Deutsche Bahn verliert Marktanteile

(Ausführliche Fassung)
12.07.2016 13:33

BRÜSSEL/BERLIN (awp international) - Der Güterverkehr auf dem deutschen Schienennetz ist im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent gewachsen. Auch der Anteil am gesamten Frachttransport erhöhte sich von 17,2 Prozent (2014) auf 17,5 Prozent. Die Deutsche Bahn verlor jedoch deutlich Marktanteile an die Konkurrenz. Das geht aus dem jüngsten Wettbewerbsbericht des Staatskonzerns hervor, der am Dienstag der EU-Kommission in Brüssel übergeben wurde.

Demnach sank der Anteil der Verkehrsleistung der Bahntochter DB Cargo am Schienengüterverkehr von 66,4 Prozent im Jahr 2014 auf 60,9 Prozent im folgenden Jahr. Mangelnde Qualität und zu hohe Kosten waren dafür nach Angaben aus dem Bahn-Management wesentliche Gründe. Die niedrigen Dieselpreise verschärften den Wettbewerb mit dem Lastwagen. Hinzu kamen Streiks der Lokführergewerkschaft GDL, die Kunden abwandern liessen. Zu den grossen Wettbewerbern von DB Cargo gehören etwa TX Logistik, Captrain und HVLE.

Auch im Regionalverkehr ging der Anteil der Deutschen Bahn gemessen an der bestellten Zahl an Zugkilometern zurück - von 72,8 Prozent (2014) auf 70,8 Prozent (2015). Die Konkurrenten heissen hier unter anderem Netinera, Abellio, Transdev und Keolis. Wie gross deren Marktanteile im Einzelnen sind, legt der Wettbewerbsbericht nicht offen.

Unangefochten blieb die Deutsche Bahn im Personenfernverkehr mit ICE- und Intercity-Zügen. Die Verkehrsleistung in diesem Segment stieg um 2,4 Prozent auf 37 Milliarden Personenkilometer. In den ersten vier Monaten 2016 gab es sogar ein Plus von 9 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Bahn-Vorstandsmitglied Ronald Pofalla sprach von einer dynamischen Entwicklung des Wettbewerbs auf der Schiene in Deutschland. Es seien 412 Unternehmen auf dem Netz unterwegs gewesen, 11 mehr als im Vorjahr. Zusammen hätten sie eine Rekord-Betriebsleistung von 1,05 Milliarden Trassenkilometern erreicht. "Wir teilen mit der gesamten Branche die Überzeugung, dass die Eisenbahn gerade im digitalen Zeitalter enorme Wachstumschancen hat", merkte Pofalla an./brd/DP/stb

(AWP)