Deutsche Bank setzt auf reiche Kunden in London

Die grösste Bank Deutschlands will ungeachtet des Brexit ihr Vermögensverwaltungsgeschäft in Grossbritannien ausbauen. Im Visier habe sie dabei vor allem Kunden aus China und dem Nahen Osten.
21.08.2017 15:49

Chinesen hätten eine Vorliebe für die britische Metropole wegen der Sprache und des angelsächsischen Rechtssystems, das ihnen bereits aus Hongkong bekannt ist, sagte CEO Peter Hinder der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Montag veröffentlichten Interview.

"Es gibt viele Vorzüge, die mit dem Brexit nicht verschwinden werden", sagte Hinder. Der ehemalige UBS-Manager ist seit Dezember 2016 bei der Deutschen Bank für die Schweiz und das Geschäft mit reichen Privatkunden in Europa, dem Nahen Osten und Afrika zuständig - mit Ausnahme des Heimatmarkts Deutschland.

Bislang habe die Deutsche Bank das Potenzial im britischen Vermögensverwaltungsmarkt nicht ausgeschöpft, sagte Hinder. Das Team dort bestehe aus zehn ranghohen Bankern. "Wir werden das deutlich ausbauen." In seiner Region will Hinder im laufenden Jahr 20 neue Kundenberater einstellen. Wenn sie von einer Bank zur nächsten wechseln, bringen sie üblicherweise auch einen Teil ihrer Kunden mit.

Andere Teile der Bank sind hingegen sehr wohl vom Brexit betroffen: Die Bank will Teile des Wertpapiergeschäfts nach Frankfurt verlagern und hier ein Buchungszentrum aufbauen. Wieviele der 8600 Jobs in London damit wegfallen, ist offen. Früheren Angaben von Vorstandsmitglied Sylvie Matherat zufolge könnten rund 4000 Mitarbeiter betroffen sein.

VERUNSICHERTE KUNDEN

Die Offensive im britischen Markt folgt auf ein schwieriges Jahr für die Deutsche Bank: In Europa, dem Nahen Osten und Afrika schrumpften die Kundenvermögen im vergangenen Jahr um 15 Mrd EUR.

Das Institut sah sich im Skandal um US-Hypothekenpapiere mit einer 14 Mrd USD schweren Forderung des US-Justizministerium konfrontiert, kam dann aber letztlich mit gut der Hälfte davon. Die ursprüngliche Forderung der Behörden hatte Investoren und Kunden schockiert und zu einer Talfahrt der Aktie sowie zum Abzug von Einlagen geführt. Darüber hinaus hatte sich die Deutsche in der Vermögensverwaltung aus einigen Märkten zurückgezogen.

Zwar hätten die Kunden ihre Bankbeziehung nicht komplett abgebrochen, sagte Hinder. Wegen der anhaltenden Negativschlagzeilen waren jedoch viele von ihnen verunsichert und haben ihr Geld auf andere Banken verteilt. "Von denen, die wir während der Krise verloren haben, haben wir mehr als zwei Drittel zurückgewonnen", sagte Hinder.

(AWP)