Deutsche-Bank-Chef sieht Frankfurt und Berlin als Brexit-Gewinner

Der Finanzplatz London wird mit dem EU-Austritt Grossbritanniens aus Sicht von Deutsche-Bank-Chef John Cryan seine Anziehungskraft einbüssen und damit auch Europa unter Druck setzen. "London wird trotz seiner einzigartigen, über Jahrzehnte gewachsenen Infrastruktur ohne die Europäische Union an Attraktivität verlieren", sagte Cryan am Donnerstagabend in Berlin. Darin sehe er aber eine Gefahr auch für Europa, betonte der Brite.
26.01.2017 19:01

"Wenn wir nichts unternehmen, werden die Finanzplätze in der Europäischen Union nicht von den Chancen profitieren, die sich aus dem Brexit ergeben", sagte Cryan. "Gewinnen werden stattdessen vor allem New York, Singapur oder Shanghai." Die Antwort auf diesen globalen Wettbewerb müsse ein integrierter Kapitalmarkt in der EU sein - "und zwar so schnell wie möglich". Eine gute Werbung dafür sei der Erfolg der europäischen Bankenunion.

Bei der Neuordnung könne Deutschland jedoch "ganz vorn" stehen. Deutschland benötige Finanzzentren, "die über den deutschen Markt hinaus wirken können", sagte der Deutsche-Bank-Chef weiter. Frankfurt sei schon heute das wichtigste Finanzzentrum in Kontinentaleuropa und damit ein Gewinner des Brexits. Daneben könnte aus Sicht Cryans Berlin ein zweiter Gewinner in Deutschland sein: Die Hauptstadt entwickele sich zu einem attraktiven Standort für internationale Unternehmen und sei eine Top-Metropole Europas./sl/DP/tos

(AWP)