Deutsche Bank stimmt Mitarbeiter auf verschärften Sparkurs ein

FRANKFURT (awp international) - Deutsche Bank -Chef John Cryan hat die Mitarbeiter auf eine Verschärfung des Sparkurses eingestimmt. "Leider müssen wir davon ausgehen, dass die Lage noch eine Weile schwierig bleibt", schrieb der Vorstandschef am Donnerstag in einem Brief an die Beschäftigten. "Wir werden deshalb unseren Umbau beschleunigen und noch verstärken müssen, wie wir es ja zum Halbjahr schon angedeutet haben." Bisher will der deutsche Branchenprimus im eigenen Haus unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze streichen, 4000 davon in Deutschland. Bis Ende 2017 sollen etwa 200 der 700 Filialen geschlossen werden.
27.10.2016 08:58

Zwar erwirtschaftete die Deutsche Bank im dritten Quartal unter dem Strich überraschend einen Gewinn von 278 Millionen Euro. Zudem kommen Cryan zufolge die Verhandlungen mit dem amerikanischen Justizministerium über milliardenschwere Strafzahlungen wegen umstrittener Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise voran. Gleichzeitig habe sich aber das Umfeld in einigen wichtigen Bereichen weiter verschlechtert, erklärte der Vorstandschef.

HÖHERE RÜCKSTELLUNGEN

Die Deutsche Bank hat die Rückstellungen für ihre Rechtsrisiken weiter erhöht. Im dritten Quartal legte das Institut nach eigenen Angaben vom Donnerstag zusätzlich 500 Millionen Euro zurück. Analysten hatten mit höheren Belastungen gerechnet. Die Bank hat für offene Strafen nun 5,9 Milliarden Euro reserviert. Zugleich reduzierte der Vorstand seine Einschätzung zu den sogenannten Eventualrisiken, für die noch keine Rückstellungen gebildet sind, um 100 Millionen auf 1,6 Milliarden Euro.

Rechtsrisiken gehören derzeit zu den grössten Unsicherheitsfaktoren der Deutschen Bank. So droht dem Institut eine hohe Strafe wegen krummer Hypothekengeschäfte in den USA. Auch die Ermittlung wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Sanktionsverstössen bei Geschäften in Russland gelten als bedrohlich

Die US-Justiz hatte Mitte September die entscheidenden Vergleichsverhandlungen zu den Hypothekengeschäften mit einer Strafforderung von 14 Milliarden Dollar eröffnet und damit den Aktienkurs der Bank einbrechen lassen. Seitdem machen immer wieder Spekulationen die Runde, das Institut könnte frisches Geld brauchen. Grund ist die Sorge, dass selbst wenn die Strafe wie erwartet deutlich niedriger ausfällt, die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten nicht ausreichen könnten.

Die Verhandlungen über die Hypothekenpapiere in den USA hätten die positive Entwicklung der Bank zuletzt überschattet, sagte Vorstandschef John Cryan. "Das hat zu Unsicherheit geführt. Die Bank arbeitet hart daran, diese Angelegenheit so bald als möglich abzuschliessen." Cryan hat sich zum Ziel gesetzt, die grössten Rechtsfälle noch in diesem Jahr zu beenden.

In den vergangenen Monaten hatte die Bank einige kleine Fälle rund um angebliche Manipulationen bei den Preisen für Gold, Silber und Derivaten beigelegt. In den vergangenen Jahren kosteten juristische Fehden Deutschlands grösstes Geldhaus bereits mehr als 12 Milliarden Euro - etwa wegen der Beteiligung an Zinsmanipulationen (Libor), umstrittener Hypothekengeschäfte und Verstössen gegen Handelssanktionen.

HÖHERER KAPITALPUFFER

Die Deutsche Bank hat ihre Kapitalpuffer dank des überraschenden Gewinns im dritten Quartal gestärkt. Die harte Kernkapitalquote kletterte in den vergangenen drei Monaten um 0,3 Prozentpunkte auf 11,1 Prozent, wie das Institut am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Dazu trug auch ein deutlicher Abbau der Risikopositionen bei, mit dem die Bank auch einen Rückgang des anrechenbaren Eigenkapitals wettmachte.

Weiterhin wartet der Konzern aber auf den erwarten Sprung von 0,5 Prozentpunkten bei der Kernkapitalquote aus der bereits 2015 vereinbarten Veräusserung der Beteiligung an der chinesischen Bank Hua Xia. Der Abschluss zieht sich aufgrund noch fehlender behördlicher Genehmigungen. Der Verkauf sollte ursprünglich bereits im ersten Halbjahr abgeschlossen sein. Den Kapitaleffekt hatte die Bank bereits in den europäischen Banken-Stresstest einarbeiten dürfen und hatte trotzdem als neuntschwächster Teilnehmer abgeschnitten.

Die harte Kernkapitalquote gibt das Verhältnis von Eigenkapital zu den Risikopositionen an. Eigenkapital gilt als wichtige Stütze von Banken in schwierigen Zeiten. Viele Analysten sehen bei der Bank auch wegen immer strengerer Vorgaben der Aufsichtsbehörden weiter erhebliche Kapitallücken in den kommenden Jahren und halten deshalb eine Kapitalerhöhung für wahrscheinlich.

Verstärkt wurden diese Befürchtungen durch die drohende Milliarden-Strafe in den USA wegen krummer Hypothekengeschäfte. Angesichts des heftigen Verfalls des Börsenwerts der Bank wurde zwischenzeitlich sogar darüber spekuliert, dass das Institut Staatshilfe benötigen könnte. Diesem Eindruck war Vorstandschef John Cryan allerdings entgegengetreten.

Langfristig muss die Deutsche Bank ihre Puffer in jedem Fall stärken. Bis Anfang 2019 muss sie auf eine harte Kernkapitalquote von 12,25 Prozent kommen. Sie selbst hat sich einen Wert von 12,5 Prozent zum Ziel gesetzt. Bislang will das Management dies vor allem über eine stärkere Einbehaltung von Gewinnen erreichen. Ob das reicht, zweifeln einige Experten angesichts der sinkenden Einnahmen im Tagesgeschäft aber an.

Die Verschuldungsquote, die das Eigenkapital ins Verhältnis zur gesamten Bilanzsumme setzt, erhöhte sich im dritten Quartal leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Diesen Wert will die Deutsche Bank bis Ende 2018 auf mindestens 4,5 Prozent bringen.

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(AWP)