Deutsche Bahn stellt Fernbus-Geschäft weitgehend ein

(Aktualisierte Fassung)
16.09.2016 12:18

Berlin (awp/sda/reu) - Die Deutsche Bahn zieht sich aus dem deutschen Fernbusgeschäft zurück und überlässt dem Konkurrenten Flixbus den Markt nahezu komplett. Ende 2016 laufe der Betrieb der Marke Berlin Linien Bus (BLB) aus, teilte der deutsche Staatskonzern am Freitag mit.

Damit gibt der letzte grössere Wettbewerber von Flixbus auf. Flixbus hat im August schon das Geschäft von der Deutschen Post übernommen. Drei Jahre nach Freigabe des Marktes durch die deutsche Regierung und einer Welle von Neugründungen wird Flixbus nun mehr als 90 Prozent aller Passagiere in dem Bereich befördern.

Derzeit fährt Flixbus 900 Ziele an, rund 450 davon im deutschsprachigen Raum. Postbus bietet Verbindungen zu 112 Zielen an, etwa 85 davon in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein sagte, für sein Unternehmen ändere sich nichts. "Die Bahn bleibt für uns auf Schiene und Strasse ein grosser Wettbewerber, neben Autos, Billigfliegern und Mitfahrzentralen."

Mit dem Rückzug der Deutschen Bahn aus dem Geschäft gelten nun aber höhere Preise als wahrscheinlich. Nach Angaben des Reisevergleichsportals GoEuro sind sie schon in den vergangenen Jahren angezogen. Seit 2014 seien die Tickets im Schnitt in Deutschland um 40 Prozent teurer geworden. Auch der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt hatte bereits nach dem Aus für die Postbusse gesagt, er erwarte höhere Preise. Dies sei auch nötig, um das Geschäft nachhaltig zu betreiben.

"BLÖDSINN" NICHT MEHR MITMACHEN

Der Rückzug der Bahn kommt nicht überraschend: Auf dem hart umkämpften Markt arbeitete zuletzt praktisch kein Unternehmen profitabel. Bahnchef Rüdiger Grube hatte schon im Juli gesagt, er werde den "Blödsinn" nicht mehr mitmachen. Flixbus allerdings hat angekündigt, dieses Jahr Geld zu verdienen. Hinter dem Unternehmen steht unter anderem der US-Finanzinvestor General Atlantic.

Die Bahn kündigte aber an, sie werde einige ihrer rund 40 Linien in ihr IC-Bus-Netz integrieren. Dieses ergänzt den Schienen-Fernverkehr vor allem bei Verbindungen über Grenzen hinweg sowie in abgelegene touristische Regionen. Die Bahn will sich jetzt auf den Ausbau der Verbindungen auf der Schiene konzentrieren. Bis 2030 will sie hier ihr Angebot um 25 Prozent ausweiten und 50 Millionen zusätzliche Reisende gewinnen.

Zum Schutz der Bahn war der Fernbusmarkt per Gesetz bis 2013 eng begrenzt. Mit der Freigabe erlebte die Branche einen Boom mit zahlreichen Gründungen und rasantem Passagierwachstum. 2015 waren rund 22 Millionen Reisende mit dem Bus unterwegs, ein Plus von mehr als einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Auch dieses Jahr erwartet die Branche Wachstum, allerdings ein schwächeres.

(AWP)