalten", sagte der Experte der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Einen langfristigen Imageschaden befürchte er nicht. "Das Gedächtnis der Urlauber ist doch meist sehr kurzfristig." Auch die fortdauernden wirtschaftlichen Schwierigkeiten beim Tuifly-Leasingkunden Air Berlin seien nach seiner Einschätzung noch nicht beim breiten Publikum angekommen.

Bei Tuifly kommt es seit Tagen zu massiven Ausfällen und Verspätungen, weil sich viele Besatzungen krank gemeldet haben. Vor einer Woche war bekannt geworden, dass Tuifly in eine neue Dachholding unter Führung von Etihad integriert werden soll. Vertreter der Arbeitnehmer befürchteten Jobverluste und kritisierten unkonkrete Informationen. Am Freitagabend war Tui den Forderungen der Arbeitnehmer mit einer mindestens dreijährigen Standort- und Tarifgarantie entgegengekommen. Zudem wurde eine Entscheidung über die geplante Neuordnung auf Mitte November verschoben.

Tuifly arbeite "mit Hochdruck daran, ab Sonntag wieder ihr komplettes Flugprogramm anzubieten", erklärte die Airline. Voraussichtlich würden 115 Flüge starten. Voraussetzung dafür ist, dass sich viele Crews wieder zum Dienst melden. Am Samstag fielen noch fast alle Flüge aus. 118 Verbindungen wurden gestrichen, wie ein Sprecher sagte. Sie versuchten aber, mit gecharterten Maschinen Gäste aus Urlaubsgebieten zurückzuholen. Wie viele das sein werden, sei unklar.

Die Probleme bei Tuifly führen auch weiterhin zu Flugausfällen bei Air Berlin . Am Samstag strichen die Berliner 23 von 78 Flügen, die eigentlich von Tuifly für Air Berlin erbracht werden. Die übrigen Flüge sicherte das Unternehmen mit Hilfe anderer Fluggesellschaften und mit Crews, die freiwillig Sonderschichten leisten, wie eine Sprecherin sagte. Zum Sonntag machte sie zunächst keine Angaben.

Forscher Kirstges sagte, der soziale Umgang von Fluggesellschaften mit ihren Mitarbeitern habe kaum Auswirkungen auf die Ticket-Kaufentscheidung. "Da schlägt der günstige Preis die Moral und Solidarität mit den betroffenen Mitarbeitern." Auch Hartmann von der Hohschule Bremen erklärte, er glaube, am Ende sei meist der Preise für Kunden entscheidend.

Skeptisch äusserte sich Kirstges über die geschäftlichen Aussichten des geplanten neuen Ferienfliegers mit rund 60 Flugzeugen, in dem Tuifly und Teile von Air Berlin aufgehen sollen. Die geplante Gesellschaft stünde kaum besser da als ihre Vorgänger. "Das sind zwei Einbeinige, die jetzt zusammen humpeln wollen." Unverständlich sei auch die schlechte Kommunikation der Unternehmen gegenüber den eigenen Mitarbeitern, die nun zusätzliche Millionenkosten verursache. "Denen schlagen die Pläne mächtig auf den Magen."/kil/ceb/DP/zb

(AWP)