Deutsche Börse leidet unter Marktflaute: Ziele kaum mehr erreichbar

(Ausführliche Fassung) - Die von einem Insiderverfahren gebeutelte Deutsche Börse muss die nächste Schlappe einstecken: Die Ruhe an den Finanzmärkten zwingt den Frankfurter Börsenbetreiber nach den ersten drei Quartalen dazu, seine Prognose in Frage zu stellen. Die Deutsche Börse werde die "Ziele für das Gesamtjahr 2017 sehr wahrscheinlich nicht ganz erreichen können", erklärte Finanzvorstand Gregor Pottmeyer am Donnerstagabend am Firmensitz in Eschborn bei Frankfurt. Wo die Deutsche Börse nun am Jahresende herauskommen will, verriet er indes nicht. Die Aktie der Deutschen Börse verlor nachbörslich beim Broker Lang & Schwarz um 1,11 Prozent auf 90,10 Euro.
26.10.2017 19:54

Die Deutsche Börse wollte die Nettoerlöse im Gesamtjahr eigentlich um 5 bis 10 Prozent steigern - nach neun Monaten liegt der Zuwachs bei 3 Prozent. Der Überschuss sollte auf bereinigter Basis um 10 bis 15 Prozent steigen - geschafft nach neun Monaten sind 5 Prozent. Diese Botschaft kam nur Stunden nach der Ankündigung von Konzernchef Carsten Kengeter, zum Jahresende zurückzutreten. Hintergrund sind Ermittlungen wegen des Verdachts des Insiderhandels im Zusammenhang mit der gescheiterten Fusion mit der Londoner Börse.

Schon die Halbjahresbilanz hatte Zweifel daran geschürt, dass die Deutsche Börse ihre ursprünglichen Jahresziele erreichen kann. Die erhoffte Belebung an den Märkten blieb nun im dritten Quartal aus: Die Nettoerlöse stiegen hier um 3 Prozent auf 576,3 Millionen Euro. Der Überschuss verbesserte sich zwar um 20 Prozent auf 204,3 Millionen Euro - ohne Sondereffekte lag das Plus aber auch hier nur bei 4 Prozent.

Nach den politischen Wirren um das Brexit-Referendum und um die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten war relative Ruhe am Finanzmarkt eingekehrt. Die Flaute im Handel hatte sich bereits in den Ergebnissen grosser Banken wie der Deutschen Bank niedergeschlagen. In den Jahren 2018 und 2019 soll es zumindest bei der Deutschen Börse aber wieder besser laufen: Die Prognose für ein jährliches Gewinnwachstum von 10 bis 15 Prozent stehe für die beiden kommenden Jahre, sagte Pottmeyer./das/ben/stb

(AWP)